ISWH – „Adolescence Aftermath“ (Koepfen Records)

Es gibt sie immer wieder, diese Wow-Effekte bei Bands, die man bisher gar nicht kannte. Bei ISWH aus Dresden/Berlin hatte ich bis zum Aufsetzen der Nadel keinen blassen Schimmer, was mich erwarten würde. Nun ja, die Band existiert wohl auch schon seit dem Jahr 2013, bisher wurde eine EP in Eigenregie veröffentlicht, häppchenweise spielten die vier Jungs auch ein paar Konzerte, die sich allerdings vorwiegend auf den Norden der Republik beschränkten. Da ich bisher gar nichts über die Band wusste, hab ich mir im Internetz mal ein Interview reingezogen, in welchem man erfährt, dass die Jungs alle in der gleichen Region aufgewachsen sind und sich schon seit Ewigkeiten kennen. Zu Beginn wurde in Dresden geprobt, weil dort alle außer Sänger Julian wohnten. Mittlerweile leben jedoch 3/4 der Bandmitglieder in Berlin, so dass jetzt Drummer Basti zu den Bandpoben von Dresden nach Berlin pendeln muss.

Rein äußerlich kommt die 12inch etwas undurchsichtig daher, anhand des Coverartworks lässt sich schwer erahnen, mit welcher Art von Musik man es gleich zu tun bekommt. Das in meinem Fall durchsichtige und kristallklare Vinyl (es gibt wohl auch noch Exemplare in rosa-weißem oder schwarzem Vinyl) sieht jedenfalls edel aus. Und bei den ersten Klängen zum Song Adolescence Aftermath lehne ich mich erstmal entspannt und zufrieden grinsend zurück und erfreue mich an den ebenfalls kristallklar klimpernden und teilweise delayartig flirrenden Gitarren und dem zerbrechlich melancholischen Gesang, der da aus den Lautsprechern kriecht. Bereits bei diesen ersten Klängen weiß ich: das hier mag ich sehr, dieses Scheibchen wird noch etliche Runden auf dem Plattenspieler drehen. Textlich werden die Nachwirkungen des Erwachsenwerdens behandelt, überhaupt geht es viel um die rasend vergehende Zeit, die man als Kind noch auf andere Weise wahrnimmt. Sätze wie „I feel old because the bands on most of my shirts already split up“ treffen Dich umso schwerer am Kopf, wenn diese gesplitteten Bands nach Jahren in der Versenkung eine klägliche Reunion starten und plötzlich alt, aufgedunsen und gebrechlich ihren einst jugendlich und rebellisch anmutenden Kultstatus mit einem ausgedorrten Auftritt voller Peinlichkeiten zerstören. Ach herrje, dann fühlst Du Dich erst richtig alt! Dann hilft es nur noch, sich an die schöne alte Zeit zu erinnern, als man sich mit den Büchern von Charles Bukowski in eine dunkle Ecke verzogen, bedächtig den Klängen American Footballs gelauscht und sich dem Schicksal Holden Caulfields unendlich nahe gefühlt hat.

Jedenfalls wird man im Laufe der sieben Songs desöfteren an liebgewonnene Bands aus der jüngeren Vergangenheit erinnert. Grob gesagt machen die vier Jungs eine Mischung aus Post-Hardcore, etwas Post-Rock und ganz viel Emo, den man gern in den Neunzigern und kurz um die Jahrtausendwende herum gehört hat. Thursday, American Football, Cross My Heart (das passt zu 100%) und One Man And His Droid kommen da auf Anhieb in die Erinnerung, Parallelen zu The Cure sind bei der melancholischen Note der Songs ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Wo ähnliche aktuelle Bands wie z.B. Duct Hearts eher ins sperrige abdriften, legen ISWH mit bittersüßen und melodramatischen Ohrwurm-Melodien nach. Die Songs schrauben sich buchstäblich nach jedem Durchlauf immer weiter ins Gehör, es ist eine wahre Freude. A Little Death, A Little Victory ist mit seinem mehrstimmigen Chor z.B. fast schon hymnenhaft. Es gibt noch etliches mehr zu entdecken, bis man bei Embassy von diesen kreisenden Gitarren in der Nase gekitzelt und von diesen mehrstimmigen Chören wieder völlig eingelullt wird. Mit dem eher ruhigeren letzten Song Sleep hat man die Wahl: entweder in die Federn, oder noch ’ne Runde…Keine Frage, hier wird die nächste Runde gewählt, denn ISWH sind wie der sympathische unscheinbare Typ aus der Parallelklasse, den alle belächeln und der aber ’ne Menge auf dem Kasten hat. Neben Koepfen Records ist auch noch das Label Heads Down Records am Release beteiligt.

8/10

Facebook / Bandcamp / Koepfen Records


 

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Dingleberry Records-Splitstorm: Child Meadow & Appletop, Det Är Därför Vi Bygger Städer & Мятеж, Euglena & КОЛЧАК

Child Meadow & Appletop – „Split 7inch“ (Dingleberry u.a.)
Komisch, irgendwie hatte ich die Franzosen von Child Meadow mit ihrem It Hurts-Album etwas Screamo-lastiger im Gedächtnis, aber das Screamo-Feeling stellt sich nach einem extrem gut nach vorne gehenden fuzzigen Emo/Grunge-Auftakt dann doch noch ziemlich rasch ein. Die Gitarren schrammeln nach wie vor am Limit, einzig der Gesang klingt nicht so brutal wie auf It Hurts, auch wenn man merkt, dass noch jede Menge Schmerz aus allen Ritzen ans Ohr dringt. Die zwei Songs fuzzen jedenfalls ohne Ende, das hört man v.a. beim Appletop-Cover Somehow We Got Lucky. Wenn ihr jetzt ratlos wie ich vor der Appletop-Wand steht, dann hilft nach dem Durchlauf der A-Seite nur eines: Umdrehen und die Appletop-Seite lauschen. Die zwei Songs von Child Meadow erinnern mich jedenfalls daran, dass ich nach ausgiebiger Rotation dieses Scheibchens mal wieder in den Backkatalog der Band aus Toulon reinhören sollte. Aber zurück zur Appletop-Wand, vor der ihr immer noch ratlos steht. Ist das umdrehen des Scheibchens geglückt, dann freut man sich recht schnell am relaxten Sound der ebenfalls aus Frankreich stammenden und mir gänzlich unbekannten Band. Insgesamt kann man hier von ziemlich geilem slackigen Indierock mit Emo-College-Rock-Einflüssen sprechen. Da fühlt man sich direkt an Bands wie Youth Group oder Athlete erinnert, selbst Karate hat man beim zweiten Song Next to Fuzzy Mc Gee im Ohr, Pavement, Dinosaur Jr. oder Van Pelt dürften auch in den Plattenregalen der Bandmitglieder stehen. Noch schnell was zur Aufmachung: die schwarz-weiß-Optik wirkt auf den ersten Blick etwas lieblos gestaltet, dennoch vermute ich – hauptsächlich aufgrund des Inhalts des hinterlegten Textauschnitts -, dass da jemand schon einen Plan hatte. Dass dieses Scheibchen was besonderes ist, zeigen auch die am Release nicht wenigen beteiligten Labels: Desertion Records, Pundonor Records, Sieve Sand Records, Crapoulet, La Cellule Records, Panda Banda, Super Issue, Bus Stop Press, Pornovista, Never Trust An Asshole und Dingleberry Records.
Name Your Price Download / Dingleberry Records


Det Är Därför Vi Bygger Städer & Мятеж (Dingleberry Records u.a.)
Manche Bands scheinen Split 7inches zu sammeln, als ob es Trophäen wären. Gerade für tief in der DIY-Szene verwurzelte Bands symbolisiert dieses Format auch den Zusammenhalt und die Freundschaft mit anderen Bands. Det Är Därför Vi Bygger Städer ist auch so eine Band, die dieses Split-Format zu lieben scheint, denn dieses Release ist bereits die fünfte Split. Ich stelle mir solche Co-Releases mehrerer Labels (Dingleberry Records, Through Love Records, Zegema Beach Records, Friendly Otter Records, Wolftown DIY und Samegrey Records) und mehrerer Bands sehr aufwändig vor, alleine die Kommunikation der Labels und der Bands untereinander dürfte nicht einfach sein. Nun, die digitale Version war bereits seit Ewigkeiten auf Bandcamp verfügbar, jedoch zog sich die Veröffentlichung dieses Tonträgers richtig unangenehm in die Länge, der Pressungsprozess dauerte wohl über ein Jahr. Was lange währt, wird letztendlich klasse. Das Faltcover besteht aus einem glatten, dicken Karton, der mit einer schönen Bleistift/Kohle-Zeichnung (?) der Künstlerin Felicia Nyström bedruckt ist. Im Inneren können die Texte nachgelesen werden, zudem erfährt man hier auch, dass es sich bei den drei Songs der Band Det Är Därför Vi Bygger Städer um die ersten Songs handelt, die die Band geschrieben hat. Natürlich tut man sich mal wieder mit den schwedischen Texten schwer, aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann strotzen die Texte nur so vor Trennungs-Herzschmerz, Bedauern und unendlicher Liebe. Jedenfalls zeigt die Band, die sich aus Bandmitgliedern von Careless, No Omega und Disembarked zusammensetzt, dass hier neben jeder Menge Herzblut auch reichlich Erfahrung mit an Bord ist. Die drei Songs leben v.a. von den flink gespielten Gitarren und vom heulend-leidenden, herzzereißenden, verzweifelten Geschrei des Sängers, dazu wildes Getrommel, manchmal arhythmisch und mit richtig viel Crashbecken. Bei den zwei kurzen Stücken dominiert eher das Gaspedal, bei Akvarell – mein Favorit auf der A-Seite – zeigen die Jungs aber eindrucksvoll, dass sie auch langsameres Tempo gut beherrschen. Мятеж sind aus Portland/USA und Hamilton/Kanada und sie bezeichnen sich als kollektives Projekt, das das Splitformat und einzelne Samplerbeitragshappen ebenfalls zu lieben scheint. Bei мятеж wirken eigentlich nur zwei Leute mit: zum einen ist das Dave von Zegema Beach Records, der den Gesang zu den zwei Songs beisteuert, zum anderen ist das Chris, den man von Bands wie Yaphet Kotto, Jenny Piccolo oder Makara her kennt und welcher für alles andere verantwortlich ist. Die zwei Songs überwalzen Dich zuerst mal richtig schön, dabei driftet man nach mehrmaligen Durchläufen irgendendwie ab. Mir ergeht es so, als ob ich die Musik wie durch einen Wattefilter im Ohr wahrnehmen würde, eine gewisse Distanz zu den Songs ist nicht von der Hand zu weisen, es braucht einige Runden, um mit dem Sound der Band warm zu werden. Vermutlich liegt das am Soundmatsch der Gitarren und am verzerrten Gesang, der sich anhört, als ob er elektronisch verzerrt wäre. Selbst beim ruhigeren Beginn von Inhaling Infants werde ich dieses Watte-Gefühl nicht los, so dass bei diesem Release sicher die Bygger Städer-Seite öfters mit der Seite nach oben auf dem Plattenteller liegen wird.
Name Your Price Download / Dingleberry Records


Euglena & КОЛЧАК – „Split 7inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Rein äußerlich punktet dieses kleine Scheibchen schon mal ordentlich. Auf zahnarztkitteligem weißem Karton sind per schwarzem Druck ein paar angegammelte und herausgerissene Zähne zu bewundern. Alle mit Wurzeln, penibel und zwanghaft wie von einem Psychopathen nach dem chirurgischen Zahneingriff angeordnet. Das amalgamweiße Vinyl blitzt zähnefletschend vom Plattenteller, während beim Aufsetzen der Nadel ein bohrendes Zahnarzt-Folterinstrument ratternd für Gehirnschmerzen sorgt, sich langsam, aber presshammerwalzend und bestialisch den Weg durch das porzellanartige Gestein freischaufelt…Euglena kommen aus Sankt Petersburg/Russland und machen ziemlich crustigen Screamo. Die Band war mir bisher nicht bekannt, neben einer Split gibt es auch noch eine EP. Klingt gut angepisst und wütend. Gerade die alleinstehenden Gitarren im Mittelteil des 3:31 minütigen Songs auf der A-Seite lassen mich aufhorchen, denn gleich im Anschluss bauen die Gitarren plus Schlagzeug eine Spannung auf, die ich gern live einsaugen würde. Das Ding sorgt bestimmt für Gänsehaut. Geiler Song jedenfalls! КОЛЧАК kommen auch aus St. Petersburg und rocken die B-Seite ebenfalls mit einem Song mit identischer Spielzeit (3:31 Minuten). Allerdings fehlt mir hier etwas der Gesang, denn die Band ist rein instrumental unterwegs. Im Gegensatz zu diesen gängigen langweiligen Post-Rock-Instrumental-Bands haben die Jungs aber ordentlich Dampf in den Segeln, mit dem entsprechenden Gesang wär das Ding echt mal der Hammer. Auch КОЛЧАК haben schon ein paar Veröffentlichungen im Gepäck, das erklärt die atmosphärische Dichte dieses Hammersongs. Beide Bands sind zwar auf den ersten Blick etwas unbequem, aber das erste mulmige Gefühl in Bezug auf die fehlenden Stempel im Zahnarzt-Bonus-Heftchen wird beim mehrmaligen Drehen des Scheibchens schnell vergessen. Wer braucht schon das Geräusch eines Zahnarztbohrers bei 7inches wie dieser genialen Split? Ach ja, die beteiligten Labels noch: Dingleberry Records, Grains Of Sand Records, Basement Apes Industries, Désordre Ordonné und WOOAAARGH.
Stream / Dingleberry Records


 

 

ZilpZalp – „…auf den Versen“ (Tanz Auf Ruinen / zilpzalp records u.a.)

Während man auf diesen Seiten schon öfters von tollen Releases aus dem Hause zilpzalp records erfuhr, war mir die Band ZilpZalp aus Dortmund bisher noch kein Begriff. Gerade auch deshalb verwunderte es mich doch sehr, dass die Dortmunder ihre erste 12inch unter anderem auf dem gleichnamigen aber kleingeschriebenen Label aus Leipzig veröffentlichen. Da kommen dann schon Fragen auf. Kennen die sich irgendwie näher, gibt es gar eine gemeinsame Vergangenheit? Oder stieß irgendwer von den beiden Parteien beim sich selbst googeln auf den anderen – nachdem die ganzen Weidenlaubsänger-Singvögel-Ergebnisse abgearbeitet waren – und hatte anschließend vor, den anderen kräftig zu verklagen? Da kommen Erinnerungen an das sagenhafte True Love Records-DIY-Label und das andere, irgendwie spießige Law And Order-True Love Records-Techno-Label auf, ihr wisst alle, wie das ausgegangen ist. Nun, ich könnte mir im Fall von ZilpZalp Folgendes vorstellen: Beim Streitgespräch am Tisch entdeckten beide Seiten, dass man sich sympathisch ist. DIY, gleiche Wellenlänge, Punkbackground und etliches mehr. Warum also unnötig Stress verursachen, gemeinsam kann man mehr erreichen. Auch wenn das jetzt alles Vermutungen sind, die wahre Geschichte hinter der Fusion beider Parteien kenne ich leider nicht, aber irgendwie erinnert das an die Max Goldt-Geschichte des alten Ehepaars, das seit 30 Jahren jedes Jahr mit dem Zug von Ludwigshafen am Rhein nach Ludwigshafen am Bodensee fährt. Neben zilpzalp records sind an der 12inch übrigens noch Tanz auf Ruinen und Trace in Maze Records beteiligt.

Nun, rein äußerlich betrachtet trifft Artwork und Vinyloptik absolut den Geschmack von DIY-Vinylfetischisten. Weißes Vinyl mit schwarz(B-Seite)-weiß(A-Seite)-Vogel-Labeldruck, dazu ein schlichter Cover-Siebdruck und als Krönung ein schwarz besiebdruckter knickfester Karton, auf dem man die tollen Texte nachlesen kann, die in deutscher Sprache vorgetragen werden. Ein Aufkleber purzelt auch noch aus dem Karton, wer einen Download-Code sucht, findet zwar keinen, kann sich das Teil aber trotzdem für lau auf Bandcamp ziehen.

Okay, nun aber endlich mal zur Musik. Die Aufnahme klingt ziemlich hell. Wenn ich nicht vor Kurzem meinen ganzen Plattenspieler gewartet hätte, hätte ich eine Erneuerung der Nadel in Betracht gezogen. Aber egal, man hat ja einen Equalizer, den man DIY-mäßig basslastiger einstellen kann und selbst wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm. Denn ZilpZalp rocken die Bude und begeistern auf Anhieb, auch wenn der Sound manchmal räudig scheppert. Ich hab viele Leute in meinem doch sehr kleinen Freundeskreis, die rauschige, mit defektem Tonkopf aufgenommene Tapes als das Maß der Dinge ansehen und vergöttern. Und ich bin mir sicher: ZilpZalp wollten das so haben. Nach einem einminütigen Instrumental-Intro geht es direkt mit emopunkigen Screamo los, in den man sich ziemlich schnell verguckt. Allein der ruhige Mittelteil von Kundenkannibalismus erzeugt eine schöne Gänsehaut, der Rest ist das, was ich liebevoll Brustklopf-Emo nenne. Überhaupt, diese ruhigen und melodischen Parts in den Songs hört man bei ZilpZalp häufig. Man fühlt sich an 90er-Screamo/Emo-Bands wie z.B. Yage erinnert, ein großer Einfluss dürften auch die ganzen Franzosen-Screamo-Bands genommen haben. Die zähle ich jetzt nicht extra auf, lieber erwähne ich an dieser Stelle nochmals den saftigen Punk-Faktor, der diese Platte so besonders macht. Die Gitarren bleiben trotz Schrammelei immer schön melancholisch und melodisch, der Bass macht teilweise sein eigenständiges Ding, hin und wieder vernimmt man eine warme Bassline, die gegen die Gitarren anspielt. Und natürlich darf bei einem melodramatischen Sound wie von ZilpZalp auch kein anklagendes und leidendes Geschrei fehlen. Fans von Manku Kapak, Tante Timbuktu, Blue Water Boy, Kishote oder Masada sollten sich die Platte schnell mal bestellen!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Tanz auf Ruinen / zilpzalp rec.


 

Coma Regalia-Special: Coma Regalia – „There’s Still Time“ 12inch & Tapestry & Coma Regalia – „Our Laughter Under Cerulean Skies“ 9inch

Coma Regalia – „There’s Still Time“ (Dingleberry Records u.a.)
Gefühlt vergeht eigentlich kaum ein Quartal, ohne dass ein Release von Coma Regalia erscheint. Wenn sich eine DIY-Band mit Haut, Haaren und Herz ihrem Sound widmet und zusätzlich noch dem gesplitteten 7inch-Format huldigt, dann kann es schonmal sein, dass man bei dieser Masse irgendwann den Überblick verliert. Auch die vielen Labels, die an solchen Releases beteiligt sind, muss man erstmal auf dem Schirm haben. There’s Still Time erscheint in Zusammenarbeit von elf Labels (Dingleberry Records, Time As A Color, i.corrupt Records, À Fond d’Cale, Adorno Records, Bad Break Records, Boslevan Records, Dasein Records, The Land In Between DIY, Lost State Records, Middle-Man Records). Ich musste doch nun wirklich gerade bei Discogs nachschlagen, nur um sicher zu gehen, dass diese 12inch nun das mittlerweile dritte Full-Length-Album der Band aus Lafayette, Indiana ist. Man denkt ja immer, dass es so Bands mit vielen Split-Veröffentlichungen eventuell nicht schaffen könnten, auf ganzer Albumlänge das hohe Niveau zu halten. Diesen Kritikern empfehle ich mal, sich die Mühe zu machen, alle Coma-Regalia-Split-Beiträge auf ein Tape aufzunehmen und hintereinander anzuhören. Ihr werdet dabei entdecken, dass es ein richtig abwechslungsreiches Tape ist, Coma Regalia klingen wirklich bei jedem Song etwas anders, die Ideen scheinen den Jungs jedenfalls niemals auszugehen. Eines meiner Lieblingsreleases der Band ist ja die Split mit What Of Us, bei der ich dieses Phänomen eigentlich erstmals bewusst wahrgenommen habe. Diese Vielseitigkeit im Sound lässt sich auch auf There’s Still Time entdecken. Neben den kurzen Smashern, die unter einer Minute einen Total-Abriss auf’s Parkett legen, kommen auch immer wieder diese warmen Bass-Spielereien zum Vorschein, daneben verzücken die mehrstimmigen Chöre, die unterschwelligen Melodien und der intensive Gesang. Dieser ist dann sowas wie ein Markenzeichen: von cleanen Vocals über gescreamten Heulgesang bis hin zum kläffenden Pitbull-Gekeife: da steckt einfach sehr viel Emotion, Herzblut, Verzweiflung, Schmerz und Wut drin. Da stört es auch nicht, dass sich die Gitarren bei In The Circle ein wenig kaputt anhören, für mich ist gerade dieser Song eines der Highlights auf der Platte. Weitere Höhepunkte: Curtain Call. Und dann noch die Überraschung zum Schluss: ein zwölfminütiges hypnotisches Stück, das trotz der immer wiederkehrenden Gitarrenschlaufe nicht langweilig wird und zum Ende hin nochmal richtig ausbricht. Faszinierend, meine Augen leuchten, während ich wie hypnotisiert die Platte umdrehe und den Tonarm an den Anfang setze. Wie der Albumtitel und das Artwork schon prophezeit, geht es in manchen Stücken um die Zeit, um die Vergänglichkeit. Wie und was genau gesungen/geschrien/gelitten wird, das könnt ihr auf dem schön gestalteten Textblatt nachlesen.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Tapestry & Coma Regalia – „Our Laughter Under Cerulean Skies“ (Dingleberry Records u.a.)
Hach, hier haben wir mal wieder ein tolles DIY-Scheibchen im nicht alltäglichen 9inch-Format, das man sich gerne in den Plattenschrank stellt. Das Release ist schlicht in der Aufmachung, die Plattenhülle besteht aus einem besiebdruckten Papiermantel, ein Textblatt sucht man vergebens, auch zu den Bands gibt es keinerlei Infos, die Songtitel erfährt man erst, wenn man nach dem Release online gesucht hat und einen Stream aufgestöbert hat. Lediglich die am Release beteiligten Labels sind auf der Hülle abgedruckt (Dingleberry Records, Middle-Man Records, Canopus Distro, Pointless Forever Records). Da hat man also nur noch die Wahl, sich voll und ganz dem schwarzen Scheibchen zu widmen und die Musik beider Bands aufzusaugen, was sich auch ohne große Probleme oder gar Langeweile erledigen lässt. Tapestry kommen aus Singapur, bisher hatte ich diese Band leider noch nicht auf dem Schirm, obwohl die Band ihr erstes Release bereits 2012 veröffentlichte und dabei auch noch sagenhaften Midwest-Emocore fabriziert, der direkt ins Herz geht. Bei den beiden Songs der A-Seite hat man jedenfalls immer wieder das Gefühl, dass man hier auf verschollene Songs von Mineral, Sunny Day Real Estate, Ida oder Penfold gestoßen ist. Die Gitarren, der Rhythmus und der Gesang klingen total nach diesen Bands. Gleich mal den Backkatalog von Tapestry zum Name Your Price Download zippen! Okay, nun zu Coma Regalia. Wie zu erwarten war, steht der Sound der Screamo-Band im totalen Kontrast zum ruhigen, zerbrechlichen Emo von Tapestry. Coma Regalia schmettern direkt keifend los, der Song Day One beginnt mit einem groovigen Intro, das in hypnotisches Gitarrenklimper übergeht, bevor es mit den besten Emo-Gitarren ever richtig geil in astreines Screamo-Geknüppel gipfelt, die für die Band typischen unterschwelligen Melodien kommen auch wieder mal nicht zu kurz. Wer jetzt denkt, dass es das schon gewesen sein muss, dem werden im Verlauf des fünfminütigen Songs gründlich die Augen geöffnet. Das Ding hat so viele Parts, die aber alle zueinander passen, einfach genial! Day One ist dann auch für mich persönlich das absolute Highlight dieser 9inch. Das soll aber keineswegs heißen, dass der Rest absoluter Käse ist, ganz im Gegenteil. Der zweite Song Day Two verzückt ebenfalls, hier stechen v.a. die mehrstimmigen Backgroundchöre hervor. Mal wieder ein durchaus gelungener Song!
Bandcamp / Dingleberry Records


 

Videosammlung: Banana Roadkill, Circa Survive, Clowns, Hey Ruin, Huelse, Last Light, Sons Of Lee Majors, South Berkeley

Wie man als Duo ordentlich was losmachen kann, beweisen die Münsteraner/Hannoveraner Typen von Banana Roadkill mit diesem Video zum Song Conversation, das dem kommenden Album A Quiet Conversation entnommen ist.


Circa Survive haben auch ein sehr gutes neues Album namens The Amulet am Start. Zum Song Lustration gibt es ein sehr aufwendig gemachtes Video zu bestaunen!


In den letzten Monaten sind mir die australischen Clowns richtig ans Herz gewachsen. Leider konnte ich die Band bisher noch nie in echt sehen, aber etliche Live-Videos auf Youtube lassen mich einer Show der Band gespannt entgegenfiebern. Viel Spaß mit Destroy The Evidence aus dem Album Lucid Again.


Die Punkers von Hey Ruin waren in der Zwischenzeit auch mal wieder ein wenig umtriebig. Aus dem bald erscheinenden Album Poly bekommt ihr hier schonmal ein kleines Apettit-Häppchen in Form des Videos zum gleichnamigen Song. Tolle Location übrigens! Das erinnert mich an frühere Streifzüge und Abenteuer durch verlassene Häuser im Wald. Aber die Kids von heute kennen das ja nur noch aus Computerspielen…


Das Video zum Song Rede Von macht irgendwie neugierig auf mehr von der Band Huelse. Wer die Nerven oder Messer lieb hat, der dürfte auch mit Huelse glücklich werden. Falls ihr euch fragt, warum die Typen, die auf dem Land aufgewachsen sind, ordentlich einen an der Waffel haben: die Antwort findet ihr im Video!


Last Light ist mal wieder so ’ne Supergroup mit etlichen Szenegrößen, u.a. wirkt hier einer meiner Lieblings-Hardcore-Punk-Gitarristen mit:  Joe D. Foster. Der Typ hat einfach den Bogen raus, in diese Gitarren könnte ich mich immer wieder reinlegen! Ich brauche unbedingt die Split mit der Band Tausend Löwen unter Feinden!


Wenn wir schon beim Hey Ruin-Video an unsere abenteuerlichen Erlebnisse in unserer Kindheit erinnert werden, dann darf natürlich die Inspirationsquelle in Form einer kultigen TV-Serie nicht fehlen: Ein Colt für alle Fälle hat sicher dazu beigetragen, dass wir uns damals völlig furchtfrei in abbruchreife Ruinen reingetraut haben. Ups, das war jetzt eine etwas verkrampfte Überleitung zu diesem draufgängerischen Duo aus Ravensburg namens Sons Of Lee Majors, das mit Bass, Drums und jeder Menge Wut die buchstäbliche Hölle rockt.


South Berkeley klingen mit ihrem sonnigen Sound ziemlich amerikanisch, obwohl sie aus Frankreich kommen. Die Vorbilder dürften mit Blink 182 schnell gefunden sein, aber seht und hört selbst: hier das Video zum Song Tiny Rascals.


 

Potence – „L’Amour Au Temps De La Peste“ (Dingleberry Records u.a.)

Die Pest – auch bekannt unter dem Begriff der schwarze Tod – galt lange Zeit als ausgerottet, in den letzten Jahren gab es aber immer wieder vereinzelt Epidemien, denen viele Menschen zum Opfer fielen. Zwar nicht so zahlreich wie von der Bronzezeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, da mit den Fortschritten in der Medizin durch Antibiotika bekämpfbar, trotzdem fallen immer wieder Menschen in verarmten Gegenden der Krankheit zum Opfer, aktuell in Madagaskar. Warum die Band Potence aus Besançon, Frankreich ihr Debutalbum mit dem genialen Albumtitel L’Amour Au Temps De La Peste betitelt hat? Also, nach dem Studieren der Texte, die ja in französischer Sprache vorgetragen werden und im Textblatt auch in der englischen Übersetzung vorliegen, komme ich zu folgender gewagten Interpretation. Die Pest wird durch Flöhe übertragen, Ratten und andere Nagetiere gelten als Wirte. Frankreich, das ja meist den Zusatz „das Land der Liebe“ erhält, erfährt derzeit – genauso wie der Rest von Europa, ja sogar der Welt – wie sich der Hass der Gesellschaft unaufhörlich, sozusagen wie die Pest im Mittelalter verbreitet. Durch Menschen, die Hass predigen, die anderen sozusagen verpestete Flöhe ins Ohr setzen. Die mit erhobenem Zeigefinger andere Menschen manipulieren wollen. Um sich gegen diesen Hass zu immunisieren, hilft eigentlich nur noch, die Menschen in seinem näheren Umfeld zu lieben und die angestaute und verzweifelte Wut über den Zustand der Welt mit Alben wie diesem zu kompensieren.

Nun, kommen wir aber mal zum Album des Quintetts, das sich übrigens aus Leuten der Bands Géraniüm, Human Compost, Black Code und Daïtro zusammensetzt. Das erklärt vielleicht, warum die Band bereits auf ihrem ersten Longplayer so perfekt eingespielt ist. Die weiße, aufklappbare Plattenhülle ist mit einem schönen, zweifarbigen Siebdruck versehen, im Innenteil sind die Texte mit englischer Übersetzung nachzulesen, zudem erfährt man, dass neben Dingleberry Records die Labels Contraszt! Records, Impure Music, Subversive Ways, Walking Is Still Honest und Music For Liberation beteiligt am Release beteiligt sind. Als Kontrast zum schwarzen Tod kommt weiß schimmerndes Vinyl zum Vorschein. Wow! Potence ist übrigens französisch und bedeutet soviel wie „Galgen“.

Potence konnten mit ihrem verzweifelt intensiven Mischmasch aus Screamo, Post-Hardcore, Emocrust, Punk und etwas Post-Rock bereits auf ihrem 4-Song Demo bei mir landen. Drei der vier Songs vom Demo sind auch auf dem Debutalbum enthalten, allerdings sind die neu eingespielten Songs in Sachen Aufnahme und Abmischung von besserer Qualität. Das Mastering hat übrigens Will Killingsworth von Orchid übernommen. Jedenfalls brezeln die insgesamt acht Songs ordentlich los. Die Gitarren kommen schön fett, egal ob sie gerade schnell vor sich hin rotieren oder ’nen Gang runterschrauben, selbst bei den cleanen Parts bleibt eine dichte Atmosphäre. Dazu das verzweifelte Gekeife von Sänger Aurélien und die mit viel wumms und reichlich Crashbecken gespielten Drums, die auch schonmal arhythmisch werden können, nur um Dir im nächsten Moment wieder walzend ’nen Schlag vor den Kopp zu geben. Das Ding hier muss man sich jedenfalls laut geben. Einen Downloadcode braucht’s hier auch nicht, denn das Album kann zum Name Your Price-Tarif runtergeladen werden. In diesem Sinne, macht die Welt zu einem besseren Ort: Punk is Love!

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

Split-Storm: TDOAFS & Duct Hearts – „Split 6inch“, TDOAFS & Albatros – „Split 10inch“

TDOAFS & Duct Hearts – „Split 6inch“ (time as a color u.a.)
Dieses kleine 6inch-Juwel besticht schon einmal rein äußerlich: die bordeauxrote, aufklappbare Plattenhülle ist mit einer wunderschönen Bleistift/Kohle-Zeichnung besiebdruckt, auf dem Backcover sind die Texte der beiden Songs und die am Release beteiligten Labels nachzulesen (time as a color, zilpzalp records, Dasein Records, Civic Duty, Don’t Live Like Me, Dingleberry, A Fond D’Cale, Hardcore For The Losers, Adorno Records). Das Scheibchen selbst befindet sich in einem briefähnlichen schwarzen Umschlag und ist mit ebenfalls bordeauxroten Labels beklebt. TDOAFS aus Kanada dürfen als erste ran und steuern einen knapp über zwei Minuten dauernden Song bei, der irgendwo zwischen eindringlichem Post-Hardcore und emotionalem Screamo angesiedelt ist. Die Gitarren zwirbeln verdammt melancholisch, darüber thront intensiver Heulgesang, zudem gefallen mir bei diesem Song die etwas dumpf klingenden und präzise gespielten Drums, die auch mal arhythmisch vor sich hin eiern. TDOAFS ist übrigens die Abkürzung von The Discord Of A Forgotten Sketch, das hab ich mal bei meiner Recherche zur Besprechung der bereits im Jahr 2015 erschienenen 7inch herausgefunden. Duct Hearts zeigen dann auf der B-Seite, dass sie auch hin und wieder „kurz“ können. Der Song Enduring War erreicht nicht mal die drei-Minuten-Marke und kommt nach einem kurzen, flächigen Intro direkt zur Sache und ist so schnell vorbei, wie er begonnen hat. Zwischen gespenstischen delayartig in die Höhe wachsenden Post-Rock-Gitarren und bedächtigem Ambient-Geklimper ragt hier wieder einmal Daniels unverkennbare Stimme hervor. Irgendwie ist mir der Song dann aber doch zu kurz, also hilft nur, erneut die Nadel an den Anfang zu setzen. Ich kann mir nicht helfen, aber die abschließenden Gitarrenklänge wirken so, als ob man den Song einfach mal abgewürgt hat, weil die Spielzeit nicht mehr gereicht hat. Trotzdem mal wieder ein sehr schöner Duct Hearts-Song, der übrigens über Koenich Sound (Südkorea) gemischt und gemastert wurde.
Bandcamp / time as a color


TDOAFS & Albatros – „Split 10inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Manchmal ist es wie ein verflixter Zufall! Man hat vor längerer Zeit eine Band kennen und lieben gelernt, hat sie aber aufgrund massigem Alltagsstress und gnadenloser Übersättigung durch etlich zugesandte Bemusterungsexemplare fast schon wieder vergessen und plötzlich bekommt man innerhalb von einer Woche von zwei verschiedenen Labels gleich zwei neue Releases dieser Band zugeschickt. Obendrein erhält man auf einem Split-Release auch noch eine weitere Band mit dazu, die ebenfalls schon einmal eine Rolle spielte. Völlig verrückt! Solche LOST!-Zufälle lassen mich glücklich wie ein Honigkuchenpferd grinsen. Nun, die Sprache ist zuerst mal von TDOAFS aus Kanada, die mir mit ihrem schnörkellosen Screamo/Post-Hardcore schon auf der damals besprochenen 7inch ziemlich zugesagt haben. Und als Entschädigung des kurzen und absolut geilen Songs auf der Split 6inch mit Duct Hearts wird man hier mit vier Songs verwöhnt, die wiederum Apettit auf noch mehr machen. Ein Teufelskreis! Verschwurbelt-verspielte, quirrlige Gitarren, krachig, roh und meistens etwas dissonant, bahnen sich hier ihren Weg durch die Abgründe der menschlichen Seele. Hier hört man viel Washington DC raus, hypnotische Passagen finden sich bei diesen vier Songs genauso wie ruhigere, bedächtigere Momente. Und mit jedem weiteren Durchlauf entdeckt man neue Melodiebögen. Einfach klasse! Aber es gibt auch noch eine B-Seite, die mit vier Songs der ebenfalls aus Kanada stammenden Band Albatros gefüllt ist. Und das ist die nächste Kuriosität. Die Sous​-​Entendu-EP erschien im Jahr 2014 und wurde von mir kräftig abgefeiert, damals noch auf Borderline Fuckup. Und jetzt treffen sich unsere Wege wieder mit dieser tollen Split 10inch und vier neuen Songs. Was mich im Vergleich zu den damaligen Aufnahmen etwas stört: der Gesang kommt teilweise nicht mehr so roh und authentisch rüber, als auf der gerade erwähnten EP, dennoch bleibt das Geschrei im grünen Bereich. Die Eigenständigkeit des Sängers hat sich wahrscheinlich durch äußere Einflüsse etwas verändert, schließlich wollen doch alle Hardcoresänger irgendwann grölen können wie eine Mischung aus Tom Araya und Jeremy Bolm. Was geblieben ist, sind die für Screamo- und Post-Hardcore unüblichen Bläser, die den Sound von Albatros wesentlich prägen. Sehr geile Band! Und überhaupt: sehr geiles Release: das handliche 10inch-Scheibchen fasziniert mit einem schön besiebdruckten Front- und Back-Cover, einziger Kritikpunkt ist das fehlende Textblatt. Zum Trost liegt ein kleines Kärtchen bei, auf dem man die am Release beteiligten Labels nachlesen kann: Dingleberry, Much Love To, L’oeil Du Tigre, Don’t Live Like Me, Black Lake und Le Mrt.
Bandcamp / Dingleberry Records