Bandsalat: Birch, Edalene, Endokard, Être, Polaroids, Potence, Super Unison, Tyranny Is Tyranny

Birch – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wenn ihr schon zum Frühstück Converge auflegt und auch sonst chaotischem Hardcore/Noise nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr mal in die Debut-EP dieser neuen Band aus Göteborg/Schweden reinhören. Ziemlich düster, bedrohlich und schwarz tönt das Soundgebräu aus den Boxen, schleppende, dissonante Passagen werden durch Breaks und schnelle Parts etwas „aufgelockert“, der Sänger röchelt auch ganz gut. Diehard-Fans von Converge, The Chariot oder The Dillinger Escape Plan werden sich jedoch nach einem aus ’nem Liter tiefschwarzen Kaffees bestehenden Sonntagsfrühstück, der bereits bei Song Nummer drei runtergeschlürft ist, nochmal gähnend ’ne Runde auf’s Ohr hauen und Stunden später aufgrund eines apokalyptischen Traums schweißgebadet aufwachen, weil sie von so ’nem Meteorit aus dem No Heroes-Video von Converge am Kopf getroffen wurden.


Edalene – „I’m Still Here“ (DIY) [Freier Download]
Australien hat wirklich ’ne lebhafte HC/Melodic HC/Modern HC-Szene, das behaupte ich jetzt einfach mal so, ohne jemals dort gewesen zu sein. Nachdem ich auf Borderline Fuckup bereits einige australische Bands vorgestellt habe, trudelten auch immer wieder Anfragen von Down Under-Bands bei uns ein. Edalene kommen z.B. aus Sydney und geben als Einflüsse Bands wie  I Hate Myself, Being As An Ocean, Merchant Ships, Pianos Become The Teeth oder Old Gray an. Das Vinylknistern am Anfang kann man mit I Hate Myself in Verbindung bringen, der Rest  klingt dann aber eher so, als ob Blueskiesburnig auf Juliana Theory treffen und Thursday nebenan im Proberaum erste Gehversuche unternehmen würden. Na, neugierig geworden?


Endokard – „SchreitenWartenEnde“ (DIY) [Stream]
Ist euch auch schon aufgefallen, dass viele Bands bei Bandcamp ihr Zeug nicht mehr ausreichend und v.a. zutreffend taggen? Bei Endokard aus Köln hätte ich eher die Tags Punk/Deutschpunk, Hardcore, Emo und Screamo gewählt, Alternative und Deutschrock wären eher zweite Wahl gewesen. Mich erinnert das von den Gitarren und der Rhythmus-Sektion irgendwie an mittlere Monochrome oder  Milemarker, vielleicht müsste man auch noch so vertracktes Zeug aus Mitte der Neunziger erwähnen, das man zu dieser Zeit aus Washington auf die Ohren bekam. Ansatzweise zumindest. Schönes Albumcover jedenfalls.


Être – „Konstruktion​.​Destruktion“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich hasse es, den Überblick zu verlieren, was bei meinem chaotischen Kuddelmuddel schnell mal passieren kann. Glücklicherweise scheint mein Ablagesystem digitaler Dateien aber dennoch irgendwie zu funktionieren, sonst wäre ich neulich beim Ausmisten und Archivieren des PC’s wohl kaum auf die nette Anfrage der Band Être aus Fulda gestoßen, wenn auch mit läppischer zweimonatiger Verspätung. Sorry Jungs. Jedenfalls blieb ich beim erneuten Anhören der sechs Songs gleich wieder hängen. Wenn ihr jetzt lest, dass die Band Rap, Screamo, Hardcore, Emo, Indie und Punk mischt und dann noch deutschsprachig unterwegs ist, dann bitte keine Vorurteile: das Ding hier verdient es unbedingt, von euch angehört zu werden, denn neben der rauen Produktion, den hypnotischen Passagen (unverzerrte Gitarre, Bass, laid-back-Drumming) und den poetisch bis nachdenklichen Texten, die stimmlich vorgetragen an den Sänger der von mir verehrten Empty Guns erinnert, wurde bei diesem Release alles richtig gemacht. Wär super, wenn man das Siebdruck-Cover bald auf ’ner Vinyl-EP bestaunen könnte, vorerst aber leider nur auf CD.


Polaroids – „The Sun Only Comes Out When It Feels Like Coming Out“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich kapier nicht, warum die Band das Schlagzeug so schrottig abgemischt hat, das Ding klingt permanent so, als ob jemand mit ’nem Kochlöffel auf ’nem ausgehöhlten Kuhschädel rumklopfen würde, über Kopfhörer kann man sich das kaum anhören. Ohne Kopfhörer hört es sich schon besser an. Stellt euch diese Aufnahmen mit ’ner besser abgemischten Snare/Bass-Drum vor und retuschiert euch die restlichen aufnahmebedingten Schnitzer ebenfalls weg. Keine Ahnung, vielleicht ist das ein Fehler bei der Konvertierung gewesen? Egal, die Songs selbst sind gewohnt stark, ich mag das Zeug von den Polaroids einfach und nach einigen Hördurchläufen gewöhnt man sich dann doch an das Mastering. Dreary  ist übrigens ein Killersong, ich liebe diese Gitarren. Freunde von As Friends Rust, Strike Anywhere, Good Riddance und Lifetime kommen auf ihre Kosten, soviel ist sicher.


Potence – „Demo“ (DIY) [Freier Download]
Bei dieser neuen Kapelle aus Besançon spielen Leute mit, die man auch von den Bands Géraniüm, Human Compost, Black Code und Daïtro kennt. Wenn ihr die eben genannten Bands mögt, dann werden euch die vier Songs des Demos der Franzosen bestimmt ebenfalls zusagen. Das Coverartwork ist jedenfalls schonmal ein Hingucker, wenn man auf dieses DIY-Siebdruck-Zeug steht. Für Fans französischsprachigen Screamos jedenfalls eine verdammt geile Entdeckung!


Super Unison – „Selftitled“ (DIY) [Stream]
Aus San Francisco/Oakland kommt diese neue Band, bestehend aus drei Typen und ’ner Frau am Mikro. Sängerin + Bassistin Meghan war zuvor bei der sagenhaften Band Punch aktiv, ebenso sind ex-Members der Bands Snowing und Dead Seeds mit an Bord. Die vier Songs der Debut-EP wurden von Tausendsassa Jack Shirley (ex-Comadre) im Atomic Garden Studio aufgenommen und knallen daher gewohnt gut. Von Punch war man ja schnelle, wütende Songs gewohnt, auch hier passt die keifende Stimme Meghans perfekt, wenn auch weniger Gas gegeben wird. Post-Hardcore, Punk, Emocore und Screamo verschmelzen zu einem oldschooligen Klumpen, der Appetit auf mehr macht. Ich find’s geil.


Tyranny Is Tyranny – „The Rise Of Disaster Capitalism“ (Phratry Records) [Name Your Price Download]
Beim ersten mal reinhören überraschten mich diese neuen Aufnahmen ehrlich gesagt etwas, da sich die Songs auf  Let It Come From Whom It May  doch ziemlich nah am Wüstenrock/Sludge bewegten. Ein paar Wüstenrock-Elemente sind zwar immer noch vorhanden, dennoch überwiegen hier die Post-Hardcore, Noise, Emo und Screamo-Anteile, was mir persönlich sehr viel besser gefällt. Klar, bei den Songlängen hätte man ein wenig kürzer treten können, aber durch die abwechslungsreichen Arrangements fällt es erst wieder beim Refrain auf, dass man sich noch im selben Stück befindet. Wie schon auf Let It Come From Whom It May  stechen auch hier wieder die äußerst politischen und sozialkritischen Texte heraus, tonnenweise Herzblut inklusive.


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