Hey Ruin – „Selftitled“ 7inch (Fear Of Heights Records/Homebound Records)

Es ist gar nicht mal so lange her, da schrieb ich ein Review über die Band Perfect Youth, die vor kurzem eine sehr schöne Split mit der Stuttgarter HC/Punk-Band Hell & Back veröffentlichte. Während also bei Perfect Youth ex-MNMNTS Frontmann Philipp Dunkel seine neue Heimat gefunden hat, sind bei Hey Ruin ebenfalls ex-MNMNTS Mitglieder mit dabei, zudem ist noch Ernie von Rant mit an Bord. Dass hinter den im Herbst 2014 gegründeten Hey Ruin keine blutigen Anfänger stecken, hört man jedenfalls auf Anhieb heraus. Ach ja, nicht dass ihr euch aufgrund einer falschen Aussprache des Bandnamens im Freundeskreis blamiert: bei Hey Ruin wird das Wort „Ruin“ passend zu den deutschen Texten der Band ebenfalls mit deutscher Betonung gesprochen. Das klingt dann schnell gesprochen in etwa so wie „Heroin“.

Die beiden auf der 7inch befindlichen Songs funktionieren als Appetithäppchen auf jeden Fall  einwandfrei, ich bin geradezu angefixt von dem Quartett aus Trier, um mal beim Junkiejargon zu bleiben. Im Presseinfo steht geschrieben, dass die Band vier Halbtöne runtergestimmt spielt, dabei aber alles andere als brachial klingt. Der erste Höreindruck bestätigt das, das Resultat klingt unerwartet melodisch und ist dabei glücklicherweise weit davon entfernt, glattpoliert zu wirken. Grob kann man das, was Hey Ruin da mit Haut und Haaren fabrizieren unter Post-Hardcore, Emocore, Post-Punk mit ein wenig Screamo einordnen, vereinzelt sind auch entfernte Indiebezüge auszumachen. Die Mischung klingt jedenfalls super, die verschiedenen Genres verschmelzen gekonnt zu einer homogenen Einheit, ohne Frage, dieser Sound wird bei den Hörern einschlagen. Liebevoll ausgefeilte Arrangements stechen ins Auge, die Gitarren kommen einerseits extrem verpielt und mit flirrenden Melodien und oftmals mit massig Mid-90’s Emo-Feeling. Andererseits wird dann aber auch kräftig geschrammelt und rotiert. Zwischendurch tritt ein Part in Erscheinung, der von einem kräftigen Bass dominiert wird und als Krönung des Ganzen gesellt sich noch ein Sänger dazu, der zwischen melodischem Gesang und emotionalem Geschrei gekonnt hin und herpendelt.

Den Texten merkt man obendrein an, dass mehr dahinter steckt, als irgendein belanglos dahingeschlonzter Refrain mit ein paar sich reimenden Textzeilen. Hier bleibt viel Spielraum für Interpretationen, zwischen den Zeilen liest es sich bekanntlich am besten. Aufgrund der deutschen Texte wird Hey Ruin natürlich bei Leuten Gehör finden, die Muff Potter, Captain Planet, Yachten oder Love A zu ihren Lieblingen zählen, dennoch hört man aus dem Sound der Jungs auch Einflüsse vieler englischsprachiger Bands heraus, die ebenfalls aus der Hardcore-Szene herausgewachsen sind. Mir fallen da z.B. neuere Refused, melodischere This Ain’t Vegas, nicht ganz so verkopfte Q And Not You (die Bassparts), entschleunigtere Lack, unverkrampfte The Van Pelt oder einfach nur The European Translation Of ein.

Kann mich nicht entscheiden, welchen der beiden Songs ich nun geiler finden soll, Basic Schutzinstinkt  auf der A-Seite hat neben der erstklassigen Gitarrenmelodie natürlich ’nen sagenhaften Songtitel, Fremdenlegionär  verzückt mit diesen herrlichen Mid-90’s Emo-Gitarren, die mich irgendwie an die eben erwähnten The Van Pelt erinnern. Da mir die ständige Dreherei der 7inch mit der Zeit zu blöd wurde, läuft das Teil jetzt einfach in Dauerrotation in digitaler Form (DL-Code liegt bei). Bei nur zwei Songs kehrt normalerweise nach einigen Durchläufen Langeweile auf, hier ist davon absolut nichts zu merken, auch beim Coverartwork ertappe ich mich wiederholt dabei, in die Augen der süßen Kätzchen zu blicken, die schon beim Auspacken des liebevoll verpackten Promo-Päckchens aus dem Hause Fear Of Heights bei der ganzen Familie und speziell bei den Kindern für eine erste angenehme Überraschung sorgten. Endlich mal kein verwester Zombie-Totenschädel mit ausgestochenen Augen. Bin sehr gespannt, was wir in Zukunft von dieser Band noch hören werden.

9/10

Facebook / Bandcamp / Fear Of Heights Records


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