Tante Timbuktu & (Fucking) Trent – „Präsentiert Lösungen/Stuck And Glued With No Hopes Left Split“ (DIY)

Eigentlich witzig, wie klein die Bloglandschaft doch ist. Als ich vor ein paar Jahren meine ersten Schreibversuche unternahm und auf meinem damaligen Blog auf das Demo der Zürcher Band Morgen aufmerksam machte, die Leute der Bands Mr. Willis of Ohio, Dying in Motion und The Rabbit Theory in ihren Reihen hat, erreichte mich ein paar Tage später die Demo-Besprechungsanfrage der damals noch jungen Band Tante Timbuktu, die ebenfalls aus Zürich stammte und deren Mitglieder teilweise auch bei der Band Morgen mitwirkten. Das ist jetzt fast zweieinhalb Jahre her. Vor ein paar Wochen dann rasselte über Borderline Fuckup die Review-Anfrage zur Split herein, bei der nach anchecken der Tante Timbuktu-Songs nicht lange mit einer Review-Zusage gezögert wurde, so dass ein physisches Exemplar auf den Weg geschickt werden konnte. Durch die lange Versendezeit aus der Schweiz und einen kurzen Poststreik kam das Ding aber leider erst bei mir an, nachdem wir das Ende von Borderline Fuckup besiegelt hatten, so dass das gute Stück jetzt eben auf Crossed Letters besprochen wird. Was für ’ne Odyssee.

Nun, die Split-LP wurde in Eigenregie der Bands ohne ein Label im Rücken veröffentlicht, DIY in Reinkultur sozusagen. Die Platte kommt im schweren und stabilen Pappkarton, ein Textblatt mit allen Texten und im Falle von Tante Timbuktu sogar zusätzlich mit englischer Übersetzung ist ebenfalls dabei. Das Vinyl selbst liegt schwer in der Hand und sieht in weißer Farbe und mit schwarzem Label schön edel aus, das Coverartwork mit dem Landschaftsbild ist eher schlicht ausgefallen.

Die Tante Timbuktu-Seite nimmt euch mit einer Spielzeit von etwas über 17 Minuten und vier deutschsprachigen Songs auf eine Reise mit, bei der es einiges zu entdecken gibt. Aufgenommen wurde übrigens im eigenen Proberaum, für’s final Mastering war die Tonmeisterei verantwortlich. Zum einen weiß diese rohe und raue Produktion zu gefallen, v.a. die Gitarren haben es mir angetan, auch die Bassparts an den ruhigeren Stellen machen Stimmung. Zum anderen kriechen Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Angst, Trauer und Resignation aus den Lautsprechern, der emotionale Gesang leistet hier enorme Überzeugungsarbeit, die dazwischen eingespeisten Spoken Words und Samples zeigen ebenfalls Wirkung. Diese Emotionalität wird natürlich durch die Texte unterstrichen, die teils anprangernd und teils sehr persönlich gehalten sind. Gleich der erste Song Leid  sorgt für eine gewaltige Gänsehaut, wenn man mit den Textzeilen der dritten Strophe konfrontiert wird und dabei eine leise Ahnung hat, dass diese Worte dem im September 2013 verstorbenen Nino Kühnis gewidmet sind. Alessandro berichtete damals auf Borderline Fuckup über das tragische und viel zu frühe Ableben von Nino, der Teil der Schweizer Post-Punk-Band The Rabbit Theory war und sich auch sonst enorm in der Szene engagierte. Leid  regt durch diesen starken Text sehr zum Nachdenken an und erinnert daran, wie schnell alles vorbei sein kann. Danach wird man beim Song Caramboulage  von einem tollen Refrain überrascht und wäre das noch nicht genug des Guten, fließen hin und wieder Post-Rock-artige Klangbilder in den Sound mit ein, so entsteht eine wohlschmeckende Melange zwischen rohem Screamo, emotive HC, Post-Hardcore, Post-Rock und ’ner ordentlichen Portion Punk. Die ganze Bandbreite des Trios lässt sich ganz gut am Song Friedensfahrer  erkunden, bei dem sogar ein Glockenspiel zum Einsatz kommt. Auf der Bandcamp-Seite gibt’s dann noch ’nen Bonussong, der auf der Vinylversion nicht enthalten ist. Insgesamt gesehen tritt bei Tante Timbuktu dieser alte HC/Punk-Spirit in den Vordergrund, den man bei manch anderer Band aus dem Genre vergeblich sucht. Wer Vergleiche braucht: Fans von Kapellen wie z.B. Mr. Willis of Ohio, June Paik oder Manku Kapak könnten daran Gefallen finden.

Auf der B-Seite darf sich dann die italienische Band (Fucking) Trent austoben, die auch schon 14 Jährchen und einige Releases auf dem Buckel hat, von welcher ich aber auch erst jetzt durch dieses Split-Release erfahren habe. Im Netz lässt sich auch nicht allzuviel Information von der Band aus Mirano finden, daher fasse ich mich kurz: die fünf aus der Skatecore-Szene stammenden Jungs gehen in eine etwas andere Richtung als Tante Timbuktu. Geboten wird melodischer HC/Punk, der schön nach vorne geht und seine Vorbilder in Bands wie z.B. Comeback Kid, Alexisonfire, A Wilhelm Scream oder Modern Life Is War hat. Die sechs Songs gefallen mir dabei recht gut, die satte Produktion hat trotzdem noch eine rotzige Kante. An manchen Stellen klingt der Gesang etwas schräg, meist dann, wenn versucht wird, etwas melodischer und cleaner zu singen. Kann aber auch gewollt sein, bin mir nicht so sicher. Auch bei (Fucking) Trent ist die Leidenschaft und Energie spürbar, die dieses Split-Release auszeichnet.

8/10

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