Amanita – „The World Is Dead Prose To Me“ (lifeisafunnything)

High Noon bei lifeisafunnything? Auch wenn man mich mit Western-Filmen jagen kann, ist  mir als Musikliebhaber der Name Ennio Morricone schon ein Begriff. Jedenfalls  meinte ich beim Aufsetzen der Nadel und dem Beginn der Klänge des Openers Wild Orphan,  dass hier  dem Meister des Italo-Western-Soundtracks gehuldigt wird, vielleicht liege ich aber auch meilenweit daneben. Egal, denn der Song entwickelt auf Vinyl so unglaublich viel Atmosphäre, dass man extra laut aufdreht. So laut, dass bei meiner staubdurchtränkten Billig-Plattennadel nach zehn Durchläufen schon ein wenig  Knistern zu vernehmen ist.

Bevor ich das Presseinfo gelesen hatte, war ich der Meinung, dass hier entweder eine Band aus Skandinavien, Island oder vielleicht auch noch Kanada am Werk wäre, aber weit gefehlt, Amanita kommen aus Jena (Deutschland). Die Band war letztes Jahr im Vorprogramm von Barren Hope zu sehen und hier machte es dann bei lifeisafunnything-Betreiber Marcus klick, nachdem er auch schon die zwei-Song-Demo in Ordnung fand. Normalerweise reizt mich Instrumentalmusik nicht so, aber bei Amanita ist relativ stark so eine Art Faszination vorhanden, die mich bis zum Ende der B-Seite und darüber hinaus gefangen hält und mich erneut die A-Seite auflegen lässt. Vermutlich ist es das, was auch Marcus letztendlich dazu bewogen hat, dieses Release zu veröffentlichen, nachdem er die Band wahrscheinlich ziemlich intensiv live erlebt hat. Ähnliches erlebte ich persönlich, als ich mir nach einer Gänsehaut-Show der kroatischen Band Lunar irgendwann Ende der Neunziger absolut unerwartet meine erste (!) Instrumental-Platte kaufte, die sich bisher in meiner Plattensammlung bestimmt als nerdiger Außenseiter  ziemlich einsam gefühlt hat. Bis jetzt hat Lunar in meinem Plattenregal lediglich bei Bands wie z.B. Karate, Explosions In The Sky oder Barra Head Anschluss gefunden, mit Amanita dürfte endlich die Lebenspartnerschaft besiegelt sein.

Die vier Songs wurden live eingespielt und von der Tonmeisterei so genial und roh abgemischt,  dass man beim Lauschen der Platte das pulsierende Leben der Aufnahme förmlich spüren kann. Die Kanten und Ecken wurden nicht glattgebügelt, hier wummert und knarzt es gewaltig mit viel Seele und Leidenschaft, dabei schwingt ein enormes Päckchen Melancholie und Trauer mit. Leise Momente, flirrige Gitarren, vereinzelt dann doch auch ein wenig Gesang. Wow. Dazu gesellen sich gefühlvoll gespielte Gitarren, herzhüpfende Bassparts, eine dichte und hypnotisierende Atmosphäre und meterhohe dissonante Soundwände. Das schlichte Albumartwork gefällt ebenfalls, zudem kann man sich an ein paar Gimmicks wie z.B. einem handgetippten Gedicht und natürlich an einem Downloadcode erfreuen.

8/10

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