Bandsalat: Chambers, Colored Moth, No Matter Where We Go, Pillage, Sangharsha, Blank, Thee Oops, Tomorrow St. Peter, Wolf Down

Chambers – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Irgendwie bin ich ein wenig durcheinandergeraten, da mich die Anfragen der Bands Colored Moth und Chambers, beide übrigens aus Berlin stammend, mit ein paar Tagen Abstand erreichten. Der kleine Falter auf dem Cover zur ersten EP der Band Chambers erinnert dann ein wenig an eine Motte, deshalb die Verwirrung. Nun, zudem kann man auch ein paar musikalische Parallelen entdecken, auch hier bilden die Pfeiler Post-Hardcore, HC, Punk und Post-Rock die Grundlage, obwohl das Quartett Chambers sehr viel düsterer an die Sache rangeht. Jedenfalls hört man dem Sound an, dass die Jungs hinter dem stehen, was sie da machen. Für erste Aufnahmen zündet das schon ganz gut, von der Produktion her gibt’s auch nix zu meckern. Bevor die EP als Tape erscheinen wird, könnt ihr euch das Ding jetzt schon für lau auf Bandcamp ziehen.


Colored Moth – „Ever Dared To Dream Before“ (Light Bulb Records) [Name Your Price Download]
Nach einem kurzen Industrial-Störgeräusche-Intro geht es direkt mit einer schmutzigen Bass-Line, rotierenden, dissonanten Gitarren und hektischem Getrommel los, der Sänger kreischt auch derbe rum, die Stimme erinnert mich ein wenig an den Pittbull-Sänger (die HC-Band), nur etwas heiserer. Danach wird alles ein wenig melodischer und flirriger und der brachiale HC der Berliner Band wird durch Post-Rock-artige, fast sphärische Parts ergänzt, bis es wieder vertrackter wird. Die Produktion ist schön kantig und wuchtig zugleich, das passt hervorragend zum vorwiegend im Midtempo und eher schleppenden Sound.


No Matter Where We Go – „There Is Nothing Waiting For Us“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es ist doch immer wieder schön, wenn das Fundament einer Band auf einer langjährigen Freundschaft aufgebaut ist. Bei dieser Band hier, die mittlerweile in Wuppertal und Münster ansässig ist, gefällt mir die Bandbiographie sehr gut, da solche Konstellationen eigentlich nichts ungewöhnliches im Punk/HC/Post-Hardcore-Bereich sind. Drei Freunde, die sich bereits aus Schultagen und Jugendzeit aus der gleichen elterlichen Kleinstadt kennen und mit einem weiteren Bandmitglied bereits in einer anderen Band zusammengespielt haben, verlassen die Heimat aufgrund eines Studiums und holen nochmal jemanden mit ins Boot, um fortan mit Leib und Seele mehr Zeit in die Band zu stecken, als ins bekackte Studium. Dave von Long Distance Calling hat die sieben Songs aufgenommen, die Tonmeisterei hat an den Knöpfchen gedreht und mächtig abgemischt. Manchmal schwappt ein wenig Dunkelheit mit, trotzdem bleibt das Licht am Ende des Tunnels aufgrund einiger Melodiebögen sichtbar. Bremer Schule HC trifft auf Crust, Post-HC liebäugelt mit ein wenig Post-Rock und obwohl ich nicht so auf Konzepte stehe, finde ich es äußerst spannend, dass sich die Texte kritisch mit religiöser Indoktrination und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinandersetzen. Die Lyrics kommen in englischer und deutscher Sprache. Zippt euch das Ding schonmal auf die Festplatte, wenn euch Bands wie z.B. Jungbluth, Fjort oder From Ashes Rise taugen.


Pillage – „Selftitled“ (Residue Records) [Name Your Price Download]
Hey, haste mal ’ne Minute Zeit für hastigen Hardcore? Holy Shit, das ballert ganz schön, was die Jungs aus Chicago da in 8 Minuten und 8 Songs vom Stapel reißen. Powerviolence, Hardcore und Punk, fette Rückkopplungen, thrashende Gitarren, ein Schlagzeuger, der am Durchdrehen ist und ein Sänger, der all seine Wut rausbrüllt, bis die Stimmbänder bluten. Freunde von Asshole Parade, DS-13 oder Tear It Up sollten da mal ein oder zwei Ohren riskieren. Mit Leuten, die bereits mit Bands wie Charles Bronson, MK-Ultra oder Los Crudos in Erscheinung getreten sind.


Sangharsha​ & ​Blank – „Intermundia Split“ (Alerta Antifascista/Holy Goat Records) [Name Your Price Download]
Diese zwei Bands schlagen musikalisch in eine ähnliche Kerbe, das heißt, dass ihr zwei mal düsteren Negative-Hardcore um den Schädel geblasen bekommt. Bei der New Yorker Band Sangharsha ​wirken vier Nepalesen mit, die Texte lesen sich exotisch, google translate behauptet, das wäre Sesotho. Hinter dem Geschrei könnte man aber eigentlich jede Sprache vermuten. Die drei Songs klingen sehr düster und wuchtig, sind aber eher im Midtempo gehalten, ab und an schweift man auch in atmosphärische Klangwelten ab. Blank aus Köln/Solingen steuern dann ebenfalls drei Songs bei, die genauso düster und kalt klingen, wobei Blank ’nen Ticken schneller drauflosprügeln und noch einiges an Blackmetaleinflüssen verarbeiten.


Thee Oops – „Back To Breast“ (Anchors Aweigh Records) [Name Your Price Download]
Schönen altmodischen Oldschool Punk/HC gibt’s auf dem neuen Album der Sardinier zu hören. Ähnlich wie auf dem ebenfalls ancheckungswerten Debutalbum „Taste Of Zimbabwe“ gehen die zwölf Songs gut und melodisch nach vorne, dabei gefällt mir der polternde Bass und die fast schon weibliche Stimme des Sängers ganz gut. Uniform Choice trifft auf die Angry Samoans, während die Geschwindigkeit an Bands wie die Skeezicks oder frühe Spermbirds erinnert.


Tomorrow St. Peter – „Selftitled“ (Through Love Records) [Name Your Price Download]
Huch, schon wieder eine schwedische Band auf dem Hamburger DIY-Label Through Love Records? Dazu noch eine, die bereits eine EP im Rücken hat. Ich muss zugeben, dass ich bei den ersten Durchläufen so meine Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Sound der Band aus Stockholm anzufreunden. Rein instrumental gibt es absolut nichts zu meckern, ganz im Gegenteil. Musikalisch erinnert das an eine Mischung aus American Football, Appleseed Cast und Owls. Hier zwirbeln die Gitarren ein Feuerwerk nach dem anderen, der Schlagzeuger schwebt in Sphären, die man als normal Sterblicher nur selten erreicht und der Basser scheint auch mit seinem Instrument eine innige Beziehung zu haben. Wunderschön. Der theatralische Gesang allerdings zerstört nach meinem Empfinden unheimlich viel von dem, was der Rest der Band hier aufgebaut hat. Das ist dann so wie bei den Simpsons: alles okay, bis mal wieder so ’ne sackdoofe Musical-Folge an euren Nerven sägt. Wer es aber gerne ein wenig speziell liebt, der wird sich mit den Morrissey-ähnlichen Vocals schon irgendwie arrangieren.


Wolf Down – „Liberation“ (End Hits Records) [Stream]
Nach zwei EP’s und dem abgefeierten Album Stray From The Path gibt es nun neuen Stoff in Form einer 7inch, die auch digital erhältlich ist. Darauf sind zwei Songs der linkspolitischen Band aus dem Ruhrpott enthalten, die schön straight nach vorne moshen und an eine Mischung aus frühen Earth Crisis, metallischeren Boy Sets Fire oder Chokehold erinnern, auch die Stuttgarter Band Sidekick kommt mir bei manchen Passagen in den Sinn. Bei der Promo-CD-Version sind leider keine Texte dabei, im Infozettel wird aber erklärt, dass die Band neben Animal Liberation Front-Inhalten auch absolute soziale Gerechtigkeit und ein vereintes Linksbündnis einfordert. Schaut doch mal das Video zu Flames Of Discontent an.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.