Interview mit Yachten

yachten skaliert

Nachdem das Debutalbum „Zweite Luft“ der Hamburger Post-Punk-Band Yachten Mitte Mai auch gleichzeitig das Debut-Review auf Crossed Letters darstellte, folgt nun die Interview-Premiere mit Yachten auf Crossed Letters. Blöderweise wird es wohl auch so ziemlich das letzte Interview – wenn nicht gar das allerletzte – mit der Band sein, das ihr zu lesen bekommt, denn Yachten haben leider vor ein paar Tagen ihre Auflösung bekannt gegeben. Die Band war vor ihrem Ableben so nett, zwischen dem üblichen alltäglichen Arbeitsstress, wichtigen Klausuren  und zahlreichen Konzerten in den Monaten nach Veröffentlichung des Albums ein paar meiner Fragen per e-Mail zu beantworten. Aber kurz nachdem mir die Antworten vorlagen und ich mit dem layouten fertig war, kam auch schon die überraschende Nachricht des Splits. Schöne Scheiße! Manche Infos, die ihr weiter unten im Text finden werdet sind zwar nicht mehr zutreffend (die Tour mit Edgar R fällt z.B. flach), aber vielleicht habt ihr trotzdem ein wenig Lust, etwas mehr über die Menschen hinter der Band Yachten zu erfahren. Die „Zweite Luft“-LP lebt nach dem Split jedenfalls mit frischem Atem weiter und wer weiß, vielleicht entstehen in naher Zukunft ein paar weitere interessante Projekte.


Ihr bezeichnet euch gerne als die größte Band der Welt mit einer Durchschnittsgröße von 1,93 m. Wo habt ihr euch denn kennengelernt? Etwa beim Basketball? Erzählt doch mal, wie ihr zusammengefunden habt.

Wir haben uns recht chaotisch kennengelernt.  Patrick (Gitarre) und Fabian (Gesang + Bass) haben sich über eine Hamburger Internetmusikerplattform gefunden, ein-zweimal miteinander geprobt und dann andere Musiker gesucht. Zu der Zeit kannten wir noch wenige Leute, die sonst Musik in Hamburg gemacht haben persönlich, geschweige denn diese Post-Punk-Wasauchimmer Ding. Nachdem wir dann beschlossen hatten, dass es mit uns passen wird, sind wir auf die Suche gegangen und haben zufällig bei einem Casting oder wie man das nennen soll, Moritz und Magnus gleichzeitig im Proberaum gehabt. Magnus hatte ich eine Woche zuvor in derU- Bahn kennengelernt als ihm ein Plektrum aus der Tasche gefallen ist. Wie auch immer ich auf die Idee gekommen bin, ich hab ihn aber gefragt ob er Musik in der Ecke Captain Planet / Turbostaat hört und Bock auf eine Band hätte. Hatte er. Das funktionierte dann von Anfang an ganz gut, sodass ich meinen damaligen Platz an der Gitarre gerne an Magnus abgegeben und nur Gesang gemacht habe. Moritz hatte Patrick schon vor Fabian via Internet kennengelernt, aber es ergab sich erst später, dass er es wirklich in den Proberaum schaffte.
Wir haben länger nach einem geeigneten Bassisten gesucht, aber leider nicht den passenden gefunden. Als wir dann für ein Wochenende zusammen nach Dänemark in ein Ferienhaus gefahren sind um zu proben, Songs zu schreiben und uns besser kennenzulernen, war auch Bassequipment dabei. So kam es, dass ich mich als Bassist und Sänger ausprobierte und die Besetzung stand.

Aufgrund eures Bandnamens und der Tatsache, dass ihr aus Hamburg kommt, hab ich mich schon öfters gefragt, ob ihr irgendeinen Bezug zur Schifffahrt habt. Warum habt ihr ausgerechnet diesen Namen gewählt?

„Yacht“ ist ein Song von Matula, auf den wir uns  innerhalb der Band sehr gut einigen konnten, so eine Art gemeinsamer Nenner in Punkto Musik, Text, Atmosphäre. Die Zeile „eine Yacht ist nur ein Boot, wir allein im offene Meer“ mochte ich (Fabian) persönlich auch immer sehr gern und irgendwann kam mir auch deshalb dann „Yachten“ in den Sinn. Eine einzelne Yacht ist schon ein Symbol für Dekadenz, Flucht und Elite, viele davon auf einem Haufen wirken irgendwie fremd und unnahbar, erst recht wenn man unsere „emotionale“ Musik dagegenstellt. Pretty in Noise hat mal geschrieben „Yachten. Jaja. Das weltweit gültige Symbol für Minderwertigkeitskomplexe auf Wasser.“ Das fasst es ganz gut zusammen, damit spielt der Name ein bisschen.  Und natürlich spielt es auch ein bisschen mit dem „Die-Bands-aus-dem-Norden-und-vom-Meer“ Klischee, das schnell benutzt wird, sobald es irgendwie um Musik geht, die ein bisschen nach den Husumern von Turbostaat klingt. Keiner von uns ist übrigens an der Küste aufgewachsen, die beiden Schleswig-Holsteiner in der Band kommen aus den hässlichsten Orten, Neumünster und Rendsburg, dieses Bundeslandes. Dann haben wir noch einen Bayern (!) und einen irgendwo aus Mitteldeutschland in der Band. Viel Deichromantik bleibt da eigentlich nicht übrig.

Fast zwei Jahre sind seit der Split 7inch mit Eklat ins Land gezogen. Was habt ihr in der Zwischenzeit denn gemacht?

Songs geschrieben, Songs weggeschmissen, Pausen gemacht, live gespielt, gereist, ins Studio gegangen um das Album aufzunehmen, nochmal ins Studio um den Gesang zu machen, mischen, planen, pressen. Das dauert alles ziemlich lange, vorallem wenn man nicht 24/7 dafür Zeit hat.

Und was macht ihr neben der Band noch so?

Magnus und Fabian studieren noch und jobben nebenbei, Patrick und Moritz sind schon fleissig am Vollzeit arbeiten. Aber die sind ja auch älter ;)

Eure Texte behandeln vorwiegend Alltagssituationen. Wie bringt ihr Band, Familie, Beruf/Studium, Beziehungen und Freizeit unter einen Hut? Wie haltet ihr euch „über Wasser“? Künstlerisch und kreativ zu sein steht ja in einem ständigen Spannungsverhältnis zu wirtschaftlichen Realitäten, man gerät da ja öfters mal ins Grübeln und ist gezwungen, zwischen Leidenschaft und Notwendigkeit abzuwägen…

Wir sind eine Hobbyband, die jetzt plötzlich auf einem etwas höheren Level steht und vorallem auf einem Level, von dem wir selbst überrascht sind. Das wir wirklich mal Geld  „verdienen“ wollen mit unserer Musik, stand eigenlich nie zur Debatte, auch wenn es schön ist, dass sich die Kosten nach und nach von selbst tragen.
Nach der anstrengenden Albumphase haben wir auch erstmal ein bisschen Pause gemacht, jetzt fangen grade die ersten Proben wieder an um sich auf die kommende Tour mit Edgar R. im Oktober vorzubereiten. Mit der Entstehung unseres ersten Albums haben wir aber auch viel übers Musik schreiben und Proben gelernt, sodass wir mittlerweile konstruktiver und zielgerichteter an jede Probe und unsere Planungen gehen. Wir kommen allerdings auch mal an die Grenze wenn es um den Aufwand für die Band geht, jede Woche proben und dann am Wochenende auf Tour zu sein beeinflusst natürlich andere Dinge im Privatleben. Deshalb touren wir auch nicht soviel wie wir könnten, aber genießen diese Reisen umso mehr, da es immer etwas besonderes bleibt.

Wie ist eigentlich der Albumtitel „Zweite Luft“ zu verstehen? Ist das in irgendeiner Form auf die Band bezogen? Hattet ihr während eurer Bestehenszeit bisher irgendwann schonmal so ein „Zweite-Luft-Gefühl“?

Zum einen bezieht sich der Titel auf die Texte, in denen es viel um weitermachen, Perspektivwechsel und Veränderung geht. Also Dinge, die nach der ersten Aufregung oder nach dem ersten Begreifen von Ereignissen passieren. Zum anderen gab es aber auch nach den Instrumentalaufnahmen im Studio die Situation, dass Fabian sich an den Gesang machen sollte, allerdings so erschöpft von der intensiven Zeit war, dass es einfach nicht ging. In der Situation haben wir dann auch gemerkt, dass generell einige Sachen textlich nicht so funktionierten wie wir gedacht hatten. Wir mussten uns dann auch aus terminlichen Gründen ein paar Monate Auszeit nehmen, bevor wir die Gesangsaufnahmen wieder starten konnten. In dieser Zeit hat sich viel geändert und wir haben viel an Gesang und Text gearbeitet, so dass dieses „zweite Luftholen“ einen großen Einfluß auf das gesamte Album hatte.
So ist es ein Titel geworden, der nicht nur zum Inhalt passt, sondern auch die praktische Entstehung des Albums mit einschließt, was uns wichtig war, da so nochmal der Fokus auf die ganze Band und nicht nur auf die Texte gelegt wurde.

Und was gibt’s zur Entstehung des Albums zu sagen? Gab’s irgendwelche lustigen oder tragischen Ereignisse?

Neben der gewissen Frustration, den Gesang verschieben zu müssen, gab es natürlich viele wahnsinnig schöne Momente. Wenn wir aus dem Studioraum gekommen sind in dem wir die Instrumentalparts live eingspielt haben und alle im Regieraum hinter Produzent Hauke standen und angefangen haben zu grinsen, weil man die Songs zum ersten Mal so aufgenommen hört und dann auch noch feststellt: „Jaaa, krass!“, dann ist das schon etwas besonderes.
Oder wenn sich nach und nach das Album zusammengefügt hat aus Mix, Pressung, Artwork, Promo, Reviews, Verkäufen, Konzerten,  Proben, etc… Wenn man dann ins Plattenregal guckt und das alles mit diesem quadratischen Pappschuber verbindet, macht einen das im nachhinein schon immer glücklich, so pathetisch das jetzt auch klingt.

Ich nehme mal an, dass ihr in nächster Zeit ausgiebig touren werdet. Beschränkt ihr euch nur auf den Norden, oder ist auch mal ein Abstecher in andere Regionen Deutschlands oder gar ins Ausland absehbar?

Der Plan steht Ende Oktober mit Edgar R. auf Tour zu gehen bis nach Österreich. Zugegeben uns fehlen noch ein paar Termine, aber wir hoffen die kommen bald dazu. Wien und Linz sind schonmal fest :) Für Anfang 2016 gibt es dann auch schon Überlegungen für neue Weekender mit befreundeten Bands.

Welche Pläne habt ihr sonst noch im Kopf?

Neue Songs, neue Konzerte und dann mal schauen wo wir dann im nächsten Jahr stehen.

Vielen Dank für das Interview!

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