Younger Us – „Graustark“ (Day By Day Records u.a.)

Rückwärts aufgenommene Gitarren (vielleicht täusch ich mich auch und es ist irgendein ableton-Effekt, das weiß man heutzutage ja nie) machen sich immer gut zum Auftakt, v.a. wenn ein  mächtig abgemischtes Schlagzeug den bombastischen Takt vorgibt und im Hintergrund irgendwelche Effektgeräusche von einem knarzenden Bass übertönt werden, bis messerscharfe Gitarren und zerschneidender Schreigesang die zu Beginn vermutete Idylle völlig zerstört. Bäng!

Younger Us kommen aus der Schwabenmetropole Stuttgart und Graustark ist die sechs Songs starke Debut-EP einer noch jungen Band, die neben Day By Day Records gleich auch noch von ein paar anderen namhaften DIY-Labels co-released wird (Tief in Marcellos Schuld, Through Love Rec., Koepfen und Teenwolves Records).  Jedenfalls sieht das Teil echt todschick aus: Siebdruck-Cover (dachte erst, da hätte sich jemand nach dem weißeln seiner schimmligen Studentenbude auf ’ner Palette voller rabenschwarzer Plattenkartons mit ’ner Farbwalze ausgetobt), nobles Textblatt, so ’ne Art besiebdruckter DL-Code (mit Hinweis auf den Name Your Price Download auf der Bandcamp-Seite) und einseitig bespieltes durchsichtiges Vinyl mit goldenem Siebdruck auf der B-Seite.

Man könnte es fast eine Verschnaufpause nennen, wenn im Verlauf von Songs wie z.B. Philophobia nach einer Minute hoffnungslosen Geknüppels und düsterer Grundstimmung fast schon Emocore-mässige und mit etwas Grunge angereicherte Gitarren auftauchen und zudem auch noch Vocals zum Einsatz kommen, die an Bands wie Falling Forward oder Endpoint erinnern. Das hier klingt für mich total spannend. Genau die richtige Mischung zwischen heiser-gurgelndem Schreigesang und gefühlvoll verletztem Wolfsgeheul. Herausragend! Auch beim darauffolgenden Ceremony können total melodische Komponenten ein wenig Licht in die zerstörende Dunkelheit  bringen und dadurch ein bisschen auflockern. Die „leisen“ und bassdominierenden Passagen á la New Day Rising  (Phasm) bringen auch noch etwas Abwechslung in die Angelegenheit. Mir ging es ja zugegebenermaßen so, dass ich anfangs das Gefühl hatte, dass die Stärke von Younger Us in windblasenden Gitarrenverstärkern und baseballkappenvibrierenden Doublebass-Drums zu finden wäre, aber mit jedem weiteren Durchlauf wächst die Erkenntnis, dass neben der ganzen von Selbsthass geprägten Angepisstheit letztendlich ein großes, von Trauer und unerfüllter Liebe zerfressenes Herz für unterschwellige Melodien sorgt. Obwohl ich die Band bisher noch nie live gesehen habe, kann ich mir vorstellen, wie der Drummer mit verzerrtem Gesicht seinem Schlagzeug Vernunft einprügelt, während die Gitarre-Bass-Fraktion kurbelt, was das Zeug hält, und sich der Sänger ’nen blutigen Hals schreit. Shit, die Jungs beschmieren live wahrscheinlich Deinen Bauch mit Zugsalbe, um Dir anschließend Deine Eingeweide rauszuholen. Bei solchen DIY-Releases ist schnelles Handeln angesagt, sonst geht ihr vielleicht leer aus.

8/10

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