Knife Trade – „Selftitled 7inch“ (Monday Morning Records)

knife tradeBei der vor kurzem gegründeten Band Knife Trade leben u.a.  Leute von der HC/Punk-Band Stand der Dinge ihre Vorliebe für melodischen und punklastigen Emocore aus. Und die auf der ersten 7inch präsentierten Songs erinnern dann auch an eine Zeit Mitte der Neunziger bis knapp um die Jahrtausendwende herum, als viele deutsche Bands von US-Bands wie Hot Water Music, Small Brown Bike oder Boy Sets Fire inspiriert wurden und wie die Pilze aus dem Boden schossen.

Keine Frage, diese Zeit hat auch mich maßgeblich geprägt, die hauseigene Plattensammlung ist in dieser brennenden Epoche enorm gewachsen. Neben den typischen US-Vorbildern fanden v.a. die kleinen Bands der heimischen Szene bei mir Anklang. Entweder man legte sich die Platten direkt nach der Show zu oder man bestellte auf gut Glück bei irgendeinem Mailorder, weil im Review irgendwas wie „klingt wie HWM“ geschrieben wurde (das Internet war ja noch nicht so präsent). Green Hell hatte die Nase vorn, die kopierten und unbebilderten Listen wurden penibler durchgearbeitet, als das die zuständigen Leute mit den Checklisten seinerzeit zum Raketenstart der Challenger gemacht haben. Wenn man manche Sachen von damals mit heutigen Bands vergleicht, dann denkt man sich schon manchmal so: wow, wie schlecht waren die denn? Aber ich schweife ab.

Denn bei Knife Trade hat man gleich ein positives Gesamtbild vor Augen. Mir liegt das Vinyl-Scheibchen zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor (die ersten Exemplare sind ausverkauft, die Band muss erstmal wieder ’nen Schwung neue Cover besiebdrucken), aber rein vom mit  kunstvollen Motiv ausgestatteten Cover zu urteilen, fängt das alles schonmal gut an. Und wie zu erwarten, bereits bei der Eröffnung vom ersten Stück Respite  merkt man, dass hier spielfreudige Menschen zu Gange sind, die ihr ganzes Herzblut in ihre Musik stecken. Alleine die Bassline ist der Hammer, dazu gesellen sich noch gefühlvoll gespielte Gitarren, lockerflockiges Drumming und ein Sänger mit rauher Whiskeystimme, der sich reichlich Herzschmerz von der Seele reihert. Und dann kommen im letzten Drittel absolut geniale Samiam-Gitarren um die Ecke, die von einem schönen Chorus begleitet ein Lächeln in die Gesichter emopunkverliebter Wesen zaubert. Dieser sympathische Auftakt wird bei Wasting Days direkt fortgesetzt: flinke und schön melodische Gitarren, die ein wenig an Boy Sets Fire erinnern, flottes, vorantreibendes Drumming und hymnischer Gesang, was will man mehr. Bei Last Glance  hat man dann wieder das gewisse Gefühl der ersten paar HWM-Platten, bevor dann bei Grow Strong leisere Töne angeschlagen werden und man sich vom Gesang und der Instrumentierung her ein wenig an die Band Midvale bzw. Homage To Catalonia erinnert fühlt. Und wären das jetzt noch nicht genügend Referenzen, müssen natürlich auch noch ein paar deutsche Bands aus der damaligen Zeit genannt werden: A Modest Proposal, For The Day und Ambrose fallen mir da spontan ein. Bevor ihr die aber mal wieder rauskramt, solltet ihr erst mal die vier Songs von Knife Trade zu Gemüte führen und euch das leckere Scheibchen schnell zulegen, bevor es ausverkauft ist.

8/10

Facebook / Bandcamp / Monday Morning Records


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Ein Gedanke zu “Knife Trade – „Selftitled 7inch“ (Monday Morning Records)

  1. Mit leichter Verspätung kam nun vor einigen Wochen das physische Exemplar bei mir an, und das sogar noch in zweifacher Ausführung. Ich brauche nicht erwähnen, welche Version mir dabei um Längen besser gefällt: die besiebdruckte Ausgabe ist ein richtiger Hingucker. Schwerer Naturkarton im Gatefoldstil, ausgestanzter Bereich, liegt sehr schön in der Hand. Dürfte wahrscheinlich schwer sein, an ein solches Schmuckstück noch ranzukommen. Die abgespeckte Version mit anderer Covergestaltung (hier sind niedliche Tierfotos von Schafen und einer Ziege zu sehen) dürfte geneigten Hörern und Hörerinnen aber ebenfalls gefallen.

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