Bandsalat: Cassus, Empress, Endzweck, Great Lakes USA, Jank, Mace, Ornaments, Prophet Said I

Cassus – „This Is Dead Art; This Is Dead Time; But We May Still Live Yet“ (React With Protest u.a.) [Name Your Price Download]
Wenn ihr mal wieder richtig gut abgehenden Screamo/Skramz hören wollt, der dazu noch schöne Klimperpassagen mit etwas Gesang drin hat, dann kommt ihr am  Debutalbum dieser Band aus  Norwich/UK keinesfalls vorbei. Ich liebe diesen Sound! Zuerst wird man von schrammelnden Gitarrenwänden und hektisch geknüppeltem Schlagzeug an die Wand gedrückt und hemmungslos angekreischt, bevor man mit knödelnden Bassmelodien und beinah schon whiny gesungenen Passagen unbemerkt ins Midtempo gleitet, nur um sich anschließend in einem höllischen Inferno wiederzufinden. Verdammt intensives Brett mit 100% Emofaktor!


Empress – „Swan“ (DIY) [Stream]
Im Keller aufgenommen und in alter DIY-Manier selbst auf Tape veröffentlicht bekommt ihr hier sechs erste Songs einer noch ziemlich neuen Band aus der Alpenregion auf die Ohren. Drückt man auf Play, dann wird unmittelbar klar, dass hier alte Hasen am Werk sein müssen. Groovig und mächtig klackert der Sound aus den Lautsprechern, das erinnert teilweise an diesen vertrackt-groovigen New York-Hardcore, den man so Mitte der Neunziger zu hören bekam (z.B. Leeway), allerdings in modernerem Gewand (so in die Silent Drive-Richtung) und mit ein paar echt pfiffigen Songarrangements. Dazu gesellen sich teils moshige Gitarren, ein polternder Bass und persönliche bis politische Texte mit positiver Message. Bis auf einen deutschsprachigen Song wird in englisch gesungen. Dass die Jungs mit Herz und Verstand bei der Sache sind, zeigt übrigens nicht nur die Musik, ich zitiere mal von der Facebook-Seite der Band: DIY Hardcore mit viel Liebe zum Menschsein, zu Freundschaft und zu subkulturellem Engagement fernab der instrumentalisierten Plastikkultur in der wir leben. Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen. Am Besten gefällt mir das Quartett übrigens, wenn wie bei den Stücken Black Swan und Dreams Get Thin While Time Is Killing Hope auch mal kraftvoll gesungen wird und ein paar Spoken Words eingeschleust werden. Falls ihr euch nun fragt, in welchen Kappellen die Jungs vorher gezockt haben, dann kommt hier die Auflösung: El Camino Car Crash, Semana Santa und Bang, Bang You Dead.


Endzweck – „Tender Is The Night“ (Cosmicnote) [Stream]
Keine Ahnung, wann ich erstmals mit der japanischen Band Endzweck in Berührung kam, es muss so ungefähr um die Jahrtausendwende herum gewesen sein, die Band existiert bereits seit 1997. Seit diesem ersten Kontakt war ich von der Band aus Tokio begeistert, denn Endzweck gehört zu dieser Sorte Bands, die mit ihrer Mucke dafür sorgt, dass Dir die Kinnlade nach unten klappt, sobald das Zeug aus den Lautsprechern an Dein Gehör gelangt. Schade irgendwie, dass man außerhalb Japans in den letzten Jahren nicht so viel von dem Quintett mitbekommen hat, denn Touren im Ausland fanden aus unterschiedlichen persönlichen Gründen in jüngster Zeit keine mehr statt. Dementsprechend erfreut war ich, als ich Ende letzten Jahres per Zufall von dem neuen Album der Band erfuhr. Und erneut schaffen es die Japaner mit ihrem erfrischenden und doch so emotionalen Sound, auf ganzer Linie zu überzeugen. Angefangen von der göttlichen Produktion, für die mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden verantwortlich ist, bis hin zu den perfekt arrangierten Songs. In diese Gitarren könnte ich mich reinsetzen, die toppen echt alles, dazu das herzzerreißende Geschrei von Sänger Takashi, lustig auch die vielen Gastmusiker, u.a. Damian/As Friends Rust und Dave/Unbroken. Am ehesten lässt sich das Zeug von Endzweck als eine Mischung aus Bands wie z.B. Children Of Fall, Newborn, Shai Hulud, As Friends Rust, frühen Boy Sets Fire oder alten Envy beschreiben. Emotionaler Post-Hardcore trifft auf Melodic Hardcore und etwas Screamo, das Ding läuft echt rund!


Great Lakes USA – „Stumbling Distance“ (Coffebreathandheartache) [Name Your Price Download]
Irgendwie scheinen die Jungs seit dem 2012er Debutalbum nochmal ’ne Schippe rotziger geworden zu sein, denn die sechs Songs pfeffern ganz ordentlich. Immer noch im melodischen Emo-Punk zuhause, kommen auch immer wieder schöne Melodycore-Parts zum Vorschein, da hört man Einflüsse von Audio Karate, mittleren Hot Water Music, Rise Against und Against Me genauso raus, wie die Hardcore-Nähe zu Bands wie Kid Dynamite, Good Riddance und Strike Anywhere.


Jank – „Awkward Pop Songs“ (Funeral Sounds, Honest Face Records) [Name Your Price Download]
Catchy Emopunk aus Philadelphia, der das Zeug hat, jede Nerd-Party zum Kochen zu bringen, inklusive e-Mail-Check-Verschnaufpause beim Song Loading Screen. Ganz klar sind hier Algernon Cadwallader große Vorbilder, aber man hört auch Samiam oder Foo Fighters-Riffs raus, während an manchen Stellen geschrammelt wird, als gäbe es keinen Morgen. Zudem gesellt sich bei fast allen Songs ein grungiger Pop-Appeal dazu, der Dein Herz mit Sonnenschein flutet, ohne dass es Dir jemals peinlich sein müsste. Wenn dann noch die Surf- und Hippieklampfe rausgeholt wird, dann kann man den kurzen Abstecher zu Mars Volta schnell wieder vergessen. Diese elf Songs sollte man sich für den kommenden Sommer schon mal auf’s spritzwassergeschützte Tape ziehen.


Mace – „Demo“ (DIY) [Name Your Price Download]
Wow, ’ne Demo von einer neuen Band aus Chicago mit richtig schön abgehendem Oldschool Hardcore-Punk, der mit ein paar Crust-Elementen angereichert ist. Das Artwork spricht Bände. Die geben echt ganz schön Gas, bei neun Songs in acht Minuten werden keine Kompromisse gemacht. Da scheppert und rumpelt es, die Gitarren werden so schnell runtergezockt, da ist die Sehnenscheidenentzündung garantiert. Auch noch geil kommt die richtig angepisste Sängerin, die manch männlichem Kollegen die Augen öffnet und erstklassig demonstriert, wie Angepisstheit und Wut effektvoll umgesetzt werden sollte. Geile Demo.


Ornaments – „Stories to Weather and Storms to Tell“ (DIY) [Freier Download]
Das Albumcover war mal wieder Schuld, dass ich bei Ornaments erster EP etwas länger verweilte. Neulich war ich nämlich mit meinen Kindern auf einer Veranstaltung, bei welcher mit Gas befüllte Luftballons verteilt wurden. Es dauerte keine 10 Minuten, da entwischte auch schon einer dieser umweltzerstörenden Kunststoff-Ballons den zarten Kinderhändchen meines Nachwuchses. Als ich die Tränen in den Augen der Kinder sah, erinnerte ich mich schlagartig an meine eigenen Erfahrungen mit eigenwilligen Luftballons, die gern rausfliegen, um irgendwo ihr Leben auszuhauchen. Nun, hinter diesem Kunstwerk steckt sicher eine ähnliche Erfahrung, vielleicht auch mit symbolischem Charakter. Naja, egal, die fünf Songs der noch ziemlich jungen Band aus Long Island gefallen mir jedenfalls enorm. Checkt das Ding an, wenn ihr auf 2000er Bands wie Hopesfall, Ghost Of A Thousand oder Recover steht, aber auch Bands wie Pianos Become The Teeth oder La Dispute mögt.


Prophet, Said I – „The Dread“ (DIY) [Freier Download]
Oh Mann, diese Platte ist so kurzweilig und schnell wieder vorbei, obwohl insgesamt zehn Songs darauf zu hören sind. Die letzte EP der Band aus New Jersey gefiel mir ja bereits ziemlich gut, aber die Songs auf The Dread  setzen dem noch eins drauf. Schade, das erste Album der Band wird wohl auch das letzte sein, mittlerweile wurde leider die Auflösung bekannt gegeben. Nun, musikalisch bewegt man sich im Jahrtausendwenden-Post-Hardcore, dazu kommen ein paar aktuelle Post-Hardcore und Emo-Einflüsse, von rasend schnell bis Midtempo und verspielten Gitarren ist alles abgedeckt. Thrice treffen auf Audio Karate, linsen dabei bei La Dispute um die Ecke und laufen direkt dem wilden Mob von As Friends Rust in die Arme. Hört euch nur mal den genialen Song Trains Derail  an, danach werdet ihr euch das Ding eh ohne zu Zögern direkt auf die Festplatte zippen.


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