Nionde Plågan – „Frustration“ (Dingleberry Records/Through Love Rec. u.a.)

Es dauerte längere Zeit, bis ich schnallte, dass die Band nicht, wie aufgrund des aussagekräftigen Covers vermutet, auf den Namen Frustration lautet. Es wird sicher einige Plattenläden geben, die das Ding gnadenlos unter „F“ einordnen werden, dabei handelt es sich lediglich um den Albumtitel. Bei genauerer Betrachtung des Plattenkartons entdeckt man aber dann doch in klitzekleiner Schrift den Namen Nionde Plågan links oben auf dem Rücken des Kartons. Auch im Textblatt verdichten sich bei genauerer detektivischer Inspektion die Hinweise, dass es sich um eine schwedische Band namens Nionde Plågan handeln muss. Fans der Band (Frustration  ist das mittlerweile dritte Release der Schweden) meistern diese Hürde natürlich mit einem müden Lächeln auf den Lippen, während es sicher Leute geben wird, die im Freundeskreis begeistert von der genialen LP der Band Frustration berichten und deshalb auch sämtliche Konzerte von Nionde Plågan verpassen werden, sofern sie vorher nicht von ’nem obercoolen Szenefuzzi aufgeklärt werden. Äh ja, räusper, ähem: die Band wird Mitte Februar in Deutschland und Österreich rumeiern…

Nun, das Frustration…äh…Nionde Plågan-Album präsentierte mir aber noch andere Erkenntnisse: Wundersam, wie schnell der Mensch sich etwas angewöhnt, was er früher niemals gemacht hätte. Früher hat man die Platte einfach rausgefischt, auf den Teller bugsiert und schnell vor Aufsetzen der Plattennadel in der Hülle nach dem Textblatt geschnappt. Und heute? Obwohl Scheibe und Textblatt schon aus der Hülle draußen waren, schüttelte ich trotzdem nochmal kräftig und guckte sogar mehrmals rein, ob da nicht noch ein Download-Code, ein Aufkleber oder sonst ein Gimmick mit drin hätte sein können. Und nein, das machte ich bevor mir das Lesen des Textblattes dann doch zu stressig wurde (alle Texte sind in schwedischer Sprache abgedruckt und schwedisch kann ich leider nicht). Selbst danach, als ich schon drei Mal geschüttelt und reingeguckt hatte, schüttelte ich wie ein dementer Hornochse nochmals, bevor ich abermals ungläubig reinlinste. Irgendwas stimmt nicht mit mir.

Die Musik des Quartetts kann mich dann trotz der fehlenden Sprachkenntnis in den Bann ziehen. Faszinierend sind v.a. die sphärischen, fast schon post-rockigen Parts und die unterschwelligen Melodien, die den schleppenden, galoppierenden und finsteren Endzeit-Sound zwischen Crust/Black Metal und Screamo ein wenig eingängiger machen. Die Rhythmus-Sektion steuert einiges zum abwechslungsreichen Sound bei, hier wird Gas gegeben, runtergedrosselt, kräftig und groovig gehämmert und wild auf die Crashbecken geschlagen. Die Gitarren bauen sich meterhoch auf, zudem werden immer wieder diese schleichenden und fast schon  melancholischen Melodien eingebaut, die von krass verhalltem Blackmetal-Gekreische begleitet werden. Als Anspieltipp eignet sich besonders das sechsminütige Oändligt,  da hier von sphärisch bis Blackmetal-Gekeife alles mit dabei ist. Irgendwie wünschte ich mir im Verlauf des Albums, endlich schwedisch zu lernen, zumindest ein paar Worte zu verstehen.  Gerade das letzte Stück der A-Seite hat irgendwas Elbisch-Mystisches an sich, das in die Nähe der verschwommenen Optik des Covers kommt. Während der zahlreichen Durchläufe griff ich dann doch wieder und wieder zum Textblatt und versuchte hartnäckig, mir das eine oder andere zusammenzureimen. Mit viel Phantasie gelingt dies dann doch überraschenderweise hin und wieder. Nionde Plågan bedeutet übersetzt übrigens „Neunte Plage“, das passt dann auch sehr gut zum Sound der Schweden, denn die neunte Plage ist mit der Finsternis belegt. Das Album ist übrigens in Zusammenarbeit folgender Labels erschienen: Dingleberry Records, Through Love Rec, Zegema Beach Records, Friendly Otter, Epileptic Media, Upwind Productions, LTD Records und Unlock Yourself Records.

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records / Through Love Rec.


 

4 Gedanken zu “Nionde Plågan – „Frustration“ (Dingleberry Records/Through Love Rec. u.a.)

  1. Hey Sven, vielen Dank für den Tipp, hab jetzt auch entdeckt, dass die Texte in Bandcamp drin sind. Dann werd ich das mal noch machen und überprüfen, ob ich mir manche Passagen richtig zusammengereimt habe. Im Nachhinein gesehen, fand ich die intensive Auseinandersetzung mit dem Textblatt während des Hörens der warmen Vinylklänge doch sehr lehrreich :)

  2. Lösungsweg für das „Text-Sprachkenntnis-Problem“:
    1. Bandcampseite der Band besuchen,
    2. gewünschten Text dort kopieren,
    3. bei g00gle translator übersetzen lassen,
    4. mehr verstehen als vorher (sofern vorher wenig/nix verstanden wurde),
    5. Schritt 2. bis 4. so oft wie nötig wiederholen.

    Nionde Plågan scheinen auch eine gute, noch existierende Alternative zu We Came Out Like Tigers zu sein.

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