Zuwachs bei Crossed Letters: Darf ich vorstellen…Eddie

caramba zineKleine Info in eigener Sache: Crossed Letters erhält Zuwachs in Form eines zweiten Schmierfinks namens Eddie. Zum einen, weil die Anfragen in letzter Zeit stetig wachsen, zum anderen, weil Eddie sowieso bereits mit dem Gedanken gespielt hat, einen eigenen Blog zu starten. Um den Verdacht der Vetternwirtschaft gleich im Keim zu ersticken: ja, Eddie ist ein langjähriger Freund, irgendwann in den Neunzigern hatten wir sogar – zusammen mit ein paar weiteren Kumpels – ein Print-Zine am Start, von dem mir neulich beim Durchstöbern des Kellers nach alten Flyern ein Exemplar in  die Hände fiel. Dieses Exemplar verfrachtete ich nach dem Fotografieren des Covers (Foto siehe rechts: !Caramba!) und dem Überfliegen einiger Texte schleunigst wieder  in den hintersten Teil des Kellers, denn dort sind unsere lyrischen Ergüsse von damals gut aufgehoben. Und ja, Crossed Letters kommt ohne großartiges Schreiberling-Casting aus, DIY und Punk sei Dank. Wer seine Lehrjahre mit Schreibmaschine, Schere und  Klebestift gemeistert hat, der weiß, woher er kommt, harr harr. Nun, genug des Geschwafels…Vorstellungsrunden sind die Hölle, ich persönlich grusele mich jedenfalls bei Seminaren oder bei Treffen anonymer Selbsthilfegruppen sehr davor, deshalb machen wir das kurz und schmerzlos mit einem kleinen Blitz-Interview:



Hey Eddie, sag doch mal ein paar Eckdaten von Dir an. Interessant wäre natürlich auch, wie Du in die Szene gerutscht bist…

Also, ich bin 40, verheiratet, habe 2 Kinder und wohne in Ravensburg. In die Szene bin ich – sofern man das damals überhaupt so nennen konnte – mit ca. 15 Jahren gerutscht, weil ich damals anfing mich für Musik zu interessieren. Damals stand ich ziemlich alleine da, also in meiner Klasse und im Freundeskreis. Von einer Szene hab ich erst ein paar Jahre später was mitgekriegt, als ich anfing auszugehen. Im Laufe der Jahre ist das immer mehr geworden. Mittlerweile kenne ich hauptsächlich Leute, die was mit Hardcore/Punk/Alternative zu tun haben oder in Bands spielen oder sonstwie aktiv sind.

Was sind denn Deine musikalischen Vorlieben?

Vereinfacht gesagt: Hardcore/Punk. Um es mit Bands auszudrücken: Es fängt bei den Misfits, Dead Kennedys, Bad Brains an, geht über frühe Sucidal Tendencies, Gorilla Biscuits, Boskops, in den letzten Jahren Zeke, Disfear, Coalesce, Ictus und Fredag Den 13:e.
Ich höre auch gerne alten SKA (Jamaika) aus den 60ern, französische Beat Musik (Yéyé) aus den 60ern/70ern, frühe Psychobilly Sachen.

Und mit welcher Musik kann man Dir den letzten Nerv rauben?

Rechtsrock, Bands mit übertriebenen Selbstbeweihräucherungstexten.

Ich weiß, es ist ja immer schwierig, sich auf ein paar Platten zu beschränken…aber gibt es irgendwelche Releases, die Dir besonders am Herzen liegen und wenn ja, welche?

Besonders am Herz liegen mir Alben, mit denen ich persönliche Erinnerungen verbinde oder solche, die mir nach dem hören der ersten paar Sekunden sofort gefallen haben:

Bérurier Noir – Joyeux Merdier (EP)
Bad Brains – Attitude (The Roir Sessions)
Dead Kennedys – Bedtime For Democracy
Slime – 1
Ramones – Ramones Mania
Misfits – Earth A.D.
Boskops – Sol 12/F.E.D.I.A.
Demented Are Go – Kicked Out Of Hell
Meteors – Wrecking Crew
LARD – The Power Of Lard
Gorilla Biscuits – Gorilla Biscuits
Spermbirds – Something To Prove/Nothing is Easy
Minor Threat – Out Of Step
Guitar Wolf – Planet Of The Wolves
Zeke – Kicked In The Teeth
Disfear – Live The Storm
From Ashes Rise – Nightmares
Victims – Killer
Wolfbrigade – Comalive
Tragedy – Nerve Damage
Coalesce – There Is Nothing New Under the Sun
Ictus – Split mit This Thing Called Dying
Fredag Den 13:e – Domedagar

Das sind jetzt alles Alben, die mir spontan in den Sinn gekommen sind, weil sie mich sehr beindruckt haben.

In jeder Plattensammlung gibt es ja auch immer irgendwelche total fiesen Ausfälle. Gerade, als es noch kein Internet gab, hat man sich ja oft aufgrund von irgendwelchen dubiosen Plattenkritiken irgendein schrottiges Album zugelegt. Fällt Dir da spontan irgend ein Release ein, von dem Du Dich aber trotzdem bis heute nicht getrennt hast?

Spontan fällt mir da nur eine Platte von den Sex Pistols ein: Where were you in ‘77? Eine live Platte, die hat einen miesen Sound, deswegen hab ich viele Jahre einen großen Bogen um Livealben gemacht. Natürlich gibt es noch einige Sachen die ich mir gekauft habe aber kaum oder selten höre. Verkauft habe ich bis jetzt nichts, da mir die Erinnerungen daran – trotz allem – wichtiger sind als die wenigen Euro, die man eventuell dafür kriegen könnte.

Du hast ja auch schon viel szenetypisches gemacht, hast in Bands gespielt, für andere Bands Plattencover gestaltet usw. Warum das alles? Ist man nicht irgendwann zu alt für den Scheiß? Und überhaupt, warum jetzt auch noch über all den Kram schreiben?

Ich glaube es liegt daran, daß mich als Teenager Musik sehr beeindruckt hat. In dem Alter, wenn man anfängt erwachsen zu werden und man sich selbst fragt was wichtig ist, war Musik wie ein Zufluchtsort. Früher war es ein Medium, was mir ein bißchen die Welt erklärt hat. Natürlich ist es nur ein Teil des Ganzen, aber es hat gereicht mich in eine Bahn zu lenken. Rückblickend bin ich sehr froh, daß alles – mit allen Höhen und Tiefen – genau so gelaufen ist.
Ich hab am Anfang immer davon geträumt selber Musik zu machen und war sehr froh, als sich die Möglichkeit für mich ergeben hat. Ich persönlich möchte solange mit Freunden weitermachen, solange jemand zu Konzerten kommt, oder jemand Lust hat nur im Proberaum zu spielen. Wenn das mal nicht mehr ist, werde wohl alleine Musik machen. Ich finde das Alter sagt nicht soviel über eine Person aus, wichtiger ist wie der Mensch wirklich ist, da gibt es große Unterschiede.

Plattencover waren früher das erste, was man von einer Band gesehen hat. Dies war auch einer der Gründe warum ich mich für ein Grafik-Design Studium entschieden habe. Leider machen Cover nur einen kleinen Anteil an den Jobs aus, die ich so mache.
Ich bin froh, wenn ich der Szene, die sich inzwischen geändert, erweitert und verschoben hat, etwas zurückgeben kann. Schön wäre, wenn jemand sagt: Das kann ich auch! Das kann ich besser! So sollte diese Kultur/Gegenkultur weitergehen.
Ein wenig hab ich ja schon in der ersten – und letzten – Ausgabe des “Caramba” Fanzines geschrieben. Durch das Internet ist es wesentlich leichter, Sachen an die Öffentlichkeit zu bekommen. Schön ist auch, daß man neue Bands kennen lernt und sich vielleicht neue Freundschaften ergeben.

Vielen Dank für das Interview. Ich freu mich, schon bald was von Dir zu lesen und zur Abwechslung mal selbst mit neuen Entdeckungen überrascht zu werden.


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