Bandsalat: Blackout Problems, Congratulations, Ellipse, Homestayer, Ithaca, Stinky, Trials Of Early Man, Van Urst

BlackoutProblems_Holy_CoverBlackout Problems – „Holy“ (Uncle M) [Video]
Wie kann eine noch sehr junge Band aus München, wo 90% der Bevölkerung Lederhosen und Seppel-Hüte tragen, nur so amerikanisch klingen? Die 13 Songs bewegen sich meilenweit entfernt von Weißwurst und Brezen zwischen klassischem Ami-College-Rock und etwas Post-Hardcore, zudem kann man diesen drei Typen wirklich ein Händchen für ausgefeiltes und durchdachtes Songwriting attestieren, das Album rockt jedenfalls ohne Ende und schmiert Dir lediglich etwas süßen Senf ums Maul. Bei der Über-Hymne Boys Without A Home darf dann noch Nathan Gray von Boy Sets Fire mitträllern, mit dem sich die Jungs auf einem Weinfest in Pforzheim anfreundeten. Klar, so ein Gimmick dient natürlich als Zugpferd, wäre aber meiner Meinung nach angesichts der ohnehin starken Songs gar nicht nötig gewesen, zumal die Band auf Facebook eh schon an die 13000 Fans hat.


Congratulations – „Demo“ (Zegema Beach Records)  [Stream]
Bei dieser kanadischen Band leben Leute von Life In Vacuum und New Wings ihre Vorliebe für  Screamo der Marke Funeral Diner aus und fügen dabei dem düsteren 90’s Screamo-Sound ein paar poppige Emocore-Passagen zu. Auf dieser schon etwas älteren Demo aus dem Jahr 2014 bekommt ihr fünf emotional geladene Songs, die schön nach vorne gehen und so gar keinen Demo-Charakter haben, da sie astrein produziert sind. Die Stücke hören sich wie eine Mischung aus eben Funeral Diner und Falling Forward an, auf der einen Seite diese chaotischen dichten und göttlichen Gitarren, die oft auch sehr melodisch rüberkommen,  auf der anderen Seite diese atmosphärisch anmutenden Post-Rock-Elemente. Die zweistimmigen Vocals fahren ebenfalls gut rein, so dass ich auf ein nachfolgendes Release sehr gespannt bin.


Ellipse – „À Nos Traîtres“ (Finisterian Dead End) [2-Song-Stream]
Französische Bands aus dem Screamo-Sektor gibt es ja einige, in letzter Zeit sind aber auch Bands aus dem Metalcore-Bereich schwer im Kommen, man denke z.B. an The Prestige. Ellipse ist eine schon seit 2007 existierende Band aus Nantes, allerdings zählen die Jungs wohl nicht zu der hart auf das erste Album zuarbeitenden Sorte, denn außer einer 2012 veröffentlichten EP ist noch nicht allzu viel von den Jungs erschienen, so ist À Nos Traîtres das Debutalbum der Band. Aber dafür ist es schön fett produziert, die Songs sind schön arrangiert und die Gitarren moshen alles nieder. Wenn ihr auf hardcorelastigen Metalcore mit Post-Hardcore-Anleihen steht, dann seid ihr bei Ellipse genau richtig, denn der Sound der Franzosen erinnert desöfteren an Bands wie Shai Hulud, The Ghost Inside, Hundredth oder Hollow Earth.


Homestayer – „Demo“ (DIY) [Name Your Price Download]
Nachdem Perfect Youth vom Soloprojekt zur Band mutierte, musste wohl nun ein neues Soloprojekt her? Zu langweilig da oben im Exil in Berlin? Hinter Homestayer steckt nämlich Philipp Dunkel, den man von eben Perfect Youth oder aber auch MNMNTS her kennt. Philipp scheint also lieber mit der Gitarre bewaffnet zu Hause zu bleiben, als auf hippen Studentenpartys rumzulungern. Und wie immer, spürt man bei den dargebotenen vier Songs die Liebe des Musikers zu 90’s Emo gepaart mit Punkrock. Die Gitarren kommen so schön Midwest-mäßig und da ich wenig Erfahrung beim Reviewen reiner Akustik-Gitarren-Alben habe, bringe ich jetzt als Vergleich den alten, pre-Pro7 und zdf-neo-Prominenten Olli Schulz an, als dieser noch in kleinen Clubs für Lachtränen in meinen Augen zuständig war. Naja, wenn ihr was zu Schmunzeln haben wollt, dann seid ihr beim Stubenhocker ganz richtig, ich empfehle, das Facebook-Info zu lesen!


https://f1.bcbits.com/img/a0418935981_16.jpgIthaca – „Trespassers“ (COF Records) [Stream]
Die zweite EP der Londener Melodic-Post-Hardcore-Band ballert euch vier Songs vor den Latz, die unglaublich energiegeladen sind und dabei verdammt heavy und kraftvoll, aber auch sehr hoffnungslos rüberkommen. Dazu gesellen sich Tempowechsel, die man nie und nimmer erwarten würde. Wuchtig und fett produziert, ab und an schleichen sich so verfrickelte Snapcase-Gitarren ein, dann kommen plötzlich ganz ruhige Parts zum Zug. Dieser kalte, basslastige Sound zwischen Math, Chaos, Emotive Hardcore, Doom, etwas Metal und einer Sängerin mit blutigem Auswurf spiegelt hervorragend die Atmosphäre wider, die die Gärten der Sozialbauten in den Londoner Vororten zum Blühen bringt.


Stinky – „Against Wind And Tide“ (Riot Bike Records) [Stream]
Beim Intro dachte ich noch…wow geil, so’n Biohazard-Cro-Mags-S.O.D.-Riff am Anfang zeigt schonmal die Richtung auf. Nach den Double-Bass-Drums hatte ich bereits leuchtende Augen, auch wenn der Bandname etwas unglücklich gewählt ist. Das hier ist live sicher der Hammer. Die nachfolgenden zehn Songs kombinieren diesen groovy New-York-Hardcore mit melodischem Hardcore á la früher Stretch Arm Strong und fügen noch neben 88er-Straight Edge-Oldschool-Hardcore und hyperschnellem Hardcorepunk etwas Speed- und Trashmetal bei, dabei legen die Jungs und das Mädel am Mikro eine Spielfreude an den Tag, die förmlich zum Fingerpointen, Moshen und heftig Pogen einlädt. Der Wind der Crashbecken bläst Dir Deinen trendy-Fischerhut stärker von der Birne als der Fahrtwind auf Deinem Longboard, versprochen!


Trials Of Early Man – „Attachments“ (DIY) [Stream]
Bei Trials Of Early Man spielen ein paar alte Recken mit, die euch bereits bei Bands wie Action and Action, The Good Wife, Circus Act und Caretaker unter die Ohren gekommen sind. Die letztjährige Debut 7inch der Jungs solltet ihr euch übrigens auch reinpfeifen, falls noch nicht geschehen. Denn die Londoner machen erstklassigen Emocore, der noisig, schnell, unpoliert und schön vertrackt aus den Boxen wummert. Stellt euch diesen typischen basslastigen Dischord-Sound vor, Bands wie z.B. Fugazi oder Drive Like Jehu, dazu kommen Einflüsse von Bands, die um die Jahrtausendwende herum unterwegs waren, v.a. die Vocals und die dissonant runtergezwirbelten Gitarren erinnern desöfteren an At The Drive-In. Zehn arschtretende Songs, die dazu noch die richtige Portion Emotion in sich tragen und dazu dieses schöne Artwork, das sich hervorragend als Cover einer 12inch eignen würde. Einfach supergut!


Van Urst – „Selftitled“ (Flight 13) [Song Stream]
Es gab mal vor einiger Zeit die Berliner Band Jagoda, die sich u.a. aus Leuten von SDNMTT und Kate Mosh zusammensetzte und aus welcher letztendlich irgendwann Van Urst hervorging. Ich muss gestehen, dass ich für dieses Review wegen permanenter Privat-Insolvenz erstmal nur den Spotify-Stream in Anspruch nahm, bevor ich mir irgendwann die Scheibe auf Vinyl zulegen muss, weil sie mir nach den paar wenigen Malen bereits so sehr ans Herz gewachsen ist. Nur soviel: mittlerweile kann ich die Spotify-Werbung für ein werbungsfreies Abo auswendig wiedergeben. Themawechsel: Dass bei Van Urst keine Anfänger am Werk sind, verdeutlicht das selbstbetitelte Debutalbum gleich bei den ersten Klängen. Der Opener geht schonmal ordentlich ab, hier wird Indie mit Punk gemsicht, das erinnert ein wenig an das letzte Release von Fluten. Geile Gitarrenmelodien, der Bass schleicht sich mit angenehmen Melodien rein, das Schlagzeug setzt Akzente, wo es Akzente setzen muss und der Sänger pendelt zwischen angenehmem Gesang, der ab und zu in Geschrei abdriftet. Dazu kommen durchdachte Songarrangements und eine tolle Produktion. Verdammt, das Ding erinnert mich total an das Zeug, das um die Jahrtausendwende herum auf Swing Deluxe erschienen ist. The Robocop Kraus, Maggat, The Cherryville, aber auch Bands wie The Van Pelt, Reiziger oder I Might Be Wrong kommen in den Sinn. Bombenstark!


 

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