Kumulus – „White 12inch“ (time as a color u.a.)

Ein Wort, mehrere Bedeutungen…spontan verknüpfe ich mit Kumulus zwei Dinge: Zum einen gibt es eine Rakete gleichen Namens, zum anderen hat man diese bilderbuchhaften klassischen Schäfchenwolken vor Augen, in die man sich allzu gerne mal reinlegen würde, allerdings schreibt man diese mit C. Nun, betrachtet man den Namen der Kölner und hat dabei den Sound der Jungs schön laut aufgedreht auf den Kopfhörern, dann wird unweigerlich der folgende Vergleich im Hirn rumschwirren, über den die Band sicher schon öfters beim Lesen eines Reviews gestolpert ist: der verträumte, sich hochschraubende Sound von Kumulus lässt sich nämlich schon in etwa mit den Entwicklungsstufen einer Cumulus humilis bis hin zur sich auftürmenden Cumulus mediocris vergleichen.

Nach der schwarzen EP aus dem Jahr 2013 folgt jetzt also als Gegenstück eine weiße EP. Die 12inch kommt passend zur Hülle in edlem, weißem Vinyl. Neben time as a color sind an dem Release noch Dingleberry Records, Holy Goat, Monday Morning Records und á l’ombre de cette vie beteiligt. Wie auch schon auf der schwarzen EP sind die Stücke unbetitelt, bzw. mit römischen Zahlen versehen, falls man sich die 12inch auf den Rechner zieht. Kumulus machen nicht nur rein optisch und musikalisch da weiter, wo die schwarze EP aufgehört hat, die vier Stücke sind auch fortlaufend nummeriert, wenn auch nicht in chronologischer Reihenfolge. Mit knapp 25 Minuten erwartet euch eine sehr vielschichtige Musik, die mehrere Durchläufe braucht, bis sie so richtig zündet. Ich persönlich tu mir mit reinen Instrumentalreleases etwas schwer, aber im Falle von Kumulus stört es mich nicht die Bohne, dass rein gar nicht gesungen wird. Die Songs zeigen auch so genügend Wirkung und strotzen vor raffinierten und abwechslungsreichen Songarrangements, dabei schimmert immer wieder ein gewisser Hang zu düsterer Melodramatik durch, bis man im nächsten Moment von einer packenden Gitarrenmelodie umgarnt wird. Die vier Stücke klingen so frisch und lebendig, was mal wieder  an der schön rohen, aber dennoch klaren Mischung der Tonmeisterei liegt. Jedes Instrument ist gleichberechtigt, mal tritt der Bass dezent und polternd in den Vordergrund, dann schwebt eine Gitarre wie auf Wolken gebettet durch den Raum, bevor sich wieder Dissonanz breit macht und kräftig in die Felle gehauen wird, so dass eine dichte Soundwand entsteht. Grob könnte man das, was Kumulus fabrizieren, als sphärischen Ambient-Post-Rock bezeichnen, zudem lässt sich ein gewisser Hardcore-Background nicht leugnen, einer der Kumulus-Jungs zockt auch noch bei I Recover mit.

Die B-Seite läuft mir persönlich besser rein, da die darauf zu hörenden Songs etwas leichter zugänglich sind und hier die Emo-Seite der Band schöner zum Vorschein kommt. Angefangen vom Soundcheck-mäßigen Snaredrum-Test bis hin zu den verschwurbelten Gitarrensoli und den lang angespielten und hypnotisierenden Gitarrenverflechtungen geht es beim letzten Stück dann nochmal emotionsgeladen zur Sache. Eigentlich muss man es nicht extra erwähnen, aber auf Vinyl entfaltet der Sound von Kumulus eine ziemlich geniale Atmosphäre.

8/10

Homepage / Bandcamp / time as a color


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