Piri Reis & Coma Regalia – „Split 10inch“ (Miss The Stars Records u.a.)

Neulich hab ich euch noch völlig begeistert im Rahmen einer Asien-Special-Bandsalatrunde vom letztjährigen Piri Reis-Demo vorgeschwärmt, das mich seit der Entdeckung auf Bandcamp in den letzten Monaten so weggeblasen hat. Da wusste ich noch gar nicht, dass es bereits neuen Stoff der Band aus Malaysia gibt, denn auf deren Bandcamp-Profil ist lediglich die Demo verfügbar. Deshalb freute ich mich riesig, als vor kurzem ein kleines Plattenpaket aus dem Hause Miss The Stars Records bei mir abgegeben wurde und nach der üblichen tattergreisigen Zitterpartie beim gierigen Öffnen des selbigen diese wundervolle Split 10inch ans Tageslicht kam. Und mit Coma Regalia ist dazu noch eine weitere Band mit von der Partie, die ich total gern mag. Luftsprung <3.

Nun, die 10inch ist als Co-Release erschienen, neben Miss The Stars Records sind noch Framecode Records und Middle Man Records mit an Bord. Dass mir schön gemachte DIY-Releases ans Herz gewachsen sind, das habt ihr hier schon öfters lesen können und auch im Fall dieser Split 10inch bekommt man DIY-Ästhetik satt geliefert. Zu doof, dass etliche Exemplare beim Verschippern beschädigt wurden, das ist natürlich bei liebevoll selbst zusammengebastelten Platten zehnfach ärgerlich. Nun, fangen wir beim gefalteten knallgelben Karton an, der mit schwarzer Farbe und einem schönen wirrwarr-Motiv besiebdruckt ist, das hier auf dem rechts oben abgebildeten Cover etwas mehr Wirkung zeigt, da ein weißer Hintergrund für solche Drucke bessere Kontraste liefert. Dazu muss ich aber auch sagen, dass mir das erst aufgefallen ist, als ich dieses Review im Editor fertigstellte und zu faul war, selbst das Cover zu fotografieren und lieber das bequeme Exemplar auf der Miss The Stars-Bandcampseite verwendete. Denn die gelbe Coverfarbe passt hervorragend zu der kanarienvogelgelben Vinylfarbe, die ebenfalls mit ein paar schwarzen Sprengseln verziert ist, zudem sind die knallgelben Labels ebenfalls mit schwarz besiebdruckt. Ein Traum in gelb sozusagen. Und innen findet man gleich zwei besiebdruckte Textblätter, jede Band hat ihr eigenes Lyric Sheet, zudem erfährt man, dass die Zeichnungen von einer Künstlerin namens Olivia Henry stammen. Betrachtet man die auf der Rückseite der Textblätter abgedruckten Zeichnungen, dann macht es langsam „klick“ und man hat die Verbindung zum Motiv des Albumcovers erkannt, wodurch sich weitere Fragen auftun und beliebig viele Theorien möglich wären. Ein Roboter in der Kindheit, vom Leben verschaukelt, Glück in der Liebe, bis die Natur sich an der Technik rächt.

Die Piri Reis-Seite beginnt gnadenlos geil mit dem Song When Life Hand You Grenade, den ich auch schon auf der Demo herausragend fand. Diese rohe Energie, in der gleichzeitig so viel Emotion mitschwingt. Emotive Screamo muss genau so und nicht anders klingen. Ich erwähnte es bereits im Asien-Special, dass die Spoken Words am Ende von When Life Hand You Grenade, aus dem Gedicht We Teach Life, Sir! von Rafeef Ziadah stammen. Nun, nach diesem sensationellen Auftakt folgen drei mir noch unbekannte Songs, die das Zeug dazu haben, das Blut in den Adern kochen zu lassen, obwohl sich gleichzeitig ’ne dicke Gänsehaut über den Rücken breit macht, weil man total von diesen scharf gespielten Gitarren gepackt wird und das verzweifelt rausgekeifte Geschrei der Sängerin angenehm an den Haaren zieht. Die vier Songs ziehen so schnell an Dir vorbei, wie ein zerstörendes Unwetter, nämlich in kurzweiligen 10 Minuten. Zudem sind die Songs schön roh, aber trotzdem wuchtig produziert. Das rasende Schlagzeug mit viel Crashbeckenspiel ist natürlich der Hammer, aber auch wenn es wie gegen Ende hin mal grooviger wird, vermittelt das mächtig Power. Bei Piri Reis spielen übrigens Leute der Band Quantis mit, die ebenfalls schon mal eine Split mit Coma Regalia veröffentlicht hat. Der Sound ist so irre, das ist wie vor der Kurve Vollgas zu geben, obwohl man gerade per Verkehrszeichen auf eine Ölspur hingewiesen wurde. Was für eine geile Band!

Coma Regalia aus Lafayette, Indiana legen hier sieben neue Songs vor, dabei schwingt noch das letzte Album Ours Is The Cause Most Noble kräftig im Ohr. Sieben Songs, die innerhalb von acht Minuten runtergezockt werden, sprechen eine deutliche Sprache. Gewohnt krachig, schön vertrackt, aber immer mit unterschwelligen Melodien oder wie im Fall von Longing ein mehrstimmiger Emo-Chor, der sogar im Ohr hängen bleibt. Und dieses typisch schmerzverzerrte Geschrei, das dem ganzen die nötige Tiefe gibt. Fans von klassischem Screamo á la Funeral Diner, Who Calls So Loud und Hot Cross lieben die Band sowieso schon. Und das völlig zurecht, denn diese Band hat keinerlei Ausfälle. Diese 10inch hat das Zeug dazu, die Spitze in etlichen Screamo-Jahrescharts anzuführen.

10/10

Piri Reis Bandcamp / Coma Regalia Bandcamp / Stream / Miss The Stars Records


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