Bandsalat: Anorak, Chiefland, The Guests, Planet Watson, Rope, Ubiquity, White Wine, Yndi Halda

Anorak – „Kalter Frieden EP“ (Uncle M) [Video]
Dieses Quintett aus Köln existiert wohl bereits seit 2010 und doch handelt es sich bei diesen zwei Songs um die Debut-EP der Jungs. Nun, manchmal dauert es halt ein wenig länger und im Falle der zwei Songs lässt sich sagen, dass diese sehr durchdacht arrangiert und ausgefeilt klingen. Irgendwo zwischen Post-Hardcore, Screamo, Emo und etwas Post-Rock ist eine Mischung entstanden, die zu begeistern weiß. Verspielte Gitarren-Parts mit schönen Basspassagen werden von atmosphärischen Stimmungen begleitet, bevor die Gitarren dann doch anziehen und fetter werden. Zudem beherrscht der Sänger diese resignierende Melancholie, die emotionsgeladen zwischen predigenden Spoken Words und Geschrei pendelt. Abgefahren auch die nach Nintendo-Spiel klingende Gitarre bei Cold Winter. Und auch textlich hat die Band was zu sagen, Cold Winter z.B. setzt sich mit den tagespolitischen und gesellschaftlichen Themen der Flüchtlingsdebatte auseinander. Fans von Pianos Become The Teeth und La Dispute sollten mal ein Ohr riskieren.


Chiefland – „To Part Means To Die A Little“ (DIY) [Name Your Price Download]
Für die selbstreleaste Debut-EP  haben sich die Jungs aus Göttingen was einfallen lassen, weshalb das Ding letztendlich auch schön anzusehen ist, obwohl es „nur“ eine CD ist. Als Hülle dient ein Hochglanz-Pappschuber, der mit Blumenmustern verziert ist, die man eher von Ikea-Tapeten oder Oma-Bettwäsche her kennt. Mir gefällt sowas ja. Die CD selbst kommt in Vinyloptik, zudem liegt ein äußerst hübsch gestaltetes und Ziehharmonika-mäßig gefaltetes Textblatt bei. Da liest man gerne drin, während man den vier Songs lauscht. Bei Melodic Hardcore geht es mir in letzter Zeit immer häufiger so, dass ich manche Bands aus dem Genre schwer unterscheiden kann, weil sie fast identisch klingen. Bei Chiefland kommen jedoch Elemente vor, die sich etwas aus der Masse abheben. Z.B sind da die Vocals, die an manchen Stellen etwas derber und nicht so extrem leidend klingen, manchmal wird auch nur gesprochen. Zum anderen fahren die vier Jungs öfters mal zurück und lockern dieses Melodic Hardcore-Ding mit  fast schon postrockigen und sehr melancholischen Parts auf. V.a. die Bass/Gitarrenfraktion hat den ein oder anderen Trumpf im Ärmel, hört euch z.B. mal den Anfang von Wolfmouth  an, das klingt doch verdammt cool. Die satte Produktion ist natürlich ebenfalls von Vorteil, aber unterm Strich gefällt mir das, was Chiefland da machen v.a. wegen den melodischen Parts.


The Guests – „Red Scare ’15 Tape“ (Sabotage Records) [Stream]
Wenn man das Tape von außen erst mal dreht und wendet, dann fällt auf, dass alles ziemlich minimalistisch gehalten ist. Die schwarze Hülle wird auf der Frontseite von ’nem kitschigen, aber dennoch hübschen Blumen/Apfelblüten-Motiv geschmückt, Bandname und EP-Titel stehen auf dem Tape-Rücken, die vier Songtitel sind auf dem Falz aufgeschrieben. Nun, innen sind keine Texte vorhanden, jedoch findet man einen DL-Code, von dem ich leider Gebrauch machen muss, da meine Kinder den Tonkopf meines Tapedecks geschrottet haben, indem sie mit ’nem harten Gegenstand dran rumgekratzt haben. Um die Qualität des Tapes anzuchecken, hab ich dem Ding heimlich und außer Sichtweite der Kinder wenigstens einen Durchlauf auf meinem hundert Jahre alten Walkman gegönnt. Erstaunlich, das Gerät hat seinerzeit einiges aushalten müssen, und doch spielt es Musik zuverlässiger ab, als die Playback-Maschine von Justin Biber. Aus diesem Grund muss ich das Ding so lang wie möglich vor meinen Kindern versteckt halten. Jedenfalls laufen mir die vier Songs extrem gut rein. Das, was die Band aus Philadelphia da macht, kann man grob in die Wave-Ecke stecken, dabei ist auch ein gewisser Post-Punk-Drive nicht von der Hand zu weisen. Mir gefällt v.a. der wavige Bass im Zusammenspiel mit den The Cure-angehauchten Gitarren. An manchen Stellen nervt das Keyboard und das etwas monoton gespielte Schlagzeug, aber das machen die melancholisch gespielten Gitarren und die oftmals an den Strokes-Sänger erinnernden Vocals  wieder wett. Zudem ist das alles schön melodisch und eingängig.


Planet Watson – „Do What You Want“ (DIY) [Stream]
Schon das Cover dieses selbstreleasten zweiten Albums der Stuttgarter/Ludwigsburger Skatepunks spricht Bände und zeigt ungefähr die Richtung an, in die es musikalisch geht. Drückt man die Playtaste, brettert der melodische Sound sofort zappelig in die Ohren, dabei keift sich ’ne überschlagende Rumpelstilzchen-Stimme in Ekstase. Und wie man im Verlauf des Albums erfährt, kommen zu dieser Stimme noch etliche anderen Stimmen dazu, denn die Jungs lassen sich wohl gerne von Sängern befreundeter Bands unterstützen, was eindrucksvoll zeigt, dass die Szene doch einen gewissen Zusammenhalt hat. Geil, das Zeug von Planet Watson klingt schön 90er-lastig, da schweben flauschige Wölkchen namens Satanic Surfers, Intensity, Passage 4, Crivits, Good Riddance, schnellere Shades Apart oder aber auch melodischere Heckle vor’m mit grauem Star getrübten Auge rum. Aber auch Bands wie Death By Stereo, H2O, As Friends Rust und Strike Anywhere scheinen große Einflüsse zu sein. Hey, 13 Songs, davon nur ein einziger, der kurz über zwei Minuten kommt, alle anderen liegen darunter. Und auch wenn man aus dem Presseinfo nicht allzuviel herauslesen kann, weil dieses hauptsächlich aus einer Liste mit bekannteren Bands besteht, mit welchen die Jungs schon gespielt haben, dann wird hierdurch deutlich, dass die Jungs von Planet Watson live sicher die Sau rauslassen.  Und übrigens, Planet Watson dürften nicht nur Leuten gefallen, die den Unterschied zwischen Waterboarding und Skateboarding kennen. Also ihr Punx, checkt das mal an…


Rope – „Manteision Bodolaeth“ (Truthseeker Music/Alive) [Stream]
Betrachtet man das Albumcover der Band aus South Wales, dann denkt man eher an eine Ibiza-Disco-Hits Best Of. Weit gefehlt, denn befördert man das Ding in den CD-Schacht, dann wird man gleich mit einem Filmsample aus einem der ersten und bedeutendsten deutschen Tonfilmproduktionen konfrontiert. Geniales Filmzitat eigentlich: Was weißt denn du? Was redest denn du? Wer bist du denn überhaupt? Wer seid ihr denn, alle miteinander? Verbrecher!  Ganz genau. Und es geht auch noch weiter. Wenn eine englische Band so nerdige Filmzitate verwendet, dann schlägt der Sound sicher in eine ähnliche Richtung. Spätestens nach den ersten Klängen wird klar, dass Rope nicht nur im Filmgeschmack Experten sind. Die sechs Songs kommen schön vertrackt und verschwurbelt daher, da kommen Bands wie Shellac oder Lungfish in den Sinn, welche sogar im Bandinfo erwähnt werden. Im Info werden zudem noch Basement und die Self Defense Family genannt, das spiegelt sich aber eher im dreckigen Gitarrensound wieder, göttliche Basement-Melodien sind eher Fehlanzeige. Obwohl, Earth Brian Lung  hat so einen gewissen Basement-Drive, aber wo man mit Basement-Songs auf Anhieb warm wird, braucht es bei Rope schon ein paar Durchläufe, bevor man die Songs im Ohr hat.


Ubiquity – „Quiet in Hopelessness“ (Dingleberry Records u.a.) [Stream]
Beim italienischen Spoken Word-Intro wünscht man sich direkt, ein paar Fetzen davon zu verstehen, die kryptische Übersetzung per google translate bringt dann doch ein wenig Licht ins Dunkel. Zwischen Wut, Verzweiflung und Resignation pendeln sich auch die nachfolgenden sechs Stücke ein, das ganze wird mit einem chaotischen und emotionalen Mix aus Screamo, Emotive Hardcore, Emoviolence, Post-Hardcore und etwas Neo-Crust untermalt. Der Albumtitel könnte die Musik der Jungs nicht treffender beschreiben. Die unterschwelligen Melodien, das verzweifelte Geschrei, dann wird der Sound wieder etwas zurückgefahren. Läuft gut rein. Die Band aus Sardinien erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus Øjne, Funeral Diner, Raein und Danse Macabre.


White Wine Cover 2500White Wine – „Who Cares What The Laser Says“ (This Charming Man) [Song-Stream]
Das Cover der Digipack-CD bestätigt meine Vermutung über den Sound der international zusammengwürfelten Band. Das Trio, das sich aus Joe Haege (31 Knots/Tu Fawning/Menomena), Fritz Brückner und Christian Kühr (Zentralheizung Of Death) zusammen setzt, klingt sehr, „sehr“ experimentell. Da wird Industrial mit Indie gemixt, zudem kommen 31Knots-mäßige Ideen zum Einsatz, die ja auch nicht jedermanns Sache sind. Auch wenn oftmals melodische Momente zum entspannen einladen, verwirren im folgenden Verlauf die experimentellen Einsprengsel so einiges.


Yndi Halda – „Under Summer“ (Big Scary Monsters/Alive) [Song-Stream]
Da ich Yndi Halda bisher noch nicht kannte, kam mir der Pressewisch diesmal sehr gelegen, denn diesem entnahm ich, dass es sich bei Under Summer um das mittlerweile zweite Studioalbum der Briten handelt und zwischen dem Debutalbum Enjoy Eternal Bliss und Under Summer auch schon wieder acht Jahre liegen. Vermutlich bin ich nie auf die Band aufmerksam geworden, da ich mich nicht so sehr für instrumentalen Post-Rock interessiere. Nun, zumindest wird auf diesen vier Songs gesungen, so dass die insgesamt 58 Minuten für mich eher erträglich sind. Von der Dichte des Sounds fasziniert, verzücken immer wieder toll gespielte Gitarren und ein Schlagzeuger, der auch mal die Becken ordentlich crashen lässt, da stören auch die häufig eingesetzten Streicher nicht. Wenn ihr auf Mogwai, Explosions In The Sky und GY!BE könnt, dann solltet ihr hier mal in einer ruhigen Minute reinhören.


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