Ken Burns – „Selftitled 7inch“ (Miss The Stars Records)

Die drei Ks waren bisher: Kiste booten, Kaffee holen, Klo. Ich ergänze und ändere das mal ein wenig ab: Küche, Kaffee holen, Ken Burns 7inch auflegen. Nun, ob Ken Burns sich nach dem berühmten Dokumentarfilmer und Erfinder des Ken-Burns-Effekts benannt haben oder der Name sich in irgendeiner symbolischen Art und Weise von Barbiepuppenfreund Ken ableitet, hab ich bei meinen Recherchen im Rahmen dieses Reviews nicht genau herausfinden können. Man kann jedoch sagen, dass sich die Musik der Band – ähnlich wie beim Ken-Burns-Effekt aus einem Standbild heraus – zu einer extrem lebendigen und bewegenden Sache hin entwickelt, die einen absolut gefangen nehmen kann. Was mich aber beim Schreiben dieser Zeilen ein wenig traurig stimmt, ist die Tatsache, dass es die Band leider längst nicht mehr gibt.

Umso erfreulicher, dass der gute Alex/Miss The Stars sich dazu berufen fühlte, diese gegen Ende des Jahres 2014 aufgenommenen drei Songs auf einer wunderschön minimalistisch gestalteten 7inch zu veröffentlichen und zu dokumentieren. Braune Paketpappe ohne großen Schnickschnack, die Frontseite ist lediglich mit dem Bandnamen bedruckt, und zwar in einer Schriftgröße, die so klein ist, dass der Schriftzug fast unter einen Kronkorken passt. Auf der Rückseite sind nur die drei Songtitel aufgeführt. Was mein Herz dann leuchten lässt, ist dieses liebevoll zusammengebastelte und selbstgebundene kleine Textheftchen, das außen auf der Frontseite ex-libris-mäßig bestempelt ist. Im Inneren finden sich natürlich die Texte und schöne Fotos von der Band in Live-Action. Sehr geil!

Legt man dann die 7inch behutsam auf den Plattenteller und setzt die Nadel auf, dann wird einem sofort noch wärmer ums Herz, sofern man auf intensiven 90’s Emocore steht. Denn bereits bei den ersten Akkorden wird klar, dass ich dieses Release in den kommenden Wochen rauf und runter hören werde und mir bald die nervige Dreherei des Vinyls auf den Senkel gehen wird. Der Song Saudade geht mit verspielt daher kommenden Gitarren los, wie man sie von Bands wie Drive Like Jehu, None Left Standing oder Three Penny Opera her kennt, bricht aber dann schnell unkontrolliert aus, bleibt dabei aber dennoch melodisch und wartet mit leidend herausgeschrienen Vocals auf. Die Basslautsprecher wummern so schön, aber bevor die Nadel zu hüpfen beginnt und das Vinyl dabei kleine Kratzer bekommt, wird der Sound wieder zurückgefahren und der Drummer, der eben noch heftig draufgebolzt hat, klingt fast schon bedächtig. Auf der B-Seite geht’s dann herzerwärmend weiter, es erklingen warme Klänge, bis wieder diese hoch emotionale Kante wie ein Tsunami auf Dein Gehör trifft. Neben den oben bereits erwähnten Bands erinnert das ganze an Bands wie Instil (die Band, die eine Split mit Gray Before My Eyes hatte), Kidcrash oder Greyscale. Ich bedaure zutiefst, dass diese Band nicht mehr existiert. Diese 7inch wirkt quasi wie das helle Licht eines sterbenden Sterns.

9/10

Bandcamp / Stream / Miss The Stars Records


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