Flowers Taped To Pens – „Nice To Meet You, I Hate You“ (Miss The Stars Records u.a.)

Kennt ihr das? Ihr durchkrabbelt ’ne Plattenkiste und bleibt bei einer Platte hängen, die euch optisch sofort an der Angel hat? Ihr dreht und wendet das Teil, seht dabei die Songtitel auf dem Backcover, die mit markanter Schreibschrift aufgedruckt sind und habt dabei dieses Kribbeln in den Fingern. Niemals werdet ihr selbst herausfinden, um welche Band es sich handelt und welche Musik auf dieser schön aussehenden Scheibe sein wird. Keine Chance, es sei denn, ihr traut euch und kauft das Ding wahllos. Aber bevor ihr euch die Blöße gebt, den netten Typen hinter dem Plattenstand zu löchern und wie ein trotteliger Mitläufer zu wirken, schnuppert ihr lieber mal am Plattenkarton (oh wie fein riecht das…), dreht und wendet mit fachmännischem Auge das Teil, tut so, als ob ihr das  Vinyl nach Kratzern absuchen wollt, obwohl ihr nur die Labels nach dem Bandnamen inspiziert und da leider auch nicht fündig werdet. Doof, also weitersuchen.

Hmmm, um welche Band es sich handelt, findet man erst nach ausgiebiger Recherche heraus. Das macht es für euch Freaks mit den Smartphones nochmal schwerer. Stellt euch vor, es gab eine Zeit, da konnte man nicht schnell per Stream lauschen, bevor man sich ’ne Platte gekauft hat. Da musste man sich schon nach Coveroptik und Gefühl richten, da gab es dann auch schon mal einen oder mehrer Fehlkäufe. Nun, auf dem Plattenrücken kann man in winzig kleiner Schrift Albumtitel und Bandname entziffern, und stöbert man in der Plattenhülle nach, entdeckt man auf einem kleineren Format als DIN-A5 ein kleines Kärtchen, auf dem der Bandname aufgedruckt ist, zudem erfährt man da, dass fünf Leute für das verantwortlich sind, was man auf der Platte hören kann. Dazu gibt es die Info, dass die Songs im Jahr 2013 in der Garage eines der Bandmitglieder aufgenommen wurden. Und ich glaube, gerade das letztere macht den Reiz dieses Albums aus.

Denn Flowers Taped To Pens klingen schräg, aber sehr herzlich. Auch wenn es manchmal so klingt, als ob die Instrumente nicht richtig gestimmt wären, kommt der Sound bildlich so wie auf dem kunstvoll gemalten Albumcover rüber. Das ganze fühlt sich an, als ob Dir gerade eine geliebte Person einen selbstgepflückten Blumenstrauß überreicht und Dir damit lächelnde Augen beschert. Überschlagende Vocals á la Algernon Cadwallader treffen auf schrammelige Gitarren und emotionales Geschrei, dazu knödelt ein eigenwilliger Bass und der Schlagzeuger hämmert sich nebenbei auch noch diverse Emotionen von der Seele. Und ab und an kommt neben cleanen Gitarren dieses hochgepitchte Affengeschrei durch, so als ob gerade jemand ein Tape bei gedrückter Playtaste gleichzeitig vorspielen würde. Mixt einfach mal die Couch Potatoes mit Nayru, American Football und Algernon Cadwallader und fügt dazu ein wenig Melancholie & Schrägheit á la The Blue Period bei, dann habt ihr ungefähr das, was diese Platte ausmacht. So und nicht anders muss emotionaler Punk klingen, zieht euch das unbedingt auf Vinyl rein! Das nette Scheibchen ist als Co-Release der Labels Miss The Stars Records, Santapogue, Tyburn Woods Coll, LLR, Bad Break Records und Structures Agony erschienen.

8/10

Facebook / Bandcamp / Miss The Stars Records


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