Don Karacho & Neat Mentals – „Split 12inch“ (Subzine Records)

Bock auf ’ne Punkrock-Party mit Filmriss? Na dann erzähl ich euch mal einen Schwank aus meinem Leben, der mir zwar etwas peinlich ist, aber eigentlich ganz gut zu dieser Split-LP passt, weil die Geschichte im direkten Zusammenhang mit dem Release steht. Nun, ihr kennt die Tage sicher selbst, an denen man aufgrund des schönen Wetters und diversen anderen Umständen die Kein-Bier-vor-Vier-Regel nach Überwindung des inneren Schweinehunds und mit etwas schlechtem Gewissen über Bord wirft und es sich in idyllischer Umgebung und bei sommerlichen Außentemperaturen mit einem kühlen (ähem…alkoholischen) Getränk bequem macht. Schließlich ist ja Wochenenede und Punks dürfen auch schon mal ein paar Regeln brechen, wobei die selbst auferlegten Regeln halt diese Gewissensbisse auslösen können, die aber bereits nach den ersten paar Schlucken abgehakt sind.

Die idyllische Kulisse war an diesem vorsommerlichen Nachmittag der schöne Bodensee und als Belohnung eines 30-minütigen Schwimmaufehnthalts im 15-18 Grad warmen Wasser war die Überwindung des innneren Schweinehunds ein Klacks. Noch während sich der äußerlich ausgekühlte Körper an der Sonne aufwärmte, wurde eine Art Balance geschafffen, indem auch das Körperinnere mit reichlich kühlem Nass versorgt wurde. Und da am Abend eine kleine Punkrock-Fete mit Don Karacho im heimatlichen Wohnort stattfinden sollte, bekam der Begriff Vorglühen endlich mal eine angemessene Bedeutung, denn in der prallen Sonne sollte man auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten. Also, von vorn. Die Vorgeschichte kennt ihr…bin ein wenig angeschickert und mit ein paar Bieren im Gepäck zum besagten Punkrock-Konzert gepilgert…während des Konzerts wurde natürlich kräftig weitergepichelt und viel Blödsinn gelabert, der Abend machte trotz Besucherflaute riesigen Spaß und am Ende bekam ich noch diese feine Split-12inch geschenkt, die ich -upsi- auf dem schwer zu bewältigenden Nachhauseweg irgendwie verloren habe, was ich aber erst am darauffolgenden Morgen mit Schrecken bemerkte. Filmriss. Nachdem ich die gesamte Wohnung auf den Kopf gestellt hatte und die letzten Stunden des Abends vergeblich abrufen wollte, machte ich mich in Hangover-Manier auf den Weg, um das gute Stück zu suchen. Schöne Katerbeschäftigung. Nachdem alle Ecken und Winkel ergebnislos abgesucht wurden, blieb noch eine letzte Möglichkeit. Die Alternativ-Route im letzten Drittel des Nachhausewegs, welche ich eher selten laufe. Aber nach diesem Abend war nicht auszuschließen, dass ich diesen Weg im Delirium gewählt hatte. Und siehe da, auf einem Mäuerchen am Wegesrand lag tatsächlich das gute Stück, das wahrscheinlich auf Grund menschlicher Bedürfnisse abgelegt und nach Verrichtung des Geschäfts vergessen wurde. Und obwohl es in der Nacht geregnet hatte, total unversehrt und bereits trocken. Das spricht für den Druck auf dem starken LP-Karton. Übrigens kommt die Scheibe mit einem Wende-Cover, so dass beide Bands ihr Artwork präsentieren können. Zuhause angekommen hab ich erstmal die Platte rausgefriemelt, dabei krabbelte zur Krönung des Ganzen eine Kellerassel mit raus, die sich über Nacht im Karton verkrochen hatte. Was für ’ne Punk-Story, könnte glatt erfunden sein.

Nun, fangen wir aber mal mit Don Karacho aus Ravensburg an. Laut Bandcamp-Info liefert das Trio snotty Mofapunk ab, mit Fuchsschwanz und Attitüde, dabei werden Eindrücke aus dem harten Leben als Halbstarker in der Kleinstadt verarbeitet. Dass mit einer gehörigen Portion Humor an die Sache rangegangen wird, zeigen alleine die Künstlernamen: Rita Ritalin, Kurbel Kickstarter und Asphalt Karacho. Die Band auf der Bühne oder auf dem Floor ist jedenfalls eine wahre Freude. Man sieht dem Trio live an, dass der Spaß riesengroß ist. Lächeln statt Hass, trotzdem wird geknüppelt und geschreddert, was das Zeug hält. Obwohl ab und an mal auf deutsch gesungen wird, erinnert das Ganze dann schwer an Ami-Punk-Zeugs aus den Achtzigern wie die ersten Sachen von den Beastie Boys gemischt mit Ignition, Minor Threat, American Standard oder den Couch Potatoes, aber immer mit einer melodischen aber dennoch trashigen Kante. Supergeil gefällt dann der knödelnde Punker-Bass, die Gitarren drehen auch schön schrammelig am Rad. Cool auch, dass der abgesiffte Nörgelgesang vom Sänger ab und an kreischende Unterstützung von der Bassistin bekommt und manchmal sogar beide gleichzeitig hektisch bis hysterisch auf die zwölf geben. Mit Songlängen um die anderthalb Minuten kann man eigentlich nix falsch machen, so dass für Langeweile gar keine Zeit bleibt. Die sieben Songs sind jedenfalls schnell durchgelaufen, als Anspieltipps eignen sich ADHD oder Fresst Sternenstaub ihr F****r!  Checkt das unbedingt mal an, ihr Punkers!

Neat Mentals aus Stuttgart sind dann mit sechs Songs am Start, die auch alle unter der 3-Minuten-Marke bleiben. Und das ist auch gut so, so wird auch aus dieser Seite der Split ein kurzweiliges Vergnügen. Geboten wird melodischer Punkrock der oldschooligen Sorte mit rotziger Kante und treffsicheren Chören, die live sicher für ordentliche Bierpfützen im Pit sorgen. Mich erinnert das grob ein wenig an frühe Turbonegro-Sachen, gerade die Gitarre-Bass-Fraktion, das treibende Schlagzeug und die mehrstimmigen Whohoho-Chöre. Der Mischmasch aus Garagepunk, Amipunk und etwas Schweinerock läuft mir ganz gut rein, schade dass ich die Band neulich bei der Record-Release-Party bei mir um die Ecke verpasst habe. Gerade das letzte Stück Alcoholic  geht sowas von ins Ohr. Die Jungs verstehen jedenfalls ihr Handwerk, für das die Mitglieder bereits reichlich an Erfahrung in Bands wie Sonic Träsh, Smalltown Rockets, Nakam und den Derby Dolls gesammelt haben, um mal ein paar wenige zu nennen.
Don Karacho Bandcamp / Neat Mentals Bandcamp


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