Dingleberry Records 7inch-Special: Boy On Guitar, Eaglehaslanded, Static Means

Boy On Guitar – „We Wait“ (Dingleberry Records u.a.)
Bei dem Bandnamen denkt man ja eher wieder an so ein Country-Soloprojekt eines ehemaligen Sängers irgendeiner x-beliebigen Hardcore- oder Emo-Kapelle, aber weit gefehlt. Boy On Guitar aus Kalifornien setzen sich nämlich aus Mitgliedern der Bands Of Us Giants, Fiver, Kid Mud, Seanario, Duncan Booth und Stepbrother zusammen, zudem sind einige Bandmitglieder nebenbei auch noch anderweitig in der Szene aktiv und betreiben diverse Plattenlabels und Aufnahmestudios (Ronald Records, Way Grimace Records, Chateau Walnut Studios). Bisher wurde eine Demo veröffentlicht, auf dieser Debut-7inch sind drei der Songs vom Demo mit drauf, zudem gab es für die 7inch-preorders eine digitale Bonusversion in Form von Remixes zu den Songs von We Wait. Mittlerweile sind diese Songs ebenso wie die anderen Sachen alle zum Name Your Price Download zu haben. Das Coverartwork find ich schonmal ansprechend, schade aber, dass kein Textblatt beiliegt. Aber egal, dafür wird man mit durchsichtigem orangenem Vinyl zufriedengestellt, das so schön leuchtet, als ob die Sonne darin untergeht. Und dann gibt es auch noch die Musik, die auf Vinyl so unglaublich warm klingt und mich vom ersten Augenblick an hypnotisieren kann. Rein akustisch mit ein paar Keyboards und ganz dezent verzerrter Gitarre wird der Sound hauptsächlich von der verträumten Stimme von Sängerin Taylor Tomita getragen. Die Worte werden zart und melancholisch ins Mikro gehaucht, das Ganze wird von relaxtem Indie-Guitar-Pop mit unplugged-Charakter begleitet. Geil auch das geklaute Riff von Nirvana am Anfang von Skydiving. Die beteiligten Labels: Broken World Media, Ronald Records, Way Grimace Records, Tyburn Woods, Lost State Records, Dingleberry Records, und Allende Records.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


Eaglehaslanded – „Selftitled 7inch“ (Dingleberry Records)
Obwohl die Jungs aus St. Petersburg/Russland schon etliches Zeug veröffentlicht haben, bin ich erst durch die geniale Split mit Foxmoulder aus Kanada erstmals auf die Band aufmerksam geworden. Auf eben dieser Split störten mich an manchen Stellen diese Nintendo-mäßigen Keyboards und die scheppernd klingende und viel zu hell tönende Aufnahme. Das Nintendo-Gedudel findet man auf diesen sieben Songs glücklicherweise nicht, zudem sind die Songs diesmal nicht so hell sondern schön satt klingend abgemischt. Wenn man mal das Intro überwunden hat, dann bleiben sechs Stücke, die aber hauptsächlich von Gitarre, Geschrei und wildem bis hektischem Getrommel dominiert werden, ab und an schleicht sich statt des nervigen Nintendo-Gedudels  eine warm gespielte Trompete in den Sound mit ein, was mir ziemlich gut gefällt. Und dieser Trompetensound fügt sich so viel besser in den Gesamtsound der Russen ein, der sich weg vom Power/Emoviolence der Split mit Foxmoulder eher in Richtung melancholisch angehauchten emotive Screamo bewegt. Wow. Das gefällt unheimlich gut. Das orange schimmernde Vinyl trägt zudem zusätzlich dazu bei, dass die Songs glühender und intensiver klingen. Was mir als halbblindem Brillenträger dann ein wenig ein Dorn im Auge ist (haha, die Redewendung des Jahres!), ist dann das kleine Textblatt, das sogar noch kleiner als ein handkopierter Flyer aus den 90ern ist. Die beteiligten Labels sind ja bereits auf dem Backcover gedruckt, die braucht man doch nicht nochmals in lesbarer Größe auf dem Textblatt, oder? Da hätte ich lieber die Texte der Songs in lesbarer Größe gehabt (was möglich gewesen wäre), aber in dieser Schriftgröße können dass nur Leute lesen, die schon beim Aufwachen die Spinne an der gegenüberliegenden Wand entdecken. Oder Leute, die in ihrem Agentenspielzeugkoffer eine 1:20 Vergrößerungslupe haben. Naja, 1/3 der Songs hat sowieso russische Lyrics, das könnte ich eh nicht entziffern. Deshalb Schwamm drüber: ich hoffe, die Jungs bauen in Zukunft noch mehr Trompeten in ihren Sound mit ein. Hat irgendwie was von Algernon Cadwallader goes Powerviolence/Screamo/Emoviolence. Auch bei diesem Release sind einige Labels beteiligt: Krimskramz, Dingleberry, Korobushka, Structures//Agony Records, Friendly Otter, Prejudice Records, Ozona Records, I.Corrupt, Gato Encerrado Records, Summercide Records.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


Static Means – „Can’t Cope“ (Dingleberry  Records/Jean Claude Madame)
Rein optisch gefällt mir dieses Scheibchen schon mal bestens: Frontcover, Backcover und Textblatt kommen in schwarz-weiß und sind mit schönen Zeichnungen im Graphic Novel-Stil bedruckt. Obwohl die Band aus Leipzig schon seit 2012 existiert, habe  ich noch nie vorher Bekanntschaft mit dem Sound gemacht, der grob in die Post-Punk-Wave-Ecke geht. Es wurde aber auch erst eine Demo veröffentlicht und Can’t Cope ist nun die Debut-7inch des Quartetts, das sich aus drei Typen und ’ner Sängerin zusammensetzt. Vier Songs sind auf Can’t Cope enthalten. Das Ding zündet gleich beim ersten Antesten und mit jedem weiteren Durchlauf schraubt sich der melodische bis melancholische Sound weiter ins Gehör, dabei gefallen die gefühlvoll gespielten Gitarren ebenso, wie der permanent gegenknödelnde Bass und das treibende Schlagzeug, dazu noch der weibliche Gesang und man fühlt sich, als ob gerade die Sonne untergehen würde. Das hört sich dann ungefähr so an, als ob sich Infinite Void oder Arctic Flowers an Songs von Accidente austoben würden. Mir läuft das extrem gut rein, einzig die denglische Aussprache der Sängerin klingt anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, andererseits  hat das natürlich auch einen gewissen Charme und nach ein paar Durchläufen fällt das gar nicht mehr so stark auf, wie zu Beginn. Neben Dingleberry Records erscheint das Scheibchen bei Jean-Claude Madame.
Bandcamp / Facebook / / Dingleberry Records

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