Señor Karōshi & Außer Ich – „Split 7inch“ (Tumble Weed Records)

Zwei deutsche Bands bzw. zwei Trios, die musikalisch so ziemlich in die gleiche Kerbe schlagen und sich obendrein bei einem gemeinsamen Konzert anfreundeten, teilen sich diese schnuckelige, handnummerierte 7inch. Das Artwork mit seiner Origami-Optik gefällt mir schon recht gut, zudem freut sich der faule Vinyldreher über den beiliegenden Downloadcode.

Immer wieder macht es mich total glücklich, wenn mir plötzlich ein Release einer Band, die einst anhand eines digitalen Downloads von mir gefeatured wurde, per Post im Briefkasten landet. Señor Karōshis Debut 7inch gefiel mir damals wie heute außerordentlich gut und auch diese zwei Songs hier wickeln mich auf Anhieb um den Finger. Dieser Sound kann nur von Menschen stammen, die sich garantiert niemals totarbeiten würden (kleine Anspielung auf den Namen, könnt ihr im Borderline Fuckup-Review nachlesen). Mannometer, ich liebe diese schrammeligen Gitarren, die sich zwischen frühen Billy Talent, Knochenfabrik und Captain Planet bewegen und sich melodieverliebt aber treibend ins Gehör schrauben. Auch wenn es die Songtitel nicht verraten, Señor Karōshi singen auf deutsch und haben Punk im Blut, Melodie im Urin und Herz im Bauch. Oder so ähnlich. Und obendrein sind die Texte aus dem Leben gegriffen, die sprechen mir absolut aus der Seele. Und diese mehrstimmigen Chöre! So ’nen Sound muss man live bierspritzend und mit den Fäusten in der Luft abfeiern. Sobald die A-Seite rum ist, muss ich unweigerlich erneut die Nadel an den Anfang setzen. Ich feier das ab! Sorry an Außer Ich, aber diese Seite der Split wurde öfters von der Sonne angestrahlt (bis jetzt).

Betrachtet man aber die Außer Ich-Seite ohne den direkten Vergleich zu Señor Karōshi, dann wehen auch hier die Fahnen im Sturm. Obwohl Außer Ich im Vergleich zu Señor Karōshi eher langsamer durch die Gegend fahren, klingt das hier nicht minder intensiv. Zugegeben, die zwei Songs brauchen ein Weilchen, bis sie so richtig zünden, aber dann fühlt es sich wirklich gut an. Klar, das Simpsons-Sample zu Beginn schmiert schon ordentlich Honig ums Maul. Sympathie-Bonus-Punkte-ohne-musikalische-Vorleistung-erschleichen nennt man das wohl, haha. Geil jedenfalls, Simpsons-Samples rocken die Bude. Der Opener Eine Frage der Ähre beginnt etwas unspektakulär, kratzt dann aber ziemlich schnell die Kurve, bevor er in einem göttlichen Refrain gipfelt. Lauf lauf lauf, die ganze Nacht. Da wandert die Gänsehaut durch den Proberaumkeller. Die Gitarren gefallen mir sehr gut, gerade wenn sie flächig schrammeln und der Schlagzeuger mit viel Crashbecken spielt, das kaschiert etwas seine Rhythmusschwankungen. Und auch diese Seite des Scheibchens hat ihre Reize. Gerade textlich gehen die Deutschpunkers andere Wege, hier ist von genretypischem Bashing keine Spur.

Bei beiden Bands stehen in naher Zukunft Veröffentlichungen in Form eines Albums an, daher dient dieses leckere Scheibchen als Appetitanreger. Ich für meinen Teil bin jedenfalls angefixt, und zwar von beiden Bands.

7,5/10

Señor Karōshi Facebook / Außer Ich Facebook / Bandcamp [Stream]

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