Kepler – „Selftitled Tape“ (DIY)

Diese Band dürft ihr nicht mit der kanadischen Indierock-Band gleichen Namens verwechseln. Denn diese Kepler hier kommen aus dem Ruhrpott, genauer gesagt aus Mühlheim und das  hier ist die erste Veröffentlichung der vier Jungs. Offenbar stand für die Namensgebung das Weltraumteleskop Pate, mit welchem im unendlichen Kosmos nach erdähnlichen Planeten gesucht wird. Nun, In diesem blaufarbigen Tape steckt sehr viel DIY-Spirit drin. Das handbeschriftete Tape sieht knallig aus, dazu kommt noch ein liebevoll gefaltetes Textblatt. Um dieses raffiniert gefaltete Textblatt wieder in den Originalzustand zurückzufalten, musste ich dann tatsächlich die Hilfe meiner Liebsten in Anspruch nehmen, die mich in solchen Fällen immer sehr entgeistert mustert und mir einen sehr geringen IQ unterstellt. Ich gebe es ungern zu, aber in Bastel-Aktionen stink ich total ab. Nach ein paar Mal Üben mit der Kindergartentante hab ich’s dann sogar ganz alleine geschafft! Jubel! Jedenfalls gefällt das Textblatt auch deshalb, weil sich da die Band handschriftlich für den Erwerb des Tapes bedankt. Sehr persönlich, so gehört das!

Auf insgesamt vier Songs in knapp 15 Minuten, zeigen Kepler, dass sie sowohl die leisen, bedächtigen Passagen, als auch die lauten Screamo-Ausbrüche und melodieverliebten Emoparts beherrschen. Und da es massig Bands gibt, die diese Sache bis zur Perfektion ausreizen, erzähl ich euch mal folgendes: was diese Aufnahme so sympathisch macht, ist der roh gelassene Sound des Quartetts. Das sagt mir einfach mehr zu, als diese auf dicke Hose gemachten Überproduktionen. Was allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, ist die Stimme des Sängers, der teilweise ziemlich hoch gröhlt, was manchmal etwas deplaziert wirkt, aber andererseits wird der Musik dadurch ein enormes Wiedererkennungsmerkmal gegeben. Nach etlichen Durchläufen bin ich sogar der Überzeugung, dass dies als Stilelement extra so gewählt wurde, um sich aus der Masse etwas herauszuheben. Aber bevor ich mich jetzt zu sehr auf den Gesang einschieße, kommen wir lieber mal zum instrumentalen Grundgerüst. Naja, eines muss ich zum Gesang noch loswerden: obwohl dieser ziemlich eigenständig ist, kommen an manchen clean gesungenen Stellen Erinnerungen an Sänger wie Geoff Rickly von Thursday, Brian Molko von Placebo oder Cedric Bixler von At The Drive-In in den Sinn.

So, nun aber wirklich zum instrumentalen Geschehen. Das bockt nämlich ungemein und hat seine Vorbilder im Post-Hardcore/Emo Ende der Neunziger. Hört euch nur mal den Opener Invisible an. Der Song fängt leise und bedächtig an, geht in vertracktes Chaos über, wird von crashbeckenverliebtem Drumming begleitet, bis das Tempo rausgenommen und anschließend wieder angezogen wird. Und dann kommt ein absolut emotionales Zwischenspiel ab der zweiten Spielminute um die Ecke, das mit genialen mehrstimmigen Chören begleitet wird. Gerade da schleicht sich das Geschrei des Sängers so intensiv rüber, dass die Gänsehaut nicht lang auf sich warten lässt. Und auch die restlichen drei Songs brennen sich ins Gehirn. Ein weiteres Highlight stellt der Song September dar. Aber bevor ich noch weitere Buchstaben aneinanderreihe, solltet ihr lieber mal selbst reinhören.  Eigentlich solltet ihr euch die EP zum Name Your Price Download holen und nach ein paar Durchläufen schnell bestellen, da es nur 50 Tapes gibt. Also, ranhalten, so eine Band sollte unterstützt werden!

7,5/10

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