Minutes From Memory – „Start From The Beginning“ (DIY)

Oh wie schade, dass diese tolle EP nur als eigenvertriebene CD erscheint, wie fabelhaft würden diese fünf Songs wohl auf Vinyl klingen? Das Artwork würde ’nen Ticken größer sicher auch ’ne bessere Wirkung haben, als auf ner Pappschuber-CD. Meine Kinder waren jedenfalls vom Jägermeisterhirsch mit den Gesicht- und Hals-Tattoos ziemlich angetan. Wäre als Gimmick ein Hirschkopf-Tattoo-Bildchen zum selbst aufspucken beigelegen, hätten sie sich wahrscheinlich wochenlang nicht mehr waschen lassen. Zum Leidwesen der ultra-spießigen Eltern, die aufgrund ihres alternativen Aussehens natürlich sofort die Schuldigen sind, sobald Kopfläuse im Kindergarten oder der Schule die Runde machen und die blonden, gebürsteten und gekämmten Haare der High-Society-Kids befallen. Bevor ich mal wieder abschweife, schwappe ich schnell mal wie ’ne Kopflaus von der Jacke am Kleiderhaken rüber zu den fünf Songs.

Minutes From Memory kommen aus dem Stuttgarter Schmelztiegel, näher gesagt aus Ludwigsburg und machen erstklassigen Post-Hardcore, der Dich wie ein reißender Fluß fort treiben kann, bis das Wasser wieder seichter wird und Du von sanften Wellen gestreichelt wirst, während gleichzeitig die letzten Sonnenstrahlen des Sommers Deinen Körper wärmen. War das jetzt zu kitschig umschrieben? Naja, egal. Ich steh auf die Band, auf meinem alten Blog feierte ich die Life Portrait-EP schon gebührend ab. Kitschig ist hier absolut gar nix.

Was mir sofort aufgefallen ist: die Songs auf Start From The Beginning klingen härter, der cleane Gesang von Sängerin Marta ist drastisch zurückgefahren worden, dafür kommen die Screams umso heftiger und emotionaler. Die Gitarren geben ihr bestes dazu und zwirbeln Dir melodische, gefühlvolle, melancholische und gleichzeitig fette Riffs auf’s  Ohr, dazu kommt natürlich das druckvoll gehämmerte Schlagzeug. Und diese Stimme, diese melancholischen Spoken Words! Das klingt so verdammt unverbraucht, spielfreudig und frisch! Ob es wohl daran liegt, dass die Band seit der letzten EP zwei Neuzugänge (Bass/Schlagzeug) hatte? Möglich. Man hört jedenfalls raus, dass Leidenschaft und Bock auf Spielfreude hier bestens kombiniert ist. Zwischen Melodic Hardcore, emotive Post-Hardcore und Screamo klingen auch oftmals Passagen durch, die an Bands wie Heart On My Sleeve, Svalbard oder frühe Boy Sets Fire denken lassen. Übrigens, Gitarristin und Sängerin Marta spielt auch bei den neulich besprochenen Punks von Kuballa die Klampfe. Geile EP jedenfalls.

8/10

Bandcamp / Facebook


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