Oaken Heart – „Alluvium“ (Tanz Auf Ruinen/Dingleberry Records)

Oaken Heart kommen aus Leipzig und bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung von der Existenz dieser Band. Ich lebe ja generell ein wenig hinterm Mond, aber durch den sympathischen e-Mail-Kontakt wurde meine Neugier geweckt, so dass ein paar Wochen später die hübsch aber düster gestaltete 12inch von der Postbotin überreicht werden konnte. Wahnsinn, dass es immer wieder tolle Bands gibt, die mir ihr hart erarbeitetes Zeug zuschicken wollen und das dann auch noch knallhart durchziehen. Vielen Dank dafür, ihr seid die Besten. Zur Platte: Schöne Idee, die Kreise auf dem Cover sehen aus wie Jahresringe einer Eiche. Kann man hier eventuell das Alter der Band rauslesen? Hatte das ja nie so drauf, mit den Jahresringen. Zählt man das Herz bzw. die Mitte mit oder nicht? Keine Ahnung, vielleicht bin ich ja auch auf dem Holzdampfer, denn dann müsste man zusätzlich zur Mitte auch noch den Rand mitzählen, dann würde es passen, dann wären wir bei fünf. Denn Oaken Heart existieren nämlich seit 2011, bisher wurde eine EP veröffentlicht. Das Quartett umschreibt seinen dichten Sound mit folgenden Worten sehr passend: blackish riffing, crusting soundwalls and cheerful melodies.

Eigentlich lässt sich dieser Beschreibung fast nichts mehr hinzufügen, vielleicht noch etwas Sludge und ’ne Schippe Blackened Hardcore. Dummerweise wurde durch die Jahresringe-Diskussion die Neugier meiner Kinder erweckt, so dass diese krampfhaft versuchten, die Rillen der 12inch zu zählen, um das Alter der Platte zu ermitteln. Sie kamen leider auf kein brauchbares Ergebnis. Und auch ich war etwas enttäuscht, als ich nach dem Auflegen der Platte kein Textblatt in der Hülle fand. Aber Bandcamp sei Dank, erfährt man dort, welche Worte da gescreamt werden. Denn obwohl diese auf deutsch gebrüllt werden, tut man sich schwer, irgendwas zu verstehen. Und selbst, wenn man die Sache schriftlich vor Augen hat, bleibt eine gewisse Interpretationsfreiheit.

Die Jahresringe des Eichenbaums bekommen sozusagen textlich bzw. Songtiteltechnisch irdische Konkurrenz: Erdgeschichte, Gezeiten, dadurch bedingte Schlammschichten die sich einhärten und zu festen Bestandteilen werden, die irgendwann wieder zerbröckeln. Zusammen mit dem vielschichtigen Sound bleiben da sicher einige Stunden des Grübelns.  Und da habt ihr echt mal länger Zeit, denn die sechs Songs bewegen sich im Durchschnitt an der 6-Minuten-Marke. Auch musikalisch wird das eben beschriebene analog umgesetzt. Harte Gitarrenriffs verdichten sich, Schicht für Schicht türmen sie sich, fangen langsam an zu zerbröseln, schleppend, malmend und walzend. Neben vertracktem Drumming und raffiniertem Songgerüst klingt das so, als ob sich ein Industrie-Tunnel-Steinbohrer durch einige Schichten verfestigten Erdreichs bohren würde, dabei etliche Wasseradern anbohrt. Flirrende, rotierende Gitarren simulieren dabei die Bohrdrehungsgeschwindigkeit. Staub, Schatten, Sand, Sonne, Stille. Macht der Bohrer dann mal Pause, dann herrscht gespenstische Stille unter Tage. Diese wird gebrochen, sobald laute Stimmen den Raum füllen und Echos ertönen. Eine Konzeptplatte?

Ups, bevor ich jetzt selbst zu kryptisch werde, komme ich noch kurz zu den klaren Fakten: Drei Labels sind an der Veröffentlichung beteiligt: Dingleberry Records, Tanz auf Ruinen und Screamore. Für den bombastischen Sound ist na klar mal wieder die Tonmeisterei verantwortlich. Soundtechnisch fühle ich mich desöfteren an Bands wie Younger Us oder Painted Wolves erinnert. Und ja, nach mehrmaligen Durchläufen malmen sich die Songs eine schöne Bahn durch den Gehörgang. Beim ersten Hördurchgang denkt man sich noch, dass man damit niemals warm werden wird, aber bereits bei der dritten Runde entdeckt man Melodiebögen und Passagen, die man beim ersten Durchlauf niemals vermutet hätte. Widerspruch? Testet es selbst, es lohnt sich!

7,5/10

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