Andalucía – „Stuck“ (Sic Life Records)

Vom 2014-er Debutalbum There Are Two Of Us bin ich immer noch sehr begeistert, die Scheibe dreht bis heute von Zeit zu Zeit ihre Runden auf dem heimischen Plattenspieler. Und der Song Anonymous God fand und findet immer noch den Weg auf etliche Mixtapes, was wiederum etliche Rückfragen der Mixtape-Beschenkten bezüglich der Band Andalucía nach sich zieht. Ihr könnt euch denken, dass ich ziemlich aus dem Häuschen war, als ich  ’ne Anfrage des Münsteraner Duos zwecks Besprechung ihres zweiten Albums Stuck im e-Mail-Postfach fand. Ein paar Wochen später flatterte dann auch schon die 12inch per Analog-Post ins Haus. Okay, rein optisch hat sich zum Vorgänger nicht viel verändert, das Artwork bleibt schlicht, einen Bandnamen sucht man auf dem Frontcover vergebens. Anstatt dessen sieht man eine schwarz-weiß-Fotografie von zwei Klötzen, die durch irgendwelche Stromkabel miteinander verbunden sind. Das ist wahrscheinlich das Promo-Bandfoto, das die zwei Slacker-Typen an die ganzen Jugendzentren verschicken, in denen sie spielen wollen, nehm ich mal an, haha.

Vom Frontcover zur Platteninnenhülle: hier findet man neben einem Download-Code und den Texten ein Grusel-Foto, das direkt aus einem Retro-Horrorstreifen stammen könnte. Alleine dieses Foto ist es wert, die Platte zu besitzen. Das X auf dem Baum hinter dem dritten Typen von links…boah, ich krieg ’ne Stoppelhaut…Sehr, sehr, wirklich sehr gruselig. Einrahmen und übers Bett hängen. Schön, was man als DIY-Band mit eigenem Label (Sic Life Records) im Rücken alles schaffen kann. Aber nun zur Musik.

Als ich die Platte erstmals auflegte, bekam ich einen wirklichen Schock. Die Gitarren klangen irgendwie zu hell, der Gesang war etwas schwach und leise, das Schlagzeug rumpelte blechern vor sich hin…aber im nächsten Moment Entwarnung: die Kinder waren mal wieder in der Zwischenzeit an der Anlage und haben Knöpfchen verdreht. Da schwillt mir ja jedes mal die Zornesader an der Schläfe an, aber eigentlich ist es ja lustig, wie man den doofen Papa mit so ein paar Knöpfchendrehungen auf die Palme bringen kann. Nachdem alles wieder in Ordnung gebracht war, startete ich die Platte erneut. Wie zu erwarten auch mit einem sehr viel satteren Sound, auch wenn der Gesang etwas in den Hintergrund gemischt ist. Trotzdem musste ich beim allerersten Durchlauf der kompletten Scheibe feststellen, dass hier ein sofort ins Ohr gehender Song vom Kaliber Anonymous God nicht auf Anhieb zu erkennen ist. Einen weiteren Schock bekam ich, als ich beim Song Ordinary Daze meinte, dass der Plattenspieler ’nen Motorschaden hätte und ich kurz davor war, die Kinder rund zu machen. Aber, das gehört anscheinend so. Der Song leiert technisch defekt, das kann man nicht mehr Shoegaze nennen, das zehrt dann eher am Nervenkostüm. Sind das rückwärts abgespielte Spuren? Teufelszeug, haha. Aber im Grunde find ich das schon wieder cool, auch wenn ich die A-Seite nach dem dritten Song in Zukunft wahrscheinlich abwürgen werde. Sorry, das Ding eignet sich als Rausschmeißer auf ’ner Party mit nervigen Gästen.

Okay, seit ich obige Zeilen geschrieben habe, sind ein paar Wochen und einige Durchläufe der LP vergangen. Und wie so oft stellt sich heraus, dass man einer Platte immer eine zweite Chance geben sollte. Denn mittlerweile habe ich unter den acht Stücken Songs gefunden, die mir ziemlich gut reinlaufen. Und hat man erst den Zugang zu den Songs gefunden, dann kann man bei Stuck  im wahrsten Sinne des Wortes richtig kleben bleiben. Über den Sound kann man mehr als erstaunt sein, das hört sich eher nach vollständiger Band als nach Duo an. Da werden echt mal Riffs gezaubert, die sich nach mehrmaligem Hören richtig ins Gehör schrauben. Dazu passt natürlich das auf den ersten Blick stur gebolzte Schlagzeug, das sich auf den zweiten Blick als ziemlich genial und ausgetüftelt rausstellt. Dieses Phänomen lässt sich bei Bands wie Sea And The Cake ebenfalls sehr schön beobachten. Wobei Andalucía eher um einiges dissonanter unterwegs sind, aber auch hier kommen immer wieder nette Gitarrenmelodien zum Vorschein, in die man sich reinsetzen könnte. Auch wenn die Grundstimmung eher düster und ein wenig trostlos rüberkommt, können Songs wie das geniale Slack Off, das mit jedem Durchlauf mehr von seinem Hitpotential preisgibt, oder das im Dischord-Stil vorgetragene I Can I.D ein Lächeln auf die Gesichter zahlreicher Slacker zaubern. Und welch Erlösung, als man nach dem bereits erwähnten schrecklichen Ordinary Daze auf der B-Seite bei Ode De Coy mit einem wundervollen Riff wieder milde gestimmt wird. Die Jungs waren erst vor kurzem auf Tour, vielleicht hat sie ja jemand von euch sehen können. Ich würde mir das jedenfalls sehr gern mal live anschauen, ist sicher beeindruckend.

8/10

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