Bandsalat: Antilope, Balance And Composure, Fljora, Forgive Me, Kambodsja, Lessen, Ulf, We Set Sail

Antilope – „Selftitled“ (DIY) [Name Your Price Download]
Fünf Jungs. Augsburg und München. Südbayern. Steuert man die Bandcamp-Seite der Band ohne das entsprechende Vorwissen an, dann denkt man, dass diese fünf Songs irgendwelche wild zusammengewürfelten ersten Gehversuche wären, dabei steckt hier deutlich mehr dahinter. Kleiner Tipp an die Jungs: Seht euch mal das Bandcamp-Tutorial an, da wird erklärt, wie man die Songs eines Albums in einen Ordner reinschiebt, harr harr. In der heutigen Zeit nehmen sich die Leute leider nicht mehr die Zeit, sich aus einzeln downgeloadeten Songs eine EP zu erstellen. Das hat man noch gemacht, als man analoges Internet hatte und dieses Anwahl-Gepiepe stark am Nervenkostüm sägte. Mit WWW verband man damals World Wide Waiting. Nun, Antilope ist eine ganz neue Band. Und es würde sich lohnen, die Zeit zu investieren, um die Songs einzeln downzuloaden und sich daraus ’ne oldschool-CD zu brennen. Die Mitglieder haben schon mit Bands wie NME.MINE, Mitote, Facing the Swarm Thought, Them Bones, oder Aerosole Companion reichlich Erfahrung gesammelt. Und wenn euch die gerade erwähnten Bands zusagen, dann könnten euch Antilope vielleicht auch gefallen. Auf der einen Seite kommen Post-Hardcore-Elemente zum Zug, auf der anderen Seite fühle ich mich an manchen Stellen an Bands wie z.B. Captain Planet erinnert.  Mir läuft’s gut rein!


Balance And Composure – „Light We Made“ (Big Scary Monsters/Alive) [Stream]
Auf ihrem Debutalbum Separation gefiel/gefällt mir die Band aus Pennsylvania bis heute noch ziemlich gut. Mit dem Nachfolger The Things We Think We’re Missing hatte ich jedoch so meine Schwierigkeiten. Nachdem ich den Teaser-Song Spinning gehört hatte, war ich gespannt auf die restlichen neun Songs, da mich dieser doch etwas in der Nase kitzelte. Nun, nach ein paar Durchläufen ist es bei so einem weichgespülten Sound klar, dass ein paar Soundfetzen hängen bleiben, so läuft der Opener Midnight Zone und eben der Refrain zu Spinning ganz gut rein. Auch Afterparty gehört zu einem der herausragenderen Stücken.  Aber wenn dann z.B. dieser monotone Beat beim Song Postcard einsetzt, dann überlegt man sich zweimal, eine Postkarte zu verschicken. Das war jetzt vielleicht böse, aber irgendwie scheint dieses Schlagzeug fehl am Platz. The Things We Think We’re Missing hatte ja schon reichlich Monotonie im Gepäck und ungefähr ab der Hälfte der Songs schleicht sich auch hier etwas Eintönigkeit ein. Nun, die Mucke geht in Richtung Basement und Turnover, jedoch haben die gerade genannten Bands die schmissigeren Melodien und die emotionaleren Momente am Start. Sorry, auch, wenn Songs wie z.B. For A Walk eine gewisse Experimentierfreude a la NIN zeigen und ein paar Melodien a la Basement &Compturnover am Start sind, reicht das leider nicht ganz aus. Trotzdem freundet man sich nach ein paar Durchläufen mit dem Album an. Ganz nettes Album, mehr aber auch nicht.


Fljora – „Selftitled“ (mum says be polite/DIY) [Name Your Price Download]
Kennt jemand von euch noch den Locked Groove-Blog, den es leider seit Jahren nicht mehr gibt? Nun, über diesen Blog stieß ich einst auf eine Band namens Manku Kapak, die ich auf Anhieb sehr ins Herz geschlossen habe. Es folgte intensiver e-Mail-Kontakt, Austausch der postalischen Adressen, es wurden Päckchen hin und her geschickt. Leider ergab sich niemals die Gelegenheit für mich, die Band live zu erleben oder sonstwie zu treffen. Dafür hat meine Tochter das selbstgebastelte Armband im Marienkäfer-Look sehr liebgewonnen, das in einem dieser netten Pakete war, das wir uns gegenseitig schickten. Leider färbt es ein wenig ab, da ich, schluffig wie ich bin, den Rat mit dem „Haarspray draufsprühen“ nicht befolgt habe. Unbelehrbares Punkrock-Kid. Und nun, ein paar Jährchen später, klingelt die alte Zeit wieder an der Tür, in Form eines Albums der Band Fljora, bei welcher eben Nico von Manku Kapak am Gesang ist, Hauke Henkel ist ebenfalls mit von der Partie. Keine Ahnung, ob die Jungs uns quälen wollen, oder ob mit den anderen aktiven Bands (they sleep, we live und 勢い) bereits die Zeit genügend ausgefüllt ist, dieses erste Release ist anscheinend auch schon wieder das letzte. Leider. Man wird jedenfalls melancholisch, wenn man diese intensiv vorgetragene Musik auf die Ohren bekommt. Emo, Post-Rock, Post-Hardcore, Indie, Electro, Experimental, einfach warme, emotionale Musik, darüber die unverkennbare Stimme von Nico. Und dann das Interlude die dann doch wieder scheitern,  darin finde ich mich zu hundertzehn Prozent wieder. Ich würde ja gern noch mehr über diese Songs berichten, die mir leider nur als Download vorliegen, aber eigentlich sollte das Ding unbedingt auf Vinyl erscheinen. Hört da unbedingt rein!


Forgive Me – „Demo“ (DIY) [Name Your Price Download]
Es gab wohl einmal selbst bemalte Demos dieser neuen Kellercombo aus Offenburg, aber die sind wohl laut e-Mail-Anfragetext längst vergriffen. Ob das nun 300 oder nur 10 waren, ist mir eigentlich schnurzwurst, denn bei diesen drei Songs hier ist eine gewisse Energie zu spüren. Das erinnert mich irgendwie an meine eigenen Bands von früher. Drauflos knüppeln, rumbrüllen, auf auf der Bühne herumliegende versiffte Perserteppiche spucken. Allerdings klingen Forgive Me erstens um Längen besser als meine lausigen Bands damals. Und das liegt nicht am technischen Fortschritt, denn die Aufnahme hört sich analog an, Vierspurgerät? Dann haben die noch  jemanden, der gut in Covergestaltung ist und obendrein scheinen die Texte mehr Tiefgang zu haben, als meine jämmerlichen Versuche, einen grammatikalisch richtigen Vers in einer mir fremden Sprache zu texten. Naja, der Schlagzeuger könnte noch ein wenig üben, aber sonst knallt das ganz gut.


Kambodsja – „Stranger“ (Mas-Kina Recordings) [Stream]
Beim Opener Guillotine kommt man sich wirklich wie jemand vor, der auf dem Marktplatz auf das scharfe Messer von oben wartet, das ihn endlich erlöst. Und nach ungefähr 3 Minuten der Qual singen dann die Engel bereits ein Liedchen, obwohl das scharfe Messer immer noch am Platz hängt. Ein Wunder, dass ich nach dieser langen Eröffnungssequenz so lange bei Kambodsja hängen geblieben bin. Dafür war hauptsächlich auch das tolle Video zum Song Name Among Dead verantwortlich. Bin froh, dass ich drangeblieben bin, denn das hier haut ordentlich auf den Matsch. Im Verlauf des Albums hat man fast den Eindruck, dass die Norweger eine gespaltene Persönlichkeit haben. Die neun Songs decken eine ganz schöne Bandbreite ab: Post-Hardcore, Noise, Metal, Klassik, Punk, Hardcore, Grunge, Shoegaze, Post-Rock und noch viel mehr. Sehr arschtretend! Alleine der Schlagzeuger bruzzelt Dir was auf die Ohren, wenn dann noch die dick abgemischten Gitarren oben drauf kommen, dann gibt es keinen Morgen mehr. Was mich dann an manchen Songs doch etwas stört, sind die langgezogenen Instrumental-Parts und die System Of A Down-mäßigen Passagen, die aber wieder mit reichlich Punk-Spirit wettgemacht werden. Eyes Ahead ist z.B. so ein richtig guter Hardcore-Song, da kriegt man richtig Lust, in die Menge zu diven.


Lessen – “A Nebulous Being“ (Send The Wood Music/Season of Mist) [Stream]
Diese Band hier kommt aus Montpellier/Frankreich und macht so ’ne kuriose Mischung aus Post-Hardcore, Metal (Death/Black), Screamo und Punk, vereinzelt lassen sich auch Post-Rock-Klänge entdecken. Insgesamt erinnert das dann etwas an so Zeugs, wie man es gern um die Jahrtausendwende herum gehört hat, wenn man auf diese Mischung „hart, aber melodisch“ stand. Soll heißen: fette Gitarren, böses Gebrülle, Mosh, ab und an auch Emo-Mosh und progressiv angekokelte Passagen, mit welchen man sich bei jedem weiteren Durchlauf mehr und mehr anfreundet. Die Gitarren und das Geblöke bei Many Faced God erinnern mich irgendwie an As Friends Rust (Ruffian), während andere Passagen an Zeugs wie Arkangel, Purusam, Underoath oder Shai Hulud, manchmal auch an By A Thread denken lassen. Die Gitarren und der pumpende Bass kommen echt mal geil, der Schlagzeuger hat auch ein paar coole Moves am Start. Was auch noch von Bedeutung ist: insegsamt neun Songs sind zu hören. Und da diese sich so um die 2-9 Minuten-Marke drehen, habt ihr hier richtig Value For Money, denn die neun Songs haben eine fast einstündige Spieldauer.


Ulf – „Vier gute Lieder“ (DIY) [Name Your Price Download]
Ich hatte mal ’nen Kumpel, der hieß wirklich Ulf. Ulf ist ja ein Name, der einem nicht sehr häufig unterkommt. Zudem litt mein Kumpel Ulf unter seinem Namen. Als in den Achtzigern dann die TV-Serie Alf Begeisterungsstürme bei Jung und Alt auslöste, wurde aus Ulf plötzlich unfreiwillig Alf.  Alle sagten nur noch, traurig aber wahr,  Alf zu ihm, selbst die verhassten Lehrer/innen. Und alle lachten. Damals kannte man das Wort Mobbing noch nicht, Internet-Trolle waren sowieso Science Fiction. Was ein Trauma! Und klar, das mit Alf war natürlich der Anfang vom Ende für Ulf. Ulf fing an…ups, ich breche an dieser Stelle lieber ab, da Ulf sicher noch von Selbstzweifel zerfressen von Zeit zu Zeit seinen Namen googelt (wenn er noch am Leben ist) und sich dann krämen würde, wenn er diese Zeilen hier zu Gesicht bekäme und genau wüsste, dass er letztendlich das jämmerliche Suchergebnis ist. Der Sündenbock Ulf war’s. Obwohl er in einem schönen Haus groß geworden ist…Ihr glaubt mir das jetzt wahrscheinlich alles nicht, aber das hier hab ich geschrieben, bevor ich das Facebook-Profil der Hamburger Punkband checkte und da wirklich Alf entdeckte.  Aber nun noch kurz zur Band Ulf aus Hamburg, die auf ihrer vorerst digital veröffentlichten EP absolut geilen Punkrock mit intelligenten deutschen Texten macht. Die vier Songs verbinden den deutschen Punkspirit á la Captain Planet und Düsenjäger mit dem frühen Emohardcore von Dag Nasty (Anfang von Handgranate), dazu kommt noch als Krönung etwas Mid-90’s -Emo á la Texas Is The Reason und Mineral. Ich mag das hier, Ulf hätte sicher auch Gefallen daran (das weiß ich, denn wir waren seelenverwand).


We Set Sail – „Feel Nothing“ (Kill The Music) [Stream]
Neulich staunte ich nicht schlecht, als eine Anfrage dieser australischen Band im Mailaccount landete. Wie zur Hölle kommt denn sowas zustande? Nun denn, wie dem auch sei, We Set Sail kommen aus Brisbane und tummeln sich auch schon wieder seit dem Jahr 2006 oder so in der Szene rum. Zudem scheint DIY bei den Jungs eine große Rolle zu spielen, sonst würde kaum so ’ne Anfrage mit persönlich geschriebenem Text hier eintrudeln. Bislang war mir die Band völlig unbekannt, aber Feel Nothing ist bereits das zweite Album der Jungs, die sich selbst als extrem faul bezeichnen. Kann man sehen, wie man will. Der Albumtitel Feel Nothing ist auf alle Fälle mal irreführend, denn die zehn Songs sind alles andere als gefühlskalt. Der dargebotene Sound, der zwischen verspieltem Post-Hardcore, Emo und Post-Rock pendelt, kommt sehr emotional und herzergreifend rüber. Wenn ihr auf Bands wie Thrice, Moving Mountains, Benton Falls, Brand New oder Moneen klar kommt, dann könntet ihr auch am Sound der Australier Gefallen finden. Das waren nun alles Bands, die die Jungs als Einflüsse aufgelistet haben, man könnte dazu natürlich noch weitere Bands wie z.B. Jimmy Eat World, Hot Water Music (wegen dem zweistimmigen Gesang) oder Sense Field hinzufügen. Übrigens hat Jay Maas (Defeater) an den Knöpfchen gedreht. Und achtet mal auf die Songtitel! Kleines Beispiel gefällig? Hört mal den Song mit dem vielversprechenden Titel Understanding This Is Not A Car Crash an, diese Gitarren sind doch traumhaft!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.