Dingleberry 12-inch-Special: Bateau Noir, Cortez, Ničiteľ, Sky:Lark

Bateau Noir – „Selftitled“ (Dingleberry Records u.a.)
Guckt euch mal das Albumcover in 12inch-Größe an: ich würde hier von fälschungssicher sprechen, selbst die Chinesen haben hier keine Chance auf ein billiges Plagiat. Die fünf Kanadier aus Montreal gehen mit ihrem vielschichtigen Sound ebenfalls so vor, dass es nur auserwählte Genies geben wird, die den Sound detailgetreu kopieren werden können. Zehn instrumentale Songs sind auf dieser 12inch enthalten und ihr erahnt es schon: ich nörgel mal wieder, weil mir hier irgendwie der Gesang fehlt. Mit einem fähigen Sänger oder einer Sängerin würde das Ding hier noch mehr zünden, allerdings würden dann auch geniale Gitarrenpassagen verschluckt werden. Leidenschaftlich wird der dichte Sound vorangetrieben, zwischen Post-Hardcore, Post-Rock und Emo kommen Melodien an die Oberfläche, die ihresgleichen suchen, andererseits machen sich auch ’ne Menge Dissonanzen bemerkbar, bis dann eine kalte Post-Wave-Passage für Abwechslung sorgt. An manchen Stellen denkt man, da würde ein Orchester für den flächigen Atmosphärensound verantwortlich sein. Auf Vinyl klingt das alles natürlich sehr warm, man wird an Bands wie Appleseed Cast, Maserati oder Explosions In The Sky erinnert, manche Gitarrenparts zeigen hingegen auch Parallelen zu Bands wie At The Drive In. Als Anspieltipp würde ich mal den Song Hexagramme empfehlen, der Opener Alpha Concorde zeigt aber auch sehr schön die vielseitigen Fähigkeiten des Quintetts. Achtet mal nur auf den Schlagzeuger, der hat’s echt drauf. Dabei werdet ihr es nicht vermeiden können, auch die restlichen Musiker gebührend zu bewundern. Der Song Versus z.B. würde sich auch gut für ’nen James Bond-Streifen machen. Das hier ist eine Platte, die man zum Kochen eines anspruchsvollen Gerichts auflegen sollte. Laut aufdrehen, Zutaten schnippeln, alles in Zwiebeln andünsten, Gewürze und Kräuter dranmachen, köcheln lassen, Platte wenden usw. Nach drei Durchläufen freundet man sich mit dem Zeug an, entdeckt bei jedem weiteren Durchlauf neue Details. Ein Grower. Neben Dingleberry Records ist noch das Label L’Oeil du tigre am Release beteiligt.
Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Cortez – „Initial – 10th Anniversary LP Edition“ (Dingleberry Records u.a.)
Cortez kommen aus der Schweiz und existieren auch schon eine Weile, anscheinend mit Unterbrechungen, als Gründungsjahr wird 2001 angegeben. Initial erschien ursprünglich im Jahr 2005 und nach meinen Recherchen im Netz erhielt die Scheibe damals reges Lob, ich nahm damals jedoch keine Notiz von der Band. Nun, zum zehnjährigen Jubiläum des Albums wurde das gute Stück neu aufgelegt, nun bekommen alte Fans und Unwissende wie ich eine zweite Chance, das Ding auf Vinyl zu genießen. Das Albumartwork sieht zwar düster, aber edel aus. Wie immer, wäre es natürlich ein Riesenvorteil gewesen, wenn ein Textblatt beiliegen würde. Denn durch das derbe Geschrei von Sänger JR ist es sehr schwer, die Inhalte der Songs zu enträtseln.  Jedenfalls ballern die zehn Songs heftig drauf los. Keine Ahnung, ob der Dampfwalzen-Sound auf dem ursprünglichen Album schon so fett war, auf der remasterten und remixten LP klingt das mit basslastig eingestellten Lautsprechern echt mal höllisch wuchtig. Auch die sparsam auftretenden leiseren Parts kommen schön atmosphärisch rüber. Dass ein Trio ein solches Inferno fabriziert, Wahnsinn. Erinnert etwas an eine Mischung aus Converge, Meshuggha und Botch. Fiese und extrem dreckige Sludge-Riffs treffen auf dissonanten Post-Hardcore und verstörenden Noise. Krasses Inferno, echt mal! Die beteiligten Labels: Dingleberry Records, Get A Life, WOOAAARGH, Tenacity Music und Grains Of Sand.
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Ničiteľ – „Matka“ (Dingleberry Records u.a.)
Das Linolschnitt-artige schwarz-weiß-Coverartwork auf braunen Karton gedruckt sieht schonmal vielversprechend aus, auch wenn man erst auf den zweiten Blick erkennen kann, dass hier ein Pferdegespann mit drei vermummten Männern abgebildet ist. Sind das wohl die drei Räuber? Keine Ahnung, jedenfalls bedeutet das slowakische Wort Ničiteľ soviel wie „Zerstörer“, Matka wird von der maschinellen Übersetzung als polnisch erkannt und wird mit Mutter übersetzt. Und die zwölf Songs hören sich an, als ob der Schlagzeuger ganz frisch vor den Aufnahmen zur Band gestoßen ist, vielleicht ist das aber auch so gewollt. Kann auch beides Spekulation meinerseits sein, aber durch seine monotone Spielweise angespornt, wird auch mal ein Hund zum Bellen animiert, einen Geige oder eine Motorsäge eingesetzt, die irgendeinen überflüssigen Baum zu Fall bringt. Diese Füllgeräusche kommen vielleicht deshalb zum Einsatz, weil hier nur mit Schlagzeug und Bass gearbeitet wird. So lass ich mir Drum’n’Bass eigentlich gefallen. Der Bass klingt total verstimmt, irgendwie dann doch wie etwas runtergestimmte Gitarren. Irgendwie kommt im Verlauf der Platte dann doch der Punkt, an dem man denkt: Scheiße, mich stresst das hier zwar etwas, aber eigentlich hört man sowas viel zu selten. Zudem wird bei jedem weiteren Durchlauf deutlich, dass unterschwellig doch mehr dahinter steckt. Der Sound ist sehr eigenständig und kompromisslos gestaltet, die Texte werden auf slowakisch gekrächzt. Im Textblatt liegen übrigens  englische Übersetzungen bei. Erinnert mich wegen der Geige ab und an an die Schweizer Crust-Band Cwill, aber Ničiteľ  sind noch düsterer. Hört da mal rein, wenn ihr auf schwarzen Crust, Blackened Hardcore und Sludge abfahrt und auch dem punkigen Grundgedanken nicht abgeneigt seid. Die Labels: Dingleberry Records, Haluzeum Produkt, Togue Sol Distribución, Extinction Records, Ingot – Andrejcod Records, WOOAAARGH, Skaven Records, Totalitarianism Still Continues und Different Records.
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Sky:Lark – „LP2“ (Dingleberry Records u.a.)
Hier haben wir es mit einem Trio aus England zu tun, was man aber zu keiner Zeit hört (das Trio, nicht England), da der Sound dicht und druckvoll aus den Lautsprechern wabert. Erst dachte ich aufgrund des Openers, der sich sogar mit jazzigen Passagen ins Gehör hämmert, dass hier rein instrumental abgenoist wird, aber weit gefehlt. Okay, aber von vorne: das Albumcover sieht so aus, als ob es in der Anwendung Paint von Microsoft entworfen worden wäre. Da gibt es auch dieses Airbrush-Tool, das jedes Kunstwerk aussehen lässt, als ob es von einem 12-jährigen ADHS-pubertierenden Drogenabhängigen bearbeitet wurde. Und ja, ich hab mit diesem Programm auch schon das ein oder andere Layout gemacht, haha. Jedenfalls ist das Textblatt auch geairbrushed, aber gut lesbar und auf dicken Karton gedruckt (mit vegetarischen, ölbasierten Farben). Aber nun zur Mucke: Da erwarten euch insgesamt neun Songs, sie sich zwischen Noise, Hardcore, Punk, Post-Punk und Jazz bewegen. Das hört sich jetzt geschrieben ziemlich chaotisch an, aber in Echt bekommt ihr hier schön mitreißenden Sound vor den Latz geknallt, der mit jedem weiteren Durchlauf in ungeahnte Höhen wächst. Mein absoluter Lieblingssong ist Lam Elisa. Boah, geht das gut ab, dieses Riff, dieser einfühlsame Gesang, der pumpende Bass und der Schlagzeuger, der sein Drumkit durch den Raum prügelt. Tolle Platte, solltet ihr euch unbedingt zulegen. Erscheint in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Boslevan Records, Deadwood und SuperFi Records.
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