lypurá – „á“ (Twisted Chords)

Die letzte Veröffentlichung von Twisted Chords, die ich so richtig abfeierte, war die Colored Moth 12inch, die ich witzigerweise nicht vom Label, sondern von der Band selbst zugeschickt bekommen habe. Lypurá aus Karlsruhe taten es ihren Labelkollegen gleich, zudem freute ich mich, als ich in der e-Mail-Anfrage nebenbei erfahren durfte, dass Schlagzeuger David treuer thisborderlinefuckup-Leser war und seit der Geburt von Crossed Letters nahezu täglich auf diesen Seiten hier vorbeischaut. Wow! Solches Feedback freut mich natürlich riesig. Und bevor ihr euch jetzt denkt, dass man mir hier nur genügend süßen Honig ums Maul schmieren muss, damit es eine gute Kritik gibt, dann muss ich euch enttäuschen. Ein Shirt (Größe L) oder ein bis zwei grüne Scheinchen solltet ihr eurem Tonträger schon beilegen, wenn ihr sicher sein wollt, dass keine Gemeinheiten oder sonstige Enthüllungen im Text zu lesen sein werden. Wenn die Musik aber so gut ist, wie im Fall lypurá, dann genügt auch ’ne schön besiebdruckte Stofftasche. Ha, endlich kann ich wieder stilsicher auf den Wochenmarkt zum Einkaufen gehen! Mit farbigem, kanarienvogelgelbem Vinyl macht ihr sicher auch nichts falsch. Und wenn dann noch ein Downloadcode und eine persönlich beschriebene Postkarte beigelegt ist, dann wird vielleicht sogar aus Höflichkeit eines der grünen Scheinchen zurückgeschickt.

Aber Spaß beiseite. Diese 12inch, die es neben dem oben erwähnten kanarienvogelgelben Vinyl auch in schwarz gibt, trifft mich auch ohne Gimmicks direkt ins Herz. Schon das Coverartwork spricht mich an. Früher, als es das Internet noch nicht gab und man keine Möglichkeit hatte, mal kurz reinzuhorchen, hätte ich mir das Ding alleine aufgrund der Optik gekauft. Die warmen Brauntöne, die Achterbahn, der schwarze runde Aufkleber…einfach genial. Die lesenswerten und teils sehr persönlichen Texte sind auf dicken Karton gedruckt, welcher sogar noch ein bisschen manuell angesprüht wurde und ohne zu knicken sehr schön und praktisch in der Hand liegt. Das liebe ich. In einer Hand lässig das Textblatt halten, ohne dass es knickt. Die andere Hand kann multitaskingmässig agieren und eine Bierflasche oder ein Marmeladebrot zum Mund führen.

Lypurá haben sich erst im Winter 2014 gegründet, so dass ein paar Monate später im Sommer ein erstes selbstreleastes Demo erschien. Von dieser Demo nahm ich leider ebensowenig Notiz wie von den früheren Bands der Jungs namens It All Takes Place und Huxleyam, lediglich Juvenalis war mir bisher unter die Ohren gekommen. Warum ich euch mit den Vorgänger-Bands behellige? Nun, die neun Songs hier drauf kitzeln enorm in der Nase und machen neugierig. Sie werfen Fragen auf: Kommt diese Band aus dem Nichts? Karlsruhe ist nicht weit, war die Band eventuell schonmal hier in der Gegend? Hab ich sie etwa verpasst? Scheiße, wenn ja, warum? Bin ich aus der Szene raus, weil ich nur noch mit dem Schreiben von Plattenkritiken beschäftigt bin und deshalb verdammt selten auf Konzerte gehe? Welche Szene? War ich überhaupt jemals Bestandteil dieser Szene? Wie kann ich denken, wenn all meine Gedanken verschwunden sind? Fragen über Fragen.

Bei all den Fragen weiß ich jedoch eines ziemlich sicher: Lypurá sind mir auf Anhieb sympathisch. Bereits nach dem ersten Durchlauf auf dem Plattenteller sind sie mir sehr ans Herz gewachsen, nach fünf Runden bin ich reglrecht süchtig. Die neun Songs sind zwischen Screamo, Post-Hardcore, Emo und chaotisch angehauchtem Skramz angesiedelt. Und sie ballern ohne Ende und sind obendrein äußerst melancholisch. Sehr cool! So macht emotive Hardcore richtig Laune. Da kommen Bands wie La Petite Mort, At The Drive-In, Algernon Cadwallader oder Thursday in den Sinn. Hört euch den Refrain bei Growing an, und ihr wisst, was ich meine. Vom Feeling her kommt das hier an die Zeit ran, als ich Bands wie Blue Water Boy, Tidal oder Secretos Del Corazon kennen und lieben lernte. Ach, was schwafel ich hier eigentlich groß rum? Ihr bestellt euch die Platte eh sofort, nachdem ihr auch nur die ersten Töne gehört habt.

9,5/10

Facebook / Bandcamp / Twisted Chords


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