Lingua Nada & Paan – „Split 12inch“ (lala Schallplatten/Kapitän)

Wie geil es sich doch immer wieder anfühlt, frisch produziertes Vinyl im Hausflur vorzufinden! Und dabei hätte ich nicht dran geglaubt, dass es mit einem physischen Vinylexemplar überhaupt noch klappen würde, da ich ziemlich spät auf die Promo-Anfrage von Fleet Union antwortete. Offenbar hatte ich den richtigen Riecher, denn die Scheibe fand wohl wenige Tage nach meiner Willensbekundung den Weg zu mir, und zwar in der grau-blau marmorierten  Vinyl-Version. Direkt und fast noch warm aus dem Presswerk mit kurzem Zwischenstopp bei Fleet Union, bei wechem Benjamin noch kurz einen Viel-Spaß-Post-It auf die Stirn der büstenartigen Person auf dem Albumcover geklebt hat (der pappt jetzt am Textblatt, so schöne persönliche Schnipsel bewahre ich natürlich auf). Ach ja, bevor ihr verwirrt seid und euch fragt, welche büstenartige Person denn wohl gemeint ist, könnte das daran liegen, dass ihr ein anderes Coverartwork vor dem Auge habt, denn die zwei am Release beteiligten Labels lala Schallplatten und Kapitän Platte bieten jeweils ein alternatives Cover für die Split an. Wenn ich mich nicht täusche, dann zeigt die beiliegende Postkarte das Cover der anderen 12inch an. Ha, lustig wäre natürlich auch gewesen, wenn beide Bands jeweils ein ganzes Album aufgenommen hätten und es auch musikalisch auf zwei alternative Split-Versionen aufgeteilt hätten. Vielleicht beim nächsten Mal? Verrückt genug scheinen mir beide Bands zumindest zu sein. Sowohl Paan als auch Lingua Nada kommen aus Leipzig, allerdings klingt die Musik der beiden Kapellen alles andere als ähnlich, gemeinsam ist nur der Punk-Background und die Vorliebe beider Bands für abgedrehte Musikvideos, so dass man hier ohne rot zu werden von Leipziger Allerlei sprechen kann.

Eröffnen dürfen Lingua Nada, die ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Beim ersten Durchlauf der fünf Songs musste ich erstmal prüfen, ob vielleicht mal wieder irgendein Kind an den Equalizer-Knöpfchen der Anlage rumgedreht hat. Fehlanzeige, der Sound gehört wohl so. Teilweise total übersteuert, beängstigend psychedelisch, als ob man am Rechner sitzt, einen Song startet und im Hintergrund irgendwo ein Fenster aufgeht, in welchem ebenfalls unbemerkt Musik gestreamt wird. Und im nächsten Moment packen Dich enorm geile Shoegaze-Parts wie z.B. im Song Franca am Schlawittchen. Die Leipziger passen eigentlich in keine Schublade, obwohl sie sich natürlich gnadenlos aus allen Genres bedienen: Post-Rock, Shoegaze, Math-Rock, irrwitzigem Elektro á la Lafftrak, Indie, Garage-Rock, Noise, Techno, Prog-Rock und Emo. Und was sich anfangs beim ersten Durchlauf etwas gewöhnungsbedürftig anhört, entwickelt bereits nach dem dritten Durchlauf gewisse Ohrwurmqualitäten. Dass die Jungs ordentlich einen an der Waffel haben dürften, zeigt auch das Textblatt, auf dem die Texte in codierter Form abgedruckt sind. Das ist doch so ’ne Windings-Schrift? Da stehen sicher verschlüsselte Botschaften drin, die geheim bleiben sollen. Wahnsinn!

Eher geläufig sind mir dann Paan, die mich mit ihrem vorwiegend deutschsprachigen Screamo bereits in der Vergangenheit gehörig um den Finger gewickelt haben. Die drei Songs dauern auch insgesamt so ca. 15 Minuten, so dass die Gesamtspielzeit der 12inch so etwas über 31 Minuten kommt. Die Texte von Paan sind übrigens nicht codiert. Wie dem auch sei, von der ersten Sekunde an merkt man, dass hier massig Herzblut drin steckt. Gerade der Gesang! Der kommt total authentisch und emotional rüber. Bei den Schreiparts ohne Rücksicht auf die Stimmbänder, bei den Spoken Words hoch emotional. Erinnert zumindest bei den leisen Passagen an Bands wie Manku Kapak oder Sog. Und dann wickeln natürlich die Gitarren ordentlich Wolle um den Finger. Auf der einen Seite schön verspielt, auf der anderen Seite kommen sogar runtergestimmte Gitarren mit Stoner-Einflüssen zum Zug. Und bevor es droht, zu langsam zu werden, galoppieren diese Gitarren hochmelodisch und begleitet von dynamischen Getrommel der Sonne entgegen. Dazwischen auch mal Spoken Words, mehrstimmiges Screamo-Zeugs und Bassläufe, die Dir zusammen mit den aufbauenden Gitarren und den steigernd gespielten Drums schwitzende Hände machen können. Sehr starkes Release!

8/10

Lingua Nada Bandcamp / Paan Bandcamp / lala Schallplatten / Kapitän Platte


 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.