12inch-Dreier: Oaks, Prisoner, Yurodivy

Oaks – „The Sun Is Too Brilliant“ (Dingleberry u.a.)
Diese einseitig bespielte 12inch entfaltet ihre ganze Schönheit erst auf Vinyl. Ich hab im Vorfeld in die digitale Bandcamp-Version reingehorcht, da fand ich den Sound der Italiener eher ein wenig anstrengend. Sobald man das Scheibchen aber auf dem Plattenteller hat und nach dem Durchlauf der A-Seite keinen Stress mit dem Wenden empfindet, erkennt man, warum diese sechs Songs so besonders sind, auch wenn die Musik anfangs ziemlich am Nervenköstüm nagt. Emogeklimper trifft auf Noise, Freejazz küsst Mathrock, Intensität liebäugelt mit Kunst, vertracktes und rasendes Schlagzeug passt hervorragend zu psychotischen Störgeräuschen. Willkommen in so einer Art Kinsella-Universum! Oaks kommen übrigens aus Apulien. Und diese 12inch ist in Zusammenarbeit der Labels Longrail Records, New Sonic Records, Upwind, Lafine , Sciroppo Dischi, Fisherground, Astio Collettivo, Dingleberry Records , Oh!Dear Records, Dischi Decenti und Lepers Produtcions erschienen.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


Prisoner – „Beyond The Infinite“ (Dingleberry Records u.a.)
Das düstere Coverartwork prophezeit bereits, dass es auf diesem Release ziemlich crustig zugehen wird. Und ja, kaum ist die Nadel auf der Rille, dann kommen auch schon Störgeräusche und Rückkopplungen aus den Lautsprecherboxen, die zudem noch zu Beginn von heiserem Gebrüll á la Napalm Death zur Scum-Phase begleitet werden. Obwohl diese erste halbe Minute im Midtempo ohne Drums nur dazu dient, das folgende Crust-Metalcore-Gewitter gebührend anzukündigen. Denn bereits danach knüppelt es gewaltig schnell, aber es kommen auch immer wieder schleppende, im Midtempo angesiedelte Parts mit rein, die dampfwalzend und fast schon sludgeartig keine Gefangenen machen. Brutales Brett! Und nach diesen schleppenden Parts flutscht es bei den fünf Typen aus Richmond/Virginia wieder so, als ob sie sich gerade verdorbenes vegetarisches Chili einverleibt hätten und 30 Sekunden später unter höllisch derben Bauchkrämpfen leidend ihren rekordverdächtigen Sprint auf’s nächstbeste Klo antreten würden. Kennt ihr die Simpsons-Folge, in welcher Homer diesen absurden Chili-Trip durchlebt? Nun, stellt euch das mal etwas düsterer vor, so im Stil des Artworks! Insgesamt sind hier neun Songs drauf, wobei die meisten Stücke  eine für diese Musikspielart eher untypische Songlänge besitzen. Am Release sind die Labels Forcefield Records und Suspended Soul Tapes And Records beteiligt.
Bandcamp / Facebook / Forcefield Records


Yurodivy – „Aphos“ (Dingleberry u.a.)
Das Artwork dieser 12inch zeigt wieder mal sehr deutlich, warum man Musik eigentlich nur auf Vinyl genießen sollte. Das Cover sieht in der digitalen Version zwar auch gut aus, aber auf dem edel wirkenden dicken glatten Gatefold-Karton entfaltet die Zeichnung ihre volle Schönheit. Die 12inch-Hülle ist nicht nur vorne hübsch bedruckt, auch die Rückseite ist mit einer im gleichen Stil angefertigten Zeichnung verziert, dazu sind in der Innenseite die Texte zu lesen, die in elf Kapitel unterteilt sind. Für jeden Song ein Kapitel, das kürzeste dauert 1:30 Minuten, das längste fast 9 Minuten. Da kann man schon von einer Konzeptplatte sprechen, die Texte mitsamt Artwork dringen jedenfalls in die dunklen Regionen des Ozeans vor, in welchem nur noch ganz fürchterliche Monster Überlebenschancen haben. Die erzählte Geschichte lässt dabei reichlich Raum für Interpretationen, zudem birgt die musikalische Begleitung dazu die nötige Abwechslung. Yurodivy kommen übrigens aus Frankreich und haben wohl auch schon vor diesem Debutalbum zwei EP’s veröffentlicht, in die ich aber noch nicht reinhorchen konnte. Nun, falls ihr jetzt denkt, dass Yurodivy sicher französischsprachigen Screamo machen, muss ich euch leider enttäuschen. Straßburg ist aber auch nicht wirklich eine Screamo-Hochburg, trotzdem ist diese Screamo-Note im Sound der Jungs deutlich vorhanden, wenn auch nur auf den zweiten Blick. Die elf Stücke strotzen vor dissonant gezockten Gitarren, vertracktem Schlagzeug, selbstzerstörerischem Gekeife und knödeligem, wummernden Bassgefurze. Boah, was ein Gehacke! Aber bevor das Ganze in einer Lärmorgie mündet, kommen auch immer wieder leise Momente oder Passagen mit Spoken Words mit rein, die fast hypnotisch wirken und mantra-artig und kontrastreich dafür sorgen, dass der Sound aus dem üblichen Screamo-Einheitsbrei heraussticht. Stellt euch eine Mischung aus Planes Mistaken For Stars, frühen Stretch Arm Strong (Gesang), Stressball, Painted Wolves und eben minimalem Franzosen-Screamo vor, dann habt ihr ungefähr ein Bild. Aber lasst euch sagen: Das Ding auf dem Plattenteller und die Hülle in der Hand sorgt dafür, dass ihr spätestens nach dem zweiten Durchlauf nach Live-Action lechzen werdet. Vermutlich haben sich Yurodivy nach der russischen Variante des Narren in Christo (Jurodiwy) benannt. Surft doch mal bei Wikipedia und informiert euch, während ihr den Klängen von Aphos lauscht.Ach so, die Labels: WOOAAARGH, Maniyax, Skatepizza, RAD, Itawak Records, Dead Stallion & The Battalion Million, Dead Punx Records und Dingleberry Records.
Bandcamp / Facebook / Dingleberry Records


 

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