Bandsalat: Backflip, Black God, Captain Caveman, Captain We’re Sinking, Goddamnit, Good Times, Portrëit, Puerto Hurraco Sisters

Backflip – „The Brainstorm Vol. II“ (Hellxis Records) [Stream]
Es ist noch gar nicht lange her, dass ihr bei uns eine wohlwollende Kritik zum Vorgänger Brainstorm Vol. I lesen konntet. Nun, der direkte Nachfolger ist nicht weit entfernt von der Durchschlagskraft des Vorgängers. Scharfe Gitarrenriffs, die moshend und melodisch alles zerstören, ein Bass der zusammen mit dem Schlagzeug fett nach vorne geht, dazu noch die kraftvollen Vocals von Sängerin Inês, die dem ganzen noch die Krone aufsetzen. Schön oldschoolig alles. Wenn ihr auf Zeugs wie Good Riddance, H2O, Ignite oder frühe Comeback Kid könnt, dann…ja dann! Und selbst wenn nicht! Dann erst recht!


Black God – „Four“ (No Idea Records) [Stream]
Eigentlich braucht man zu dieser Band nicht mehr viel schreiben. Rob Penningtons Stimme erkennt man einfach sofort wieder, so dass man gleich dieses Grinsen ins Gesicht bekommt, sobald der Gesang einsetzt. Schön knödelig und groovy schleudern die alten Recken insgesamt sechs Songs um sich, die irgendwo zwischen Post-Hardcore, Hardcore, Punk und Post-Punk eingeordnet werden können. Insgesamt fällt auf, dass auf Four die Hardcore-Anteile etwas zurückgeschraubt wurden, dafür kommt dieser groovy High Energy-Post-Punk mehr zur Geltung. Für Leute, die die letzte Deadverse abgefeiert haben, dürfte Four genauso interessant sein wie für langjährige Fans der bisherigen Bands der vier Bandmitglieder.


Captain Caveman – „Failed Species“ (Wooaaargh) [Name Your Price Download]
Powerviolence aus Trier? Alleine das Cover erinnert mich an die Zeit, als man frühe Platten von Napalm Death und den Electro Hippies für seine pickligen Freunde auf C-60-Tapes aufnahm und aufgrund der ca. 156 Songtitel fast Blasen an den Fingern vom schreiben bekam oder es gleich aufgab und einfach gar keine Titel aufschrieb. Hinterher kamen dann Beschwerden, dass man die Tapes nicht ordentlich beschriften würde und man sich bei solch einem Sound das Kreuzchen bei Noise Reduction ja wohl verkneifen könne. Ja, dieser abgefuckte Highspeed-Sound erinnert mich in seiner Rohheit und Brutalität an meine verkorkste Jugend. Sprüche wie „Jugendliche brauchen Rente, keine Arbeitsplätze“ waren damals in aller Munde. Und ich glaube auch, dass der weihwasserspuckende und keifende Sänger absolut überzeugt von dem ist, was er ins Mikro brüllt.


Captain, We’re Sinking – „The King Of No Man“ (Run For Cover) [Stream]
Vier Jahre nach dem letzten Album The Future Is Cancelled hat sich bei dem Quartett aus Pennsylvania einiges getan. Insgesamt sind die Jungs softer und emotionaler geworden, die 90er-Emo-Anteile und eingängiger Gitarren-Indierock überwiegen auf den elf Songs deutlich, auch wenn hin und wieder die Punkkeule rausgeholt wird, wie bei Don’t Show Bill z.B.. Obwohl es bereits beim ersten Durchlauf ein paar Passagen gibt, die aufhorchen lassen, braucht das Album ein paar weitere Runden, bis es richtig zündet. Dabei bemerkt man, dass trotz der poppigen Eingängigkeit immer wieder sperrige Parts auftauchen. Wenn ihr euch eine Mischung aus dem poppigen Zeug von Bands wie Pale (kennt die noch jemand?), Tiny Moving Parts, Modern Baseball, Brand New mit dem verschwurbelten Sound von Bands wie mewithoutyou oder Mid Carson July vorstellen könnt, dann solltet ihr das Ding mal anhören. Also, mir gefällt das!


Goddamnit – „I’ll Never Be Okay, I’ll Never Be the Same“ (Jump Start Records) [Stream]
Herrlich altmodischen 90’s Emo bekommt ihr auf dem zweiten Album dieser mir bis dato völlig unbekannten Band aus Philadelphia auf die Ohren. Die Jungs spielen sich mit diesen elf Songs direkt ins Herz, da leuchten die Äuglein bereits nach dem ersten Durchlauf. Schön treibender, aber dennoch emotionaler Punkrock, nicht unähnlich den ersten Sachen von Hot Water Music, der Sänger hat allerdings eine wärmere Stimme. Da hat man direkt Bands wie Lifetime, Samiam, Black Train Jack, Jawbox oder Hell & Back in den Ohren. Sehr schöne Gitarren treffen auf treibende Drums und hymnischen Gesang. Absoluter Geheimtipp!


Good Times – „Late Bloom“ (DIY) [Name Your Price Download]
Manchmal findet man gerade beim Bandcamp-Surfen Zeugs, das sofort zündet. Diese vier Songs des Trios aus San Francisco verursachen direkt schwitzende Handflächen und lassen mich wild vor der Anlage zappeln. Zuckersüß melancholische twinkle Gitarren, die die herrlichsten Melodiebögen aus dem Ärmel schütteln lassen die Sonne aufgehen, während ein heiserer und leidender Sänger alles gibt, was tief in der Seele sitzt. Sehr intensiver emotive Screamo! Geil auch das Smiths-Cover mit den fast Shoegaze-mäßigen Gitarren als Rausschmeißer. Bitte mehr davon, diese vier Songs machen tierisch Spaß!


Portrëit – „Demotape“ (Dingleberry Records) [Name Your Price Download]
Bei dieser neuen Band aus Giessen leben Leute von Faltre und Knife Trade ihre Vorliebe für chaotischen Screamo á la Ampere, Tristan Tzara, Orchid, La Quiete, Cease Upon The Capitol oder Funeral Diner aus. Nach einem sachten Intro wird man direkt und völlig unerwartet von einer Druckwelle erfasst, die einen in einen Strudel des Wahnsinns hineinzieht. Herzzerreißendes Gekeife trifft auf messerscharfe Gitarren, die melancholische Melodien runterschmettern. Ich liebe diese Gitarren! Dazu kommt ein Schlagzeuger, der vertrackte Rhythmen und Highspeed-Knüppelattacken gleichermaßen beherrscht. Von den Texten versteht man leider so gut wie gar nichts, die zwei Songs tragen auch keine richtigen Titel, zudem hat es den Anschein, dass die beiden über siebenminütigen Songs aus mehreren verschiedenen Teilen bestehen und in einem Rutsch im Proberaum live eingeprügelt wurden. Und genau deshalb hat die Aufnahme so etwas unheimlich intensives und lebendiges an sich. Für ein erstes Lebenszeichen legen die Jungs und das Mädel am Bass jedenfalls die Latte verdammt hoch. Gerade der zweite Song B hat alles, was guter intensiver emotive Screamo braucht. Eine Wucht!


Puerto Hurraco Sisters – „Goin‘ Out“ (Rookie Records) [Stream]
Wow, was ist das denn? Frank Rahm, bekannt von den Spermbirds, Walter Elf und Kick Joneses musiziert bei den Puerto Hurraco Sisters zusammen mit einem jungen Posaunisten und der Hälfte der Wiesbadener SkaPunkSoul-Helden von Frau Doktor. Und bevor ihr jetzt schreiend davon rennt, weil man euch mit Ska verjagen kann, solltet ihr da unbedingt reinhorchen. Denn das, was die Puerto Hurraco Schwestern da vom Stapel lassen, klingt absolut frisch und macht Laune. Zwischen Soul-Jazz, Hardbob, jamaikanischer Tanzmusik, Surfmucke, Reggae und etwas Uptempo-Ska hört man hier aus jedem Ton den Spaß und die Freude der Musiker raus. Die acht Songs der Debutscheibe sind kurzweilig, eingängig und abwechslungsreich ohne Ende. Neben vier Eigenkompositionen sind vier Coverversionen (u.a. Stevie Wonder) zu hören. Sind live sicher ein Knaller!


 

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