Être? & Janpalach – „Split 10inch“ (Dingleberry Records u.a.)

Wenn ihr dieses wahnsinnig schöne Kunstwerk von 10inch das erste mal in den Händen haltet, kann auch schonmal Schnappatmung einsetzen. Das kontrastreiche Artwork kommt auf dem cappuccinobraunen Karton echt mal stylisch rüber, auch das weiße Textblatt ist schön gestaltet, dazu im Kontrast dazu die schwarze Platteninnenhülle…sagenhaft! Mein Besprechungsexemplar kam mit schwarzer Vinylfarbe daher, es gibt aber wohl auch noch andere Versionen. Übrigens sind an diesem Release mal wieder einige renommierte DIY-Labels beteiligt (Dingleberry, MissTheStars, Koepfen, Zilpzalp, Floodfloor, Pundonor, Not So Happy, Totenschwan, Bus Stop Press, Different Records)

Nun, ich beginne mal mit den Jungs von Être?, die ja auch schon auf diesen Seiten an anderer Stelle mit ihrer EP Konstruktion​.​Destruktion gelobt wurden. Die Band aus Fulda ist mir spätestens seit ihrem in der Provinzpostille (# 3) geschilderten DIY-Tourbericht durch den Osten Europas sehr sympathisch. Nun, im Vergleich zur EP scheint es mir, dass diese zwei Songs stärker in Richtung Screamo, Post-Hardcore und Punk tendieren, vielleicht liegt dieser Eindruck aber auch einfach am viel besseren Mastering, das in den Lala Studios erledigt wurde. Der Opener Blau Auf Blau beginnt mit Snowing-mäßigen Gitarrengeflirre, dazu passen die gerappten Vocals hervorragend. In Sachen Eigenständigkeit also schonmal volle Punktzahl. Schön auch die mehrstimmingen Backgroundvocals. Und dann kommt dieser Screamo-Part, zu dem man unweigerlich rhythmisch mit dem Kopf nicken muss. Im letzten Drittel schleichen sich auch noch diese herrlichen Tremolo-Delay-Gitarren mit ein, was dem Song nochmal eine Steigerung draufsetzt. Der Song Phänomen beginnt dagegen mit einer direkt ins Ohr gehende Hookline, die an Bands wie I Love Your Lifestyle oder Algernon Cadwallader erinnert. Bei der anschließenden gerappten Passage staunt man nicht schlecht über die Sprachgeschwindigkeit des Sängers, der übrigens eine ähnliche Stimmlage wie der Sänger der Empty Guns hat. Falls es dann doch zu schnell geht, dann kann man die durchdachten Texte des Quintetts auch in Ruhe auf dem Textblatt nachlesen, hier gibt es sogar eine englische Übersetzung.

Die aus Odessa/Ukraine stammenden Janpalach haben wir euch neulich in Form einer Besprechung des Sensation-Tapes auch schon vorgestellt. Hier ist schade, dass die russischen Texte nicht in englischer Übersetzung vorliegen, mit der Aneinanderreihung kyrillischer Buchstaben habe ich wenig Erfahrung. Deshalb versuchte ich, den Texten per Übersetzungsprogramm näher zu kommen. Beim ersten Song handelt es sich wohl um ein vertontes Gedicht des russischen Schriftstellers Robert Rozhdestvensky. Zwischen dissonantem Screamo und Punk erwartet euch eine emotional-intensive Reise durch dunkles Terrain. Man findet kaum eingängige Parts, lediglich im zweiten Song HOMEP 5 kann man zeitweise von unterschwelligen Melodien sprechen. Dieser ist für mich dann auch das persönliche Highlight der Janpalach-Seite. Für Fans von Yotsuya Kaidan, Raein oder Daitro sicher ein gefundenes Fressen, aber auf dem heimischen Plattenteller wird häufiger die Être?-Seite nach oben zeigen.

8.5/10

Stream / Dingleberry Records


 

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