Split-Storm: TDOAFS & Duct Hearts – „Split 6inch“, TDOAFS & Albatros – „Split 10inch“

TDOAFS & Duct Hearts – „Split 6inch“ (time as a color u.a.)
Dieses kleine 6inch-Juwel besticht schon einmal rein äußerlich: die bordeauxrote, aufklappbare Plattenhülle ist mit einer wunderschönen Bleistift/Kohle-Zeichnung besiebdruckt, auf dem Backcover sind die Texte der beiden Songs und die am Release beteiligten Labels nachzulesen (time as a color, zilpzalp records, Dasein Records, Civic Duty, Don’t Live Like Me, Dingleberry, A Fond D’Cale, Hardcore For The Losers, Adorno Records). Das Scheibchen selbst befindet sich in einem briefähnlichen schwarzen Umschlag und ist mit ebenfalls bordeauxroten Labels beklebt. TDOAFS aus Kanada dürfen als erste ran und steuern einen knapp über zwei Minuten dauernden Song bei, der irgendwo zwischen eindringlichem Post-Hardcore und emotionalem Screamo angesiedelt ist. Die Gitarren zwirbeln verdammt melancholisch, darüber thront intensiver Heulgesang, zudem gefallen mir bei diesem Song die etwas dumpf klingenden und präzise gespielten Drums, die auch mal arhythmisch vor sich hin eiern. TDOAFS ist übrigens die Abkürzung von The Discord Of A Forgotten Sketch, das hab ich mal bei meiner Recherche zur Besprechung der bereits im Jahr 2015 erschienenen 7inch herausgefunden. Duct Hearts zeigen dann auf der B-Seite, dass sie auch hin und wieder „kurz“ können. Der Song Enduring War erreicht nicht mal die drei-Minuten-Marke und kommt nach einem kurzen, flächigen Intro direkt zur Sache und ist so schnell vorbei, wie er begonnen hat. Zwischen gespenstischen delayartig in die Höhe wachsenden Post-Rock-Gitarren und bedächtigem Ambient-Geklimper ragt hier wieder einmal Daniels unverkennbare Stimme hervor. Irgendwie ist mir der Song dann aber doch zu kurz, also hilft nur, erneut die Nadel an den Anfang zu setzen. Ich kann mir nicht helfen, aber die abschließenden Gitarrenklänge wirken so, als ob man den Song einfach mal abgewürgt hat, weil die Spielzeit nicht mehr gereicht hat. Trotzdem mal wieder ein sehr schöner Duct Hearts-Song, der übrigens über Koenich Sound (Südkorea) gemischt und gemastert wurde.
Bandcamp / time as a color


TDOAFS & Albatros – „Split 10inch“ (Dingleberry Records u.a.)
Manchmal ist es wie ein verflixter Zufall! Man hat vor längerer Zeit eine Band kennen und lieben gelernt, hat sie aber aufgrund massigem Alltagsstress und gnadenloser Übersättigung durch etlich zugesandte Bemusterungsexemplare fast schon wieder vergessen und plötzlich bekommt man innerhalb von einer Woche von zwei verschiedenen Labels gleich zwei neue Releases dieser Band zugeschickt. Obendrein erhält man auf einem Split-Release auch noch eine weitere Band mit dazu, die ebenfalls schon einmal eine Rolle spielte. Völlig verrückt! Solche LOST!-Zufälle lassen mich glücklich wie ein Honigkuchenpferd grinsen. Nun, die Sprache ist zuerst mal von TDOAFS aus Kanada, die mir mit ihrem schnörkellosen Screamo/Post-Hardcore schon auf der damals besprochenen 7inch ziemlich zugesagt haben. Und als Entschädigung des kurzen und absolut geilen Songs auf der Split 6inch mit Duct Hearts wird man hier mit vier Songs verwöhnt, die wiederum Apettit auf noch mehr machen. Ein Teufelskreis! Verschwurbelt-verspielte, quirrlige Gitarren, krachig, roh und meistens etwas dissonant, bahnen sich hier ihren Weg durch die Abgründe der menschlichen Seele. Hier hört man viel Washington DC raus, hypnotische Passagen finden sich bei diesen vier Songs genauso wie ruhigere, bedächtigere Momente. Und mit jedem weiteren Durchlauf entdeckt man neue Melodiebögen. Einfach klasse! Aber es gibt auch noch eine B-Seite, die mit vier Songs der ebenfalls aus Kanada stammenden Band Albatros gefüllt ist. Und das ist die nächste Kuriosität. Die Sous​-​Entendu-EP erschien im Jahr 2014 und wurde von mir kräftig abgefeiert, damals noch auf Borderline Fuckup. Und jetzt treffen sich unsere Wege wieder mit dieser tollen Split 10inch und vier neuen Songs. Was mich im Vergleich zu den damaligen Aufnahmen etwas stört: der Gesang kommt teilweise nicht mehr so roh und authentisch rüber, als auf der gerade erwähnten EP, dennoch bleibt das Geschrei im grünen Bereich. Die Eigenständigkeit des Sängers hat sich wahrscheinlich durch äußere Einflüsse etwas verändert, schließlich wollen doch alle Hardcoresänger irgendwann grölen können wie eine Mischung aus Tom Araya und Jeremy Bolm. Was geblieben ist, sind die für Screamo- und Post-Hardcore unüblichen Bläser, die den Sound von Albatros wesentlich prägen. Sehr geile Band! Und überhaupt: sehr geiles Release: das handliche 10inch-Scheibchen fasziniert mit einem schön besiebdruckten Front- und Back-Cover, einziger Kritikpunkt ist das fehlende Textblatt. Zum Trost liegt ein kleines Kärtchen bei, auf dem man die am Release beteiligten Labels nachlesen kann: Dingleberry, Much Love To, L’oeil Du Tigre, Don’t Live Like Me, Black Lake und Le Mrt.
Bandcamp / Dingleberry Records


 

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