Potence – „L’Amour Au Temps De La Peste“ (Dingleberry Records u.a.)

Die Pest – auch bekannt unter dem Begriff der schwarze Tod – galt lange Zeit als ausgerottet, in den letzten Jahren gab es aber immer wieder vereinzelt Epidemien, denen viele Menschen zum Opfer fielen. Zwar nicht so zahlreich wie von der Bronzezeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, da mit den Fortschritten in der Medizin durch Antibiotika bekämpfbar, trotzdem fallen immer wieder Menschen in verarmten Gegenden der Krankheit zum Opfer, aktuell in Madagaskar. Warum die Band Potence aus Besançon, Frankreich ihr Debutalbum mit dem genialen Albumtitel L’Amour Au Temps De La Peste betitelt hat? Also, nach dem Studieren der Texte, die ja in französischer Sprache vorgetragen werden und im Textblatt auch in der englischen Übersetzung vorliegen, komme ich zu folgender gewagten Interpretation. Die Pest wird durch Flöhe übertragen, Ratten und andere Nagetiere gelten als Wirte. Frankreich, das ja meist den Zusatz „das Land der Liebe“ erhält, erfährt derzeit – genauso wie der Rest von Europa, ja sogar der Welt – wie sich der Hass der Gesellschaft unaufhörlich, sozusagen wie die Pest im Mittelalter verbreitet. Durch Menschen, die Hass predigen, die anderen sozusagen verpestete Flöhe ins Ohr setzen. Die mit erhobenem Zeigefinger andere Menschen manipulieren wollen. Um sich gegen diesen Hass zu immunisieren, hilft eigentlich nur noch, die Menschen in seinem näheren Umfeld zu lieben und die angestaute und verzweifelte Wut über den Zustand der Welt mit Alben wie diesem zu kompensieren.

Nun, kommen wir aber mal zum Album des Quintetts, das sich übrigens aus Leuten der Bands Géraniüm, Human Compost, Black Code und Daïtro zusammensetzt. Das erklärt vielleicht, warum die Band bereits auf ihrem ersten Longplayer so perfekt eingespielt ist. Die weiße, aufklappbare Plattenhülle ist mit einem schönen, zweifarbigen Siebdruck versehen, im Innenteil sind die Texte mit englischer Übersetzung nachzulesen, zudem erfährt man, dass neben Dingleberry Records die Labels Contraszt! Records, Impure Music, Subversive Ways, Walking Is Still Honest und Music For Liberation beteiligt am Release beteiligt sind. Als Kontrast zum schwarzen Tod kommt weiß schimmerndes Vinyl zum Vorschein. Wow! Potence ist übrigens französisch und bedeutet soviel wie „Galgen“.

Potence konnten mit ihrem verzweifelt intensiven Mischmasch aus Screamo, Post-Hardcore, Emocrust, Punk und etwas Post-Rock bereits auf ihrem 4-Song Demo bei mir landen. Drei der vier Songs vom Demo sind auch auf dem Debutalbum enthalten, allerdings sind die neu eingespielten Songs in Sachen Aufnahme und Abmischung von besserer Qualität. Das Mastering hat übrigens Will Killingsworth von Orchid übernommen. Jedenfalls brezeln die insgesamt acht Songs ordentlich los. Die Gitarren kommen schön fett, egal ob sie gerade schnell vor sich hin rotieren oder ’nen Gang runterschrauben, selbst bei den cleanen Parts bleibt eine dichte Atmosphäre. Dazu das verzweifelte Gekeife von Sänger Aurélien und die mit viel wumms und reichlich Crashbecken gespielten Drums, die auch schonmal arhythmisch werden können, nur um Dir im nächsten Moment wieder walzend ’nen Schlag vor den Kopp zu geben. Das Ding hier muss man sich jedenfalls laut geben. Einen Downloadcode braucht’s hier auch nicht, denn das Album kann zum Name Your Price-Tarif runtergeladen werden. In diesem Sinne, macht die Welt zu einem besseren Ort: Punk is Love!

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

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