ZilpZalp – „…auf den Versen“ (Tanz Auf Ruinen / zilpzalp records u.a.)

Während man auf diesen Seiten schon öfters von tollen Releases aus dem Hause zilpzalp records erfuhr, war mir die Band ZilpZalp aus Dortmund bisher noch kein Begriff. Gerade auch deshalb verwunderte es mich doch sehr, dass die Dortmunder ihre erste 12inch unter anderem auf dem gleichnamigen aber kleingeschriebenen Label aus Leipzig veröffentlichen. Da kommen dann schon Fragen auf. Kennen die sich irgendwie näher, gibt es gar eine gemeinsame Vergangenheit? Oder stieß irgendwer von den beiden Parteien beim sich selbst googeln auf den anderen – nachdem die ganzen Weidenlaubsänger-Singvögel-Ergebnisse abgearbeitet waren – und hatte anschließend vor, den anderen kräftig zu verklagen? Da kommen Erinnerungen an das sagenhafte True Love Records-DIY-Label und das andere, irgendwie spießige Law And Order-True Love Records-Techno-Label auf, ihr wisst alle, wie das ausgegangen ist. Nun, ich könnte mir im Fall von ZilpZalp Folgendes vorstellen: Beim Streitgespräch am Tisch entdeckten beide Seiten, dass man sich sympathisch ist. DIY, gleiche Wellenlänge, Punkbackground und etliches mehr. Warum also unnötig Stress verursachen, gemeinsam kann man mehr erreichen. Auch wenn das jetzt alles Vermutungen sind, die wahre Geschichte hinter der Fusion beider Parteien kenne ich leider nicht, aber irgendwie erinnert das an die Max Goldt-Geschichte des alten Ehepaars, das seit 30 Jahren jedes Jahr mit dem Zug von Ludwigshafen am Rhein nach Ludwigshafen am Bodensee fährt. Neben zilpzalp records sind an der 12inch übrigens noch Tanz auf Ruinen und Trace in Maze Records beteiligt.

Nun, rein äußerlich betrachtet trifft Artwork und Vinyloptik absolut den Geschmack von DIY-Vinylfetischisten. Weißes Vinyl mit schwarz(B-Seite)-weiß(A-Seite)-Vogel-Labeldruck, dazu ein schlichter Cover-Siebdruck und als Krönung ein schwarz besiebdruckter knickfester Karton, auf dem man die tollen Texte nachlesen kann, die in deutscher Sprache vorgetragen werden. Ein Aufkleber purzelt auch noch aus dem Karton, wer einen Download-Code sucht, findet zwar keinen, kann sich das Teil aber trotzdem für lau auf Bandcamp ziehen.

Okay, nun aber endlich mal zur Musik. Die Aufnahme klingt ziemlich hell. Wenn ich nicht vor Kurzem meinen ganzen Plattenspieler gewartet hätte, hätte ich eine Erneuerung der Nadel in Betracht gezogen. Aber egal, man hat ja einen Equalizer, den man DIY-mäßig basslastiger einstellen kann und selbst wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm. Denn ZilpZalp rocken die Bude und begeistern auf Anhieb, auch wenn der Sound manchmal räudig scheppert. Ich hab viele Leute in meinem doch sehr kleinen Freundeskreis, die rauschige, mit defektem Tonkopf aufgenommene Tapes als das Maß der Dinge ansehen und vergöttern. Und ich bin mir sicher: ZilpZalp wollten das so haben. Nach einem einminütigen Instrumental-Intro geht es direkt mit emopunkigen Screamo los, in den man sich ziemlich schnell verguckt. Allein der ruhige Mittelteil von Kundenkannibalismus erzeugt eine schöne Gänsehaut, der Rest ist das, was ich liebevoll Brustklopf-Emo nenne. Überhaupt, diese ruhigen und melodischen Parts in den Songs hört man bei ZilpZalp häufig. Man fühlt sich an 90er-Screamo/Emo-Bands wie z.B. Yage erinnert, ein großer Einfluss dürften auch die ganzen Franzosen-Screamo-Bands genommen haben. Die zähle ich jetzt nicht extra auf, lieber erwähne ich an dieser Stelle nochmals den saftigen Punk-Faktor, der diese Platte so besonders macht. Die Gitarren bleiben trotz Schrammelei immer schön melancholisch und melodisch, der Bass macht teilweise sein eigenständiges Ding, hin und wieder vernimmt man eine warme Bassline, die gegen die Gitarren anspielt. Und natürlich darf bei einem melodramatischen Sound wie von ZilpZalp auch kein anklagendes und leidendes Geschrei fehlen. Fans von Manku Kapak, Tante Timbuktu, Blue Water Boy, Kishote oder Masada sollten sich die Platte schnell mal bestellen!

8.5/10

Facebook / Bandcamp / Tanz auf Ruinen / zilpzalp rec.


 

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