Sore Eyelids & Факел – „Split 7inch“ (lifeisafunnything)

Huch, was haben wir denn da für ein wunderschönes 7inch-Scheibchen? Beim Cover bin ich unschlüssig, ob das eine entsprechend bearbeitete Fotografie oder eine Zeichnung ist, jedenfalls sieht man darauf einen in eine mystische Unterwasserwelt eintauchenden Menschen. Die Unterwasserwelt verwandelt sich auf dem Backcover in ein gischtartiges Wolkengebilde. Man hat beim Betrachten sofort dieses verträumte Shoegaze-Feeling im Kopf. Die im vorliegenden Besprechungsexemplar purpurne Vinylfarbe hat ebenfalls etwas traumhaftes an sich. Die Split gibt es aber wohl auch noch in schwarzer Farbe, die Auflage beträgt insgesamt 200 Stück. Jedenfalls sind beide Plattenlabels in Handarbeit schön bestempelt, neben einem Textblatt findet sich im Inneren auch noch ein Download-Kärtchen.

Die A-Seite gehört Sore Eyelids aus Göteborg. Das letzte Release der Schweden ist aber auch schon wieder ein Weilchen her, dennoch hat das 2014er Album For Now (u.a. auf Through Love Records erschienen) seit meiner Besprechung – damals noch auf Borderline Fuckup – immer wieder mal von Zeit zu Zeit ’ne Runde auf dem Plattenteller gedreht. Nun also Nachschub der Band, die übrigens Leute der Band Suis La Lune in ihren Reihen hat. Es sind zwar nur zwei Songs, aber die machen unheimlich Apettit auf mehr. Wie die Person auf dem Cover taucht man mit den ersten Klängen zu What if… in die Traumwelt des Trios ein und verliert sich ziemlich schnell in den melancholischen und einlullenden Melodien. What if… hat mich jedenfalls mit einer Spielzeit von knapp über zwei Minuten direkt am Wickel. Zwischen Indie, Shoegaze, Post-Rock und Emo entwickelt die Band ihre ganz eigene Magie. Die mit den ersten Klängen zum Song Stay Silent ihre volle Wirkung zeigt. Da flirren Bassläufe wie durch einen Wattebausch gejagt durch die Lüfte, während die Gitarren leiern, was das Zeug hält. Die selbstreflektierenden Lyrics lesen sich im Einklang mit der Musik wie eine therapeutische Sitzung. Bittersüß und von wahrhaftiger Schönheit!

Auf der B-Seite kommen Факел aus Sankt Petersburg/Rußland mit ihrem mittlerweile dritten Release auf lifeisafunnything um die Ecke. Und sie kommen rasant, intensiv und noch ’nen Ticken emotionaler als bisher um die Kurve geschlittert. Wow! Die beiden Songs lassen mich mit offenem Mund staunend vor dem Plattenspieler niederknien. Bitte, bitte, nehmt in Bälde neue Songs für ein ganzes Album auf! Das hier klingt so unverbraucht und frisch. Auch wenn die übliche Sprachbarriere zwischen uns steht, musikalisch trifft das Quintett jedenfalls direkt in mein Herz. Emotive Screamo vom Feinsten! Google translate überrascht mich übrigens mit den aus der russischen Sprache übersetzten Texten ausnahmsweise einigermaßen positiv, die Übersetzung liest sich eigentlich mal richtig poetisch und weckt Assoziationen mit der bildhaften Sprache der klassischen Romantik. Und ja, wie auch schon auf den vorangegangenen Veröffentlichungen ist auf beiden Songs diese Teufels-Violine zu hören, die vom unverkennbaren Stil der Band nicht mehr wegzudenken ist. Ich hab’s zwar schon im letzten Review zur Band geschrieben, aber ich finde es so passend und witzig, auch wenn’s ein wenig platt und ausgelutscht ist: auf zum Violin Dancing!

8,5/10

Sore Eyelids Bandcamp / Факел Bandcamp / Stream / lifeisafunnything


 

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