12inch-Dreier: Ànteros, Keep On Living, LØVVE

Ànteros – „Cuerpos Celestes“ (Dingleberry Records u.a.)
Boah, was für ’ne Optik, ich brech ab! Diese 12inch sieht von vorn bis hinten dermaßen geil aus, dass Vinylfetischisten der Sabber auf den Plattenteller zu tropfen droht. Wie ein edler, bordeauxroter Wein, ergießt sich ein Meer aus roten Rosen, im Kontrast dazu wird daran erinnert, dass auch die größte Schönheit vergänglich ist. Das Textblatt ist dann im gleichen Stil illustriert. Und fischt man das Vinyl aus dem schwarzen Inlay, dann entfleucht einem der nächste Jauchzer. Das rote Vinyl ist in einem etwas helleren rot mit schwarzen Sprengseln durchzogen, die bordeauxroten Labels stellen wieder den Bezug zum Albumcover her. Die Band aus Barcelona wurde im Jahr 2015 von ehemaligen Mitgliedern der Bands Toundra, Syberia und Viva Belgrado gegründet, nach einer EP erscheint nun also mit Cuerpos Celestes das Debutalbum der Jungs. Am Release beteiligt sind neben Dingleberry Records noch die Labels Aloud Music, Pundonor Records, Lar Gravacións, Basement Apes Industries und TimTamRecords. Ästhetik scheint der Band jedenfalls sehr am Herzen zu liegen. Nicht nur optisch, auch musikalisch sticht der atmosphärisch dichte Sound mit Hang zum Detail sofort ins Ohr. Die Band hat mit drei Gitarristen ja auch die Möglichkeit dazu, hohe Soundwände zu basteln. Schicht um Schicht, fett und heavy produziert und dennoch mit emotionaler Grundstimmung. Gerade die unterschwelligen Melodien bringen hier eine deutliche Melancholie zum Ausdruck. Die Lyrics werden in Spanisch herausgelitten, oftmals entfalten sich längere Instrumentalpassagen, die im Prog und Post-Rock verwurzelt sind. Experimentierfreude ist ebenfalls gegeben, hört mal z.B. beim fast neunminütigen zweiten Stück den Mittelteil an, der die anschließende Wall Of Sound so mächtig wie eine riesige Staumauer erscheinen lässt. Die epischen Klangfelder kommen über Kopfhörer und laut aufgedreht natürlich umso heftiger. Dass das Album so dicht, melancholisch und ausgetüftelt erscheint, kommt wohl auch daher, dass die Bandmitglieder die letzten Jahre teils schwere Zeiten durchgemacht haben, persönlicher Verlust inklusive. In solchen Zeiten hilft es, sich an etwas zu klammern. Und Musik eignet sich besonders dazu, solch harte Schicksalschläge zu verarbeiten, was durch Cuerpos Celestes eindrucksvoll bewiesen wird.

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


Keep On Living – „A Light At The End“ (Dingleberry Records u.a.)
Bereits das Coverartwork lässt erahnen, dass Keep On Living trotz des optimistischen Albumtitels eher in düsteren Gefilden unterwegs sind. Die Band hat sich im Jahr 2014 aus Mitgliedern der Bands Valve, Xnoybis, Le Deadprojet und Reign zusammengetan, bei der A Light At The End 12inch handelt es sich um das Debutalbum der Band aus Paris. Und wie erahnt, erklingen düstere Töne, sobald die Nadel in die Rille rutscht. Unborn beginnt mit hektischem Getrommel und heavy Metalgitarren, bis sogar ein Double-Bass-Gewitter die Nadel fast zum Hüpfen bringt. Der Sänger kreischt auch schön derbe und etwas kehlig tiefergelegt. Und bevor es mir zu eintönig wird, kriegen die Jungs doch noch die Kurve und lockern das chaotische Brett mit unterschwelligen Gitarrenmelodien. Und was dann aber richtig aufhorchen lässt, sind diese Post-Rock-artigen, sehr melancholischen instrumentalen Einschübe, die von Zeit zu Zeit das Ganze schön abwechslungsreich machen. Klar, bei Songlängen, die weit über die vier-Minuten-Marke hinausgehen, muss man sich als Band schon was einfallen lassen. Wenn ihr euch einen Mischmasch aus Crust, Blackmetal, Hardcore, Screamo, Metal, Sludge und Post-Rock vorstellen könnt, dann solltet ihr diese 12inch mal antesten. Keep On Living stelle ich mir v.a. live ziemlich mächtig vor.

7,5/10

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LØVVE – „Povver.Violence“ (Dingleberry u.a.)
Ach nee, das ist ja geil! Die Band Lovve hat sich ein wirklich schönes Bandlogo gebastelt, dazu gefällt mir das für diese Art von Musik ungewöhnliche Coverartwork für diese erste 12inch unheimlich gut. Und dennoch kann man anhand des Albumtitels erahnen, in welche musikalische Richtung es wohl gehen wird. Bei Lovve leben Mitglieder der Bands Nine Eleven, Verbal Razors, Ed Warner, Sisterhood Issue, Alma und Sueurs Froides ihre Vorliebe für thrashigen Powerviolence aus. Und dass die Jungs ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt haben, das kann man eindrucksvoll auf diesen zehn Smashern begutachten. Schön nach vorne gehend, werden die Songs direkt auf den Punkt gebracht. Hier wird nicht lange gefackelt. Weit unter zwei Minuten – wenn nicht sogar unter einer Minute – zu bleiben, ist hier Pflicht. Und trotzdem haben die Jungs ’ne Menge zu sagen. Die intelligenten Lyrics sind kämpferisch, persönlich, selbstkritisch und angepisst, sie fügen sich somit perfekt in den Sound ein. Denn die Franzosen fahren ein schönes Oldschool-Brett auf und würzen rasend schnellen Powerviolence mit reichlich Hardcore und Thrash. Das Ganze ist schön druckvoll produziert, Langeweile scheint der Band ebenfalls ein Fremdwort zu sein. Schneidend scharfe Riffs lassen eure Gehirnknospen explodieren, während ein Tier am Schlagzeug dafür sorgt, dass durch die Druckwelle eure Basecap vom Kopf gepumpt wird. Yeah, so liebe ich das! Ist live sicher ganz schön geil, gerade auch weil immer wieder tolle Mitgröhl-Passagen mit an Bord sind und bei all dem Tempo auch mal Zeit für moshige Parts ist, zu denen man brustklopfend durch den Pit stampfen kann. Wohlgemerkt, weit entfernt von irgendwelchen affigen Beat-Down-Clowns. Aus jedem einzelnen Song sprudelt die Energie, der Spaß und die Freude der Bandmitglieder förmlich heraus. Die 12inch ist in Zusammenarbeit der Labels Dingleberry Records, Dirty Guys Rock und KLVR Records erschienen und dürfte euch vor Freude die Tränen in die Augen und den Schweiß auf die Stirn treiben.

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

 

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