Féroces – „Victor“ (Dingleberry Records u.a.)

Es ist gerade mal ein Jahr her, dass Juliette, die erste 12inch der Band aus Besançon/Frankreich auf meinem Plattenteller für den Zweck einer Besprechung landete, die ihr hier nachlesen könnt. Seit dieser Besprechung drehte diese 12inch immer mal wieder auf dem heimischen Plattenspieler, obwohl bei mir ja rein instrumentale Bands ungerechterweise eher nachteilig behandelt werden. Der mystisch angehauchte Post-Rock der Franzosen hat es mir jedoch ziemlich angetan. Dementsprechend erfreut war ich, als ich Féroces zweite 12inch Victor im letzten Plattenpaket aus dem Hause Dingleberry Records vorfand.

Und wieder sind die Songs auf farbiges Vinyl gepresst, diesmal nicht auf blauem, sondern auf grünem Vinyl. Und wieder steht das Motto Personne ne chante, personne ne danse (Niemand singt, niemand tanzt) auf dem Backcover geschrieben, zudem scheint sich mit den Titeln ein gewisses Schema einzuschleichen. Und auch beim Sound ist alles im bereits gewohnten Stil beim Alten geblieben. Die instrumentalen Stücke sind erneut mit Spoken Words aus französischen Filmen hinterlegt, was die Dramaturgie in der Musik des Trios nur noch unterstreicht. Erst mit dieser Veröffentlichung entdeckte ich den Youtube-Kanal der Band und damit auch die Filmszenen, aus welchen die Samples stammen. Beim Song J’attends qu’il m’arrive quelque chose z.B. wurden Szenen aus dem Film La Fille sur le pont (Das Mädchen auf der Brücke) mit Vanessa Paradis verwendet.

Insgesamt sechs Songs und 27 Minuten dauert die cineastische Reise durch die Klangwelt von Féroces, von der Spielzeit her lassen sich bei Victor also ebenfalls Parallelen zu Juliette erkennen. Ob da ein Konzept dahinter steckt? Klub 27 vielleicht? Während die Platte ihre Runden dreht, hat man – wie ihr seht – genügend Zeit, um sich wahnwitzige Spinnereien auszudenken. Diese Musik hat das Zeug dazu, die stumpfesten Gehirnregionen dazu anzuregen. Man kann aber auch mit jedem Durchlauf wieder etwas neues entdecken, das zuvor gar nicht aufgefallen ist.

Neben der Melodramatik schwingt in den Songs aber auch eine gewisse mystische und erotische Komponente mit. Ausgetüftelte Songarrangements und eine erstklassige Produktion sorgen ebenfalls für reichlich Spannung und Abwechslung. Dass die Bandmitglieder zuvor bereits in anderen Bands aktiv waren (Gantz, Stellardrive, Asidefromaday und Hiro), kann man jedenfalls deutlich hören. Verdammt intensiv, verdammt tiefgehend, verdammt melancholisch und damit einfach verdammt geil. Ich steh drauf, kann ich nur sagen! Das Ding hier wird noch einige Runden auf meinem Plattenteller drehen! Besorgt euch am Besten gleich beide Scheiben. Die 12inch ist als Co-Release der Labels Dingleberry Records, Mediapop Records, Uproar For Veneration und Tim Tam Records erschienen.

8/10

Facebook / Bandcamp / Dingleberry Records


 

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