Farrokh Bulsara – „Nieder mit den Thujahecken“ (Ape Must Not Kill Ape Records/Markus Records)

Na, klingelt’s bei dem Bandnamen bei irgendwem? Farrokh Bulsara war der bürgerliche Name von Freddie Mercury, der es bis heute aus seinem Grab heraus schafft, mit seiner Band Queen unsere Ohren zu strapazieren. Da Musik ja Geschmacksache ist, stehe ich mit meiner Meinung zu Queen sicher ganz alleine da. Was habe ich Queen gehasst, alleine dieses affige Verhalten, bei irgendeinem Erfolgserlebnis oder Sieg den Song We Are The Champions lauthals zu grölen. Einfach nur ekelerregend. Auf der anderen Seite ist es aber trotzdem ein schönes Gefühl, dass leidenschaftliche Menschen Musik hinterlassen, die lange Zeit nach ihrem Tod das Zeug dazu hat, Freude und Glück bei den Lebenden zu erzeugen. Ob die Band Farrokh Bulsara solche Gedanken bei der Namenswahl im Hinterkopf hatte? Jedenfalls ist der Name für eine Screamo-Band sehr passend und die Musik dieser Band gefällt mir persönlich um Längen besser als das Zeugs von Queen.

Farrokh Bulsara kommen aus der Schweiz und haben zum Teil ganz schön alte Szene-Hasen mit an Bord. Bands wie Never Built Ruins oder Ghettohund sagen mir jetzt persönlich weniger, aber an das ein oder andere Konzert von Bands wie Sundowner, Profax, Fuego oder Dying In Motion erinnere ich mich gern zurück, zudem steht manches Release dieser Bands im heimischen Platten/CD-Regal. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an eine Diskussion über Hardcore im Schweizer Fernsehen (Anfang der Neunziger?), bei dem sogar Profax und die Züricher Band Fleisch auftraten. Die Bands Mr. Willis Of Ohio und The Rabbit Theory konnte ich leider nie live sehen. Und auch mit The Rabbit Theory verbindet mich eine Erinnerung, die jedoch sehr schmerzhaft ist, selbst wenn ich Gitarrist und Sänger Nino Kühnis nie persönlich getroffen habe. Nino ist nämlich im Jahr 2013 bei einem Fahrradunfall mit einem Lastkraftwagen viel zu früh aus dem Leben gerissen worden. Von seinem Tod erfuhr ich ein paar Tage später durch meine Mitarbeit bei Borderline Fuckup. In den Credits des Tapes erfährt man, dass Nieder mit den Thujahecken Nino gewidmet ist. Zudem dürften die Lyrics vom Song Am Ende lacht der Geist ebenfalls unmittelbar mit dem Tod Ninos im Zusammenhang stehen. Und da wären wir wieder bei der eingangs gesponnenen Theorie bezüglich der Hintergründe der Namenswahl. Die Leidenschaft, die Ideen, die Güte und der Optimismus von Nino lebt in Farrokh Bulsara weiter. Das ist meine Interpretation, vielleicht liege ich damit völlig falsch. Was jedoch ziemlich sicher ist: bereits beim ersten Durchlauf des Tapes habe ich einen Narren am Sound von Farrokh Bulsara gefressen.

Das Tape kommt in klassischer DIY-Optik. Die schwarze Hülle ist mit einem schwarzen Karton ummantelt, der auf Vorder-und Rückseite weiß bedruckt ist. Die Vorderseite ist logischerweise mit einer Thuja-Detailzeichnung verziert. Die Labels der Kassette sind im ähnlichen Stil gestaltet. Auf dem eingelegten Faltblatt lassen sich alle Texte nachlesen, zudem gibt es zu jedem Song eine englische Übersetzung. Und natürlich liegt auch ein Download-Code bei, obwohl sich das Album auch kostenlos auf Bandcamp downloaden lässt. Das Tape dürfte mit einer Auflage von 100 Stück schnell vergriffen sein. Denn Farrokh Bulsara haben es musikalisch ziemlich drauf und wissen ab dem ersten Ton, wie man gefangen nehmen kann. Und die deutschen Texte schlagen in die gleiche Kerbe, sie sprechen zumindest mir aus der Seele. Hier bewegen sich die Schweizer abseits jeglichen Punk-Klischees, machen sich tiefschürfende Gedanken und bleiben dabei trotz der ganzen Hoffnungslosigkeit optimistisch. Da wird Kritik an den Zuständen in der Welt geübt, die Verrohung und Abstumpfung durch die eigene Machtlosigkeit scheint auswegslos und zermürbend. Was bleibt, ist der Appell an die menschlichen Gedanken. Und die Revolution im eigenen kleinen Umfeld. Viel mehr als Punk und Liebe braucht man nicht im Leben! Und trotzdem versteht man die vom Wohlstand geprägte Gesellschaft kaum. Gerade in einem reichen Land wie der Schweiz, in der jeder nur auf seinen eigenen Profit schaut und die Ausbeutung von Menschen schulterzuckend in Kauf nimmt, mümmeln sich die Reichen in ihren gepflegten Anwesen und verstecken sich hinter abschirmenden Schutzwällen aus Thujahecken in feudalen Villen. Eine ähnliche Problematik wird wohl in dem aktuellen Schweizer Punk-Film Lasst die Alten sterben behandelt, den ich bald mal zu gern sehen würde. Aber auch an der eigenen Szene wird gemäkelt, zudem dürften nicht nur den älteren Semestern unter uns die beschriebenen Szenen aus dem Song 1988 bekannt sein. Die Melancholie findet sich nicht nur in den Lyrics, auch die Musik jagt den einen oder anderen Gänsehaut-Schauer über den Rücken. Die Gitarren kommen so gefühlvoll rüber, dazu der gegenspielende Bass. Wow! Ach ja, es gibt auch noch ’nen Schlagzeuger, der auch mal innehalten kann aber sonst alles gibt, schrammelnde Gitarren sind ebenfalls noch mit dabei. Und on the top kommt der anklagende und leidenschaftliche Gesang sowie hyperventilierende Gangshouts dazu. Ups, schon wieder abgeschweift und zu wenig über die Musik geschrieben…aber ihr werdet Farrokh Bulsara eh abgöttisch lieben!

9/10

Bandcamp / Homepage


 

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