Of Mountains And Seas – „Dracula 7inch“ (DIY)

Als ich dieses Release neulich aus dem kleinen Karton friemelte, der mir von der Band zugeschickt wurde, bekam ich fast einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie der Typ auf dem Cover. Sowas sieht man selten! Die 7inch-Hülle besteht aus Textil und wurde eben auf der Frontseite mit dieser an den Not-Man von Anthrax erinnernden und von einem der Bandmitglieder angefertigten Zeichnung besiebdruckt, auf der Rückseite stehen die Songtitel und ein paar Infos zur 7inch. Überhaupt ist dieses Release von vorn bis hinten im DIY-Verfahren entstanden. Die vier Stücke wurden zum Teil selbst aufgenommen, ein Freund der Band kam dabei zu Hilfe. Für’s Mischen und Mastern hat man Daniel Husayn (den Basser der Band Red Dons) rangelassen, der dem Sound den letzten Schliff in seiner North London Bomb Factory verpasst hat. Mir gefällt der rohe und satte Sound, das hat was lebendiges! Die Cover Sleeves wurden über Pressure And Ink gedruckt und dann auf 7inch-Format zugeschnitten. Wer will, kann das Ding ausschneiden und als Patch verwenden. Wie geil ist das denn?

Und es wird noch besser, denn die Musik des kleinen Scheibchens hat es ebenfalls in sich. Die drei Bandmitglieder verteilen sich auf verschiedene Regionen (München/Bamberg/Vorarlberg), von daher wird es nicht einfach sein, sich mal schnell gemeinsam zum Proben zu treffen. Dennoch klingen die vier Songs, als ob die Jungs jede freie Minute zum Proben nutzen würden. Hier schwappt die Spielfreude direkt aus den Lautsprechern. Anscheinend hatten die Jungs auch aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters schon genügend Zeit, reichlich Erfahrung in so mancher Ex-Band zu sammeln. Und wie es sympathisch auf der Bandcamp-Seite beschrieben wird, sitzt die Bedrohung durch Karriere, Trauschein und Kiesauffahrt permanent im Nacken. Und diese Bedrohung scheint verborgende Kräfte aus dem Leib zu locken, denn während ich diese Zeilen in die Tastatur hacke, ist das Trio bereits dabei, zehn Songs für ein kommendes Album aufzunehmen. Yeah, und darauf freue ich mich angefixt durch die vier Songs von Dracula schon wie ein Vampir auf leckeren Lebenssaft.

Das Trio mach mitreißenden Emo-Punk, der seine Vorbilder in Bands hat, die sich so um die Jahrtausendwende herum in die Herzen zahlreicher Menschen gespielt haben und bis heute für leuchtende Augen sorgen. Mit Hot Water Music, Leatherface, Samiam und Social Distortion nennt die Band selbst schon ein paar Einflüsse, die man beim Hören absolut unterschreiben kann. V.a. zu Samiam dürfte die dickste Parallele bestehen. Der knödelnde und eigenwillige Bass erinnert mich auch desöfteren an die Band Derail, falls die noch jemand kennen sollte und irgendwie hör ich auch noch ein bisschen Black Train Jack, Weston, Mid Carson July und Queerfish raus. Dazu gehen die Songs schnell ins Ohr, überzeugen durch ausgefeilt abgestimmtes Songwriting und die mehrstimmigen Refrains fetzen auch gut durch! Mir läuft das hier richtig super rein! Bitte unbedingt bald mehr davon!

8/10

Bandcamp / Facebook


 

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