New Native – „Asleep“ (midsummer records)

Es ist ja gar nicht so lange her, dass ich mich (nochmals) intensiv der 2015er EP Soul Cult widmete, so dass es vor Kurzem sogar noch eine verspätete Kritik zu lesen gab. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ich durch diesen Umstand die Vorfreude auf neues Material der Österreicher voll auskosten. Und kurze Zeit später steht dann auch schon Asleep, das Debutalbum des Quartetts in den Startlöchern. Das Album erschien zwar zuerst Anfang Februar digital, physisch wurde Ende März Vinyl nachgeschoben, wobei die limitierte farbige Version bereits wieder vergriffen ist. Da sieht man, dass sich die Band in den letzten Jahren eine große Fanbase aufgebaut hat. Und das nicht nur in der heimischen Szene, sondern auch im europäischen Ausland, in dem sie zuvor mit Genre-Größen wie Pianos Become The Teeth oder Seahaven auf Tour waren. Im Februar diesen Jahres waren New Native übrigens mit Sandlotkids unterwegs, vielleicht konnte sie ja jemand von euch bei dieser Gelegenheit sehen.

Nun, um eines schonmal vorwegzunehmen: New Native werden mit Asleep ihren Beliebtheitsgrad nochmal um einiges erhöhen können, denn das Album ist verdammt gut geworden. Da die farbige Version zum jetzigen Zeitpunkt bereits ausverkauft ist, freue ich mich natürlich umso mehr, dass ich noch ein transparentes Vinyl-Besprechungsexemplar bekommen habe. Auch wenn die Platte auf dem Plattenteller etwas unscheinbar und farblos wirkt, vermittelt die Musik ganz andere Eindrücke. Und diese Wirkung ist alles andere als blass oder gar farblos. Die elf Songs nehmen Dich mit auf eine dreiviertelstündige Reise durch eine verwunschene Gegend, in der es verdammt viel zu sehen und zu erleben gibt. Im direkten Vergleich zur EP Soul Cult fällt auf, dass die Songs auf Asleep um einiges ruhiger und bedächtiger klingen. Die Band hat wohl eine ähnliche Entwicklung wie Turnover oder Pianos Become The Teeth hinter sich. Waren die Referenzen von zuvor erschienenen Releases eher Bands wie Balance And Composure oder Basement, dürften jetzt auch Bands wie eben neue Turnover, The Fray, Juliana Theory, Appleseed Cast, Death Cab For Cutie, Last Days Of April oder gar glattgebügeltere American Football als Vergleiche fallen.

Asleep ist jedenfalls eine richtige Wohlfühl-Platte geworden, obwohl die melancholische Stimmung allgegenwärtig ist und es auch textlich einiges zu knabbern gibt. Bereits das Cover lädt zum Grübeln ein. Ist das ’ne Wasserleiche? Hält der Typ da ein Schläfchen? Oder ist das etwa eine Bildszene aus einer mißglückten Taufzeremonie einer verrückten Selbstmord-Sekte? Da bleibt sehr viel Interpretationsspielraum, zudem laden die auf dicken Karton gedruckten Texte dazu ein, eventuell hinter den tieferen Sinn des Covers zu kommen. Die sehr persönlichen Lyrics beschäftigen sich nämlich vorwiegend mit der Ohnmacht und der Angst, sein eigenes Leben zu verschlafen. Da kreisen die Gedanken. Und passend dazu gibt es gefühlvollen Emo an der Schwelle zu Indie und Dream-Pop, wie man ihn Ende der Neunziger gern zu hören pflegte. Da taucht bei manchen Songs sogar mal ein Piano auf, hin und wieder wird ein mehrstimmiger Chorus ausgepackt. Zwischen Hymne und Gefühl liegt v.a. ganz viel Tiefe und eine Art innige Vertrautheit, die sich mit jedem weiteren Hördurchlauf noch mehr verfestigt. Das ist dann wohl die oft zitierte Chemie, die zwischen den Konsumenten und der Band absolut stimmig ist. Obwohl die Musik auf der einen Seite sehr zerbrechlich wirkt, kommt sie andererseits dennoch kraftvoll um die Ecke. Diese Balance dürfte mit dem DIY-Background der Band zu tun haben. Obendrein gibt es das Album physisch ausschließlich auf Vinyl. Und das beim ebenfalls sehr sympathischen Label Midsummer Records. Anspieltipps für die fucking Playlist? Fehlanzeige! Hey, aufwachen! Verschlaft das hier bitte nicht! Kauft euch das Album auf Vinyl und genießt es bis in alle Ewigkeit in seiner Gesamtheit.

9/10

Facebook / Bandcamp / Stream / Midsummer Records


 

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