Ravaged – „Selftitled“ (Kink Records u.a.)

Die Ratte gilt als intelligentes und robustes Tier, das sich seiner Umwelt anpasst und durch Genmutationen sogar resistent gegen Gift werden kann. Irgendwann, wenn das menschliche Leben durch Umweltkatastrophen und Nervengifte komplett ausgelöscht wurde, wird die Ratte fröhlich und munter über die sich stapelnden und verwesenden Leichen krabbeln. Dieser Gedanke schießt einem beim Betrachten des Coverartworks als erstes durch den Kopf. Im Hintergrund sind die ruinösen Überreste eines Atomkraftwerks zu sehen, davor die fidele Rattenschar, die sich durch den maroden Fabrikzaun aufmacht, um sich in der weiteren und nobleren Umgebung auszubreiten und zu vermehren. Da hat man gleich alte Punk-Slogans wie z.B. Wir sind die Ratten und leben im Dreck, wir sind die Ratten und leben in der Scheiße im Ohr. Den Bandnamen zu entziffern, da braucht es schon einiges an Geschick, denn die Stacheldraht-Optik ist irgendwie drahtig mit dem Fabrikzaun verwoben. Aus dem Inneren der Hülle kommt neben dem schwarzen Gold auch ein Aufkleber zum Vorschein, auf dem sich der Bandname besser entziffern lässt. Ravaged heißt übersetzt ja soviel wie „zerstört“, das passt also ganz gut zur graphischen Aufmachung des Scheibchens.

Nun, Ravaged kommen aus Köln und haben zuvor lediglich ein Tape veröffentlicht, man steht also gerade am Anfang. Die EP hier ist in Zusammenarbeit der DIY-Labels Kink Records, Sengaja Records und Chopped Off Records erschienen, die Band selbst scheint in der DIY-Szene tief verwurzelt zu sein, was schon mal ein dicker Pluspunkt ist. Kaum setzt die Nadel auf, poltert auch schon ein ordentliches Soundgewitter los, das dem Krach in einer scheppernden Großfabrik in nichts nachsteht. Was für ’ne Walze! Sehr metallischer Hardcore an der Schwelle zu Grind und Crust bahnt sich ziemlich straight nach vorn den Weg aus den Lautsprechern. Hat irgendwie so ’nen End-Achtziger-Vibe, als die ganzen Hardcore/Punk/Thrash und Crust-Bands immer metallischer wurden. Crossover sagte man früher dazu, das war aber lange Zeit vor diesem anderen Crossover-Gedöns mit Hip Hop und Hardcore. Dieser Sound hier ist rasend schnell, wütend, roh und räudig. Jedenfalls muss man sich den Sound von Ravaged laut reinpfeifen, dann ist die Wirkung am intensivsten. Als der Gesang bzw. das Geschrei einsetzt, merkt man erstmals, dass hier ein weibliches Wesen die Stimmbänder vibrieren lässt. Nun, im aufklappbaren Cover finden sich die Texte, die mit ein paar weiteren Rattenzeichnungen aufgepeppt wurden. Textlich beschäftigt sich die Band mit den negativen Auswüchsen unserer Gesellschaft, die Machtlosigkeit dagegen wird mit sehr viel Wut und Hass von der Sängerin herausgekreischt. Solltet ihr euch mal zu Gemüte führen!

7/10

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