Les Mauvais Jours – „Selftitled“ (Pike Records u.a.)

Ihr kennt das sicher alle: an manchen Tagen sollte man lieber zuhause im Bett bleiben. Es beginnt beim Frühstück, da fällt einem das Brot aus der Hand und landet auf der Marmeladenseite. Weil man erschrickt, schüttet man dabei auch noch den Kaffee um. Man sollte gewarnt sein und direkt wieder ins Bett gehen, um sich später telefonisch bei der Arbeit wegen Unwohlsein krank zu melden. Aber nein, man ist ja pflichtbewusst und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Das Fahrrad hat einen platten Reifen, also fährt man mit dem Auto und wird prompt geblitzt. Wäre das nicht schon alles doof genug, kassiert man auch noch ’nen Anschiss vom Chef, weil man mal wieder mit dem Auto aufgrund Parkplatzmangels in der Feuerwehrauffahrt steht. Um sich ein bisschen von den ganzen Missgeschicken zu erholen, kauft man sich in der Mittagspause ein schönes großes Eis. Tja, und ihr ahnt es schon. Schwups…gleitet auch das noch aus der Hand und glitscht mit einem schmatzenden Geräusch auf den dreckigen Boden. Das war schon als Kind ein extrem dummes Gefühl, nur da konnte man wenigstens zornig auf den Boden stampfen und dabei mitleidserregend heulen. Nun ja, manchmal hat man einfach einen schlechten Tag. Und jetzt bekomme ich endlich die Kurve zur Band Les Mauvais Jours. Diese kommt aus Straßburg/Frankreich und legt nach einer Demo eine Debut-12inch vor, die das Zeug dazu hat, Dich von Missgeschicken und der damit verbundenen miesen Laune etwas abzulenken. Les Mauvais Jours bedeutet übersetzt soviel wie „schlechte Tage“, dazu verleitete mich das auf pistazieneisfarbenen Karton gedruckte Coverartwork mit dem verunfallten Eis zu oben angeführten Ausschilderungen. An dem Release sind mal wieder einige tolle DIY-Labels und Distros beteiligt. Neben Pike Records und Dingleberry Records sind das À fond d’cale, Bad Wolf, Crapoulet, Don’t Trust The Hype Records, Fireflies Fall, Hardcore For The Losers, Pifia Records und Saddest Song Records. Das Mastering hat mal wieder Jack Shirley/Atomic Garden übernommen.

Aber nun mal zur Musik des Quartetts, das sich übrigens aus Musikern der Bands Another Five Minutes, More Dangerous Than a Thousand Rioters und The Boring zusammensetzt. Während diese Bands in etwas krachigeren Genres ihr Unwesen treiben, hat sich Les Mauvais Jours dem melodischen Emo-Indie-Punk verschrieben. Und das, was man beim Aufsetzen der Nadel auf die Ohren bekommt, ist vom Sound her so verdammt zuckersüß wie das leckerste Eis auf diesem Planeten. Gleichzeitig schwingt aber auch eine gewisse Melancholie mit, so dass das ganze Spektrum von nachdenklich, verletzlich bis gefühlvoll abgedeckt wird, was man vor allem aufgrund der sehr persönlichen Texte merkt, die übrigens schön lesbar auf einem handlichen Textblatt aufgedruckt sind. Die Lyrics handeln hauptsächlich von verflossener Liebe, Selbsterkenntnis und Reue, vom Coming Of Age und vom Verzweifeln an der aktuellen Entwicklung der Gesellschaft.

Und dennoch klingt das Gesamtergebnis so verdammt optimistisch, man hört die Leidenschaft und Spielfreude der Band jedenfalls aus jedem Ton  heraus. Die Gitarren kitzeln die Seele, sie tanzen so verspielt und leicht wie ein Schmetterling durch die Lüfte. Auf der einen Seite spielen sie tolle Melodien, dann twinkeln sie wieder etwas und sind experimentierfreudig. Als Ergänzung dazu gibt es ein eingespieltes Rhythmus-Team mit sich einfügendem Bass und Drums, die variantenreich jedes Tempo von kraftvoll bis gefühlvoll meistern. Als Krönung kommt melodischer Gesang dazu, die mehrstimmigen und hymnischen Bandchöre dürfen auch nicht fehlen. Man fühlt sich an großartige Bands wie z.B. Weston, The Get Up Kids, I Love Your Lifestyle, Algernon Cadwallader oder Sport erinnert. Die 12inch kommt übrigens mit Download-Code, das Album lässt sich aber auch auf Bandcamp für umme downloaden. Aber ich empfehle euch wärmstens, das Ding unbedingt auf Vinyl zu holen! Diese zehn Songs machen jedenfalls extrem süchtig! Mit solchen Songs auf den Ohren kommt ihr locker durch den Frühling und den Sommer. Ich bin begeistert von dieser Platte!

9/10

Facebook / Bandcamp / Pike Records / Dingleberry Records


 

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