Vlaar – „Selftitled“ (Dingleberry Records)

Das DIY-Layout und der Bandschriftzug der 12inch lassen keine Zweifel zu: Vlaar sind tief im Punk und im Crust verwurzelt. Über Vlaar findet man bisher noch nicht allzuviel in den Weiten des Internets, deshalb hier mal die Sparversion: Im aufklappbaren Plattencover kann man nachlesen, dass sich die Band aus zwei Frauen und drei Männern zusammensetzt. Dabei wird der Gesang schön klassisch gerecht zwischen den Geschlechtern aufgeteilt, auch wenn man das im Endergebnis nicht so richtig unterscheiden kann. Ich schätze mal, die tiefen Growls entstammen dem männlichen Part, wobei die gekreischten und wutschnaubenden Vocals der Sängerin zugeteilt werden könnten.

Vlaar kommen übrigens aus Villers Grélot, das ist eine kleine Gemeinde im Osten Frankreichs, welche in der Nähe der Stadt Besançon liegt. Man erfährt auch im Plattencover, dass die Scheibe komplett von der Aufnahme über das Mastering bis hin zum Druck des Plattencovers im DIY-Verfahren entstanden ist. Und natürlich ist es, wie so oft bei solchen DIY-Releases, nicht unüblich, dass eine Latte an Labels am Release beteiligt sind. Hier mal kurz die Labels: Dingleberry Records, Subversive Ways, Bisounours Prod, Deviance Records, Lilith Records, Tanker Records, Perce Oreille, Blackout Brigade, Tristan Manitou Records, Deaf Death Husky Rec, Crustatombe und No Way Asso.

Gibt man Vlaar in ein Übersetzungsprogramm ein, wird die Sprache als Niederländisch erkannt, Vlaar bedeutet „flach“. Dass bei Vlaar aber in französischer Sprache gesungen wird, kann man auf Anhieb nicht so richtig erkennen. Deshalb ist es hilfreich, dass die Lyrics in der Plattenhülle abgedruckt sind, selbst eine englische Übersetzung ist mit abgedruckt. Full Service! In den Texten werden Themen der Weltpolitik angesprochen, es geht um Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Fremdbestimmung, es wird gegen das Patriarchat gewettert. Untermalt wird das Ganze mit höllisch gutem Emocrust, der melodisch und kämpferisch aus den Lautsprechern poltert. Bereits nach den intro-artigen ersten Klängen ist klar, dass diese Scheibe noch etliche Runden auf dem Plattenteller drehen wird. Beginnend im schleppenden Midtempobereich und mit gefühlvoll gezockten Gitarren bleibt erstmal ein wenig Luft, sich auf das schnittige Crustgeballer gefasst zu machen, das hin und wieder durchsickert. Man hört hier förmlich die Energie und die Spielfreude der Band heraus. Da schleichen sich sogar an manchen Stellen mal richtig schnuffige Gitarrensoli ein. Und immer wieder diese melodische zweite Gitarre, die sich über die groovende und matschige erste Gitarre schiebt! Erinnert mich etwas an den Sound von Serene auf der Inward Flowering. Wahnsinn! Auch der satte Sound weiß zu gefallen, da bekommt man direkt Lust, die Band mal live zu erleben. Klar, das alles ist jetzt nichts unbedingt neues, aber das Gefühl stimmt hier einfach.

8/10

Bandcamp / Dingleberry Records

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