Solitone – „Lame De Fond“ (Dingleberry Records u.a.)

Beim Albumcover muss man gleich zweimal hinsehen und überlegen, ob man es hier eventuell mit einer Fotomontage zu tun hat. Im Vordergrund sieht man die schäumenden Stromschnellen eines reißenden Flusses, der wohl in einen anderen Fluss oder ein ruhigeres Gewässer mündet. Die naturgewaltige Idylle und die fließende Landschaft wird durch die im Hintergrund auftauchenden und bedrohlich wirkenden Fabrikschlote regelrecht verschandelt und gestört. Grau in Grau zeigt dieses Foto ein sehr düsteres Bild. Passend zum Foto und zum Bandname fällt mir ein, dass Soliton ein Begriff aus der Mathematik bzw. Physik ist und irgendwas mit Wellenbewegungen zu tun hat. Auf dem Backcover und dem Label der A-Seite ist obendrein eine Art Bandlogo zu sehen, das wohl eine Welle und eine Wolke darstellt. Von der B-Seite grinst ein schwarz-weißer Siebdruck, von dessen Motiv ich noch nicht ganz schlau werde. Aber je länger ich das Ding drehe und wende, umso überzeugter bin ich, dass der Druck einen mächtig riesigen Wellenbrecher darstellt. Jedenfalls sieht das alles schonmal rein optisch ziemlich gut aus. Neben Dingleberry Records sind übrigens mal wieder ein paar andere Labels am Release beteiligt, nämlich A Fond D’cale, Hardcore For The Losers, Voice Of The Unheard, Dreamingorilla Rec und Backwater Transmission.

Ich hatte die Band Solitone aus Bordeaux/Frankreich jedenfalls bisher noch nicht auf dem Schirm, so lange scheinen die vier Jungs auch noch gar nicht zusammen zu sein. Bisher erschien lediglich eine 7inch im Jahr 2017. Okay, sobald die Nadel aufsetzt, wird klar, dass die Franzosen soundtechnisch ähnlich düster unterwegs sind, wie es ja das Coverartwork bereits prophezeit hat. Die Mischung aus Screamo, Post-Hardcore und etwas Blackened Hardcore bahnt sich dann auch -ähnlich wie ein reißender Fluss oder ein mächtiger Wellenbrecher – ihren Weg, dabei wird auf der einen Seite tosend gebolzt, während auf der anderen Seite auch mal wieder gemäßigterer und schleppend fließender Sound an die Ohrmuschel gespült wird. Vertrackte Rhythmen, mäandernde Bassläufe, fließende Gitarren und ein gequälter Sänger machen die Sache nicht fröhlicher, Schwermut und Tristesse stehen im Vordergrund. Und trotzdem lassen sich nach ein paar Durchläufen melodische Momente entdecken, die anfänglich verspürte Dissonanz schwindet allmählich. Es gibt jedenfalls viel zu entdecken, man muss die Lautstärkeregler nur ordentlich aufreißen! Geil find ich diesen gegenspielenden und eigenwilligen Bass, der an alte Emo-Bands erinnert.

8/10

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