Reikä – „Frangenti“ (TimTam Records)

Reikä ist finnisch und bedeutet so viel wie Loch. Wenn man das Wort durch die Bildersuchmaschine jagt, dann sieht man äußerst unappetitliche Bilder, hauptsächlich kariöse Zähne. Nun, der finnische Bandname führt ohne Vorkenntnis etwas in die Irre. Im Booklet wird nämlich deutlich, dass die vier Damen aus Italien kommen, genauer gesagt aus Neapel. Die Mädels singen auch in ihrer Landessprache. Schön wäre gewesen, wenn die Texte irgendwo im Booklet in der Übersetzung vorliegen würden, aber dafür kann man die englische Übersetzung auf der Bandcampseite von Reikä nachlesen. Die Lyrics sind sehr persönlich gehalten, sie beschreiben Gefühle wie z.B. Schmerz, Unsicherheit und Verlust. Zu dieser Melancholie passt dann auch das Artwork der CD. Wenn man das Cover der CD betrachtet, dann hat man schon eine Vorahnung, dass bei der dargebotenen Musik eine gewisse Traurigkeit vorherrschen wird.

Und diese Traurigkeit zieht sich durch die sieben Songs wie ein roter Faden. Nach einem eher schleppenden Beginn mit ordentlich schlingerndem Bass wird klar, dass hier astreiner Screamo der alten Schule geboten wird. Es sind v.a. die eigenwilligen Songarrangements und die unterschwelligen Melodien, die mich immer wieder aufhorchen lassen. Die Sängerin pendelt zwischen leidgeplagten Schmerzgeschrei und resigniert wirkenden Spoken Words. Zwischen den dissonanten Gitarren verzücken immer wieder die traurig gespielten Bassparts. Gerade wenn das chaotische Geknüppel mal einen Gang runterschaltet, dann baut sich wieder langsam eine Spannung auf, die sich alsbald mit herausgekreischtem Gekeife entlädt. Reikä machen es den Zuhörern nicht ganz einfach, denn eingängige Songstrukturen, die einen gewissen Wiedererkennungswert besitzen, sucht man im Sound der Mädels vergebens. Und das macht letztendlich auch den Reiz dieses Albums aus.

Das Release ist in Zusammenarbeit einiger DIY-Labels erschienen, ich zähle einfach mal auf: Tim Tam Records, Cheap Talks, Dischi Decenti, Controcanti, Dreamingorilla Rec, Blessedhands records, È un brutto posto dove vivere, Insonnia Lunare Records und Dischi Leuci. Hört mal rein, wenn ihr Zeugs wie Shizune, Ojne oder La Quiete mögt.

7,5/10

Facebook / Bandcamp / Tim Tam Records


 

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