Jet Black – „L’Ère Du Vide“ (I.CORRUPT.RECORDS)

Als mich neulich eine Besprechungsanfrage zu diesem Album erreichte, musste ich erstmal die Äuglein reiben. Sind das etwa die legendären Jet Black aus Bremen, die da auf I.CORRUPT.RECORDS ein Reunion-Album am Start haben? Ha, reingefallen! Hätte rein von den bisher erschienen Releases des Labels ja schon sein können. Aber bei diesen Jet Black hier handelt es sich um ein seit 2008 bestehendes Quartett aus Québec, Kanada. Die Band ist auch in ganz anderen musikalischen Gefilden unterwegs und L’Ère du Vide ist mittlerweile das dritte Album der drei Jungs und der Frau am Bass/Mikro.

Jedenfalls packt mich das Gehörte bereits bei den ersten Klängen. Jet Black machen eine atmosphärische und verträumte Melange aus Indie-Rock, Post-Rock und Shoegaze, die starke Erinnerungen an die 90er wach werden lässt. Gerade bei den Gitarren und der Gesangsweise, sowohl bei der männlichen und ganz stark bei der weiblichen Stimme kommen mir direkt die ersten Sachen der Band Lush in den Sinn. Witzig, diese werden dann auch im Presseinfo neben den Bands Slowdive, My Bloody Valentine und Sonic Youth genannt. Die acht Songs sind liebevoll ausgearbeitet, man kann richtig in sie eintauchen und sich berieseln lassen. Die Spielzeit von etwas knapp über 37 Minuten verfliegt jedenfalls wie im Nu. Die Gitarren sind gespickt mit Ideenreichtum, sie kommen mal leicht verzerrt und dann wieder traumhaft clean um die Ecke, dazu passen die wabernden Bassmelodien und die mal kräftig und mal ruhiger gespielten Drums. Ganz stark wirken natürlich die warm klingenden Vocals! Unglaublich, wie leichtfüßig diese Songs zusammengebastelt sind, so dass das Ergebnis so stimmig wirkt. Da tauchen auf der einen Seite fast hymnische Parts mit eingängigen Refrains auf, während auf der anderen Seite komplexe und ausufernde Soundpassagen vorherrschen. Und aus allem hört man in sich eingekehrte Spielfreude und pure Leidenschaft heraus, von Langeweile keine Spur.

L’Ère Du Vide bedeutet in der Übersetzung soviel wie „Das Zeitalter der Leere“. Der Albumtitel wird auch in den Songtexten zum zentralen Thema gemacht. Obwohl in unserer kapitalistisch geprägten Zeit alles auf Knopfdruck verfügbar ist, durch Technik und Fortschritt ständig neue Gadgets entworfen werden, verblasst unsere Begeisterung darüber ziemlich rasant. Textlich beschäftigt sich die Band gerade mit solchen Themen. Wie entkommt man diesem Zeitalter, in dem alles im Überfluss vorhanden ist und alles nur auf kurzfristige Befriedigung ausgelegt ist? Was treibt die Menschen an, selbst kreativ zu sein und z.B. Musik zu erschaffen, obwohl das in der schier endlosen Angebotsflut unterzugehen droht? Wenn ihr den Antworten auf diese Fragen etwas näher kommen wollt, dann solltet ihr euch mit Haut und Haaren diesem Album verschreiben. Denn das ist mal wieder ein aus der Masse herausstechendes Release, in das man sich auf Anhieb verlieben kann.

9/10

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