Island – „Feels Like Air“ (frenchkiss records)

Auf dem Cover der 12inch schwebt ein Typ im freien Fall durch die Lüfte, er hat sozusagen den Boden unter den Füßen verloren. Wie schnell so etwas mal passieren kann, wissen nicht nur die Leute, die sich in der Musikszene Londons als ernstzunehmende Musiker behaupten wollen. Nirgendwo anders ist der Konkurrenzkampf unter Musikern härter als in der britischen Metropole. Wenn man sich dann auch noch mit Britpop über die Runden schlagen will, der ja nach den Nullerjahren nicht mehr so richtig aus seinem Loch gekrochen ist, dann hat man es doppelt so schwer. Die vier aufstrebenden Boys haben bereits zwei EPs veröffentlicht, die wohl breiteren Anklang fanden und in diversen Kreisen hochgelobt wurden. Nun, in der Sache bin zumindest ich komplett unvorbelastet, mit dem Debütalbum Feels Like Air erfahre ich erstmals von der Existenz der Band.

Die Gitarren simulieren zu Beginn so etwas wie einen freien Fall. Unbekümmert schweben sie durch die Lüfte, dabei schwingt ein großer Batzen Melancholie mit. Diese Melancholie tritt noch mehr in den Vordergrund, als erstmals der rauchige Gesang einsetzt. Und ja, Feels Like Air kann in seiner Gesamtheit richtig durchdringen und berühren. Gerade auf Vinyl entsteht da eine ganz intime Stimmung. Und obwohl die Band sehr reduziert unterwegs ist, entwickeln die Songs Tiefe und Atmosphäre. Einzelne Töne wabern durch den Raum, die Gitarre flirrt ein paar Töne, das Schlagzeug begleitet unauffällig aber dennoch prägnant. Die kristallklare Produktion lässt das alles nur noch stärker wirken. Die delaylastigen Reverb-Gitarren klingen fast magisch, der reduzierte Sound zieht einen richtig in den Bann. Und über allem schwebt dieser ausdruckstarke und melancholische Gesang! Das klingt so vertraut und doch so anders.

Hätte niemals gedacht, dass mich ’ne Britpop-Band 2018 noch packen könnte, aber Island klingen äußerst vielversprechend. Wo Bands wie The Kooks in die Langeweile abdriften, legen Island noch eine Schippe Spannung und Melancholie drauf, da hat man dann so Zeugs wie Héroes del Silencio, Chris Isaak oder die deutschen Indie-Electro-Dream-Popper Wyoming im Ohr. Songs wie Ride, Try oder The Day I Die gehen sofort ins Ohr, während andere Stücke wie z.B. auch das Titelstück wiederum etwas länger brauchen, dafür aber umso intensiver einschlagen. Wenn ihr euch also mal wieder richtig gut gemachten, emotionalen Indie-Rock/Britpop reinpfeifen wollt, dann kann euch dieses Album nur wärmstens empfohlen werden!

8/10

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