Leoniden – „Again“ (Two Piece Signs)

Mit ihrem sebstbetitelten Debütalbum konnte die Kieler Band ja bereits etliche Indierock-Fans begeistern, die Leoniden wurden daher im Jahr 2017 als Newcomer in den höchsten Tönen gelobt. Dabei wurde gern übersehen, dass die Leoniden seit ihrer Gründung als Schülerband mittlerweile auch schon bald zehn Jahre auf dem Buckel haben, lediglich Sänger Jakob Amr ist erst im Jahr 2014 zur Band gestoßen. Bis das Debütalbum 2017 dann endlich erscheinen konnte, zogen auch noch zwei weitere Jahre ins Land. Mit diesem Hintergrundwissen ausgestattet stört es deshalb gar nicht, dass die Band innerhalb kürzester Zeit – wir sprechen von gerade mal eineinhalb Jahren Abstand – das zweite Album rauskickt. Und das auch noch, obwohl die Band nach dem 2017er-Release quasi jedes Konzert mitnahm, das sie kriegen konnte. Wenn es gut läuft, dann muss man einfach vollen Einsatz zeigen.

Obwohl mir das Album und die vorangegangene EP sehr gut mundete, schaffte ich es bei der letzten Tour leider nicht, einen Blick auf die Jungs zu werfen. Laut Augenzeugen war das Konzert in Ulm und auch ein Auftritt bei einem Festival in Lustenau außergewöhnlich gut. Tja, Chance verpasst, selbst schuld! Kommen wir aber mal endlich zum musikalischen Inhalt von Again. Zehn Songs sind hier in etwas knapp über einer halben Stunde zu hören. Und bereits beim ersten Durchlauf wird klar, dass die Hitdichte erneut an der Obergrenze liegt. Dazu darf man bei jedem weiteren Durchgang staunen, wie viele Töne aus den verschiedensten Quellen miteinander zu dieser homogenen Einheit zusammenschmelzen, ohne dass das Ganze auch nur ansatzweise konstruiert wirkt. Das klingt so lebendig, pulsierend und frisch! Da haben die Jungs sicher konzentriert dran gefeilt, womöglich wurde bei den Aufnahmen wie auf einem orientalischen Bazar um jeden einzelnen Ton gefeilscht. Das Grundgerüst der Songs besteht ganz klar aus Gitarre, Schlagzeug, Synthies und einem unschlagbar smoothen Bass, dabei wundert man sich immer wieder über die stimmliche Bandbreite von Sänger Jakob. Der Typ hat mal ein richtig gutes Organ, da kommt pure Emotion rüber. An manchen Stellen meint man fast, man hätte gerade den Geist von Michael Jackson erblickt. Hört mal in den dritten Song Alone rein, da sind auch die besseren Songs von Justin Timberlake nicht weit, wenn auch hier tausendmal mehr Herzblut, Leidenschaft und Inhalt drin steckt! Denn auch die Lyrics beschäftigen sich mit tiefgründigeren Dingen wie z.B. Angst, Selbstzweifel und Depressionen.

Das bereits erwähnte Grundgerüst, das durchaus eine gesunde Rock-Kante besitzt, wird durch etliche Töne komplettiert. Im Verlauf des Albums fügen sich Handclaps, Streicher, Chöre/Frauenchöre, Elektro-Spielereien und Kuhglocken-Drums gekonnt in den Gesamtsound ein, so dass dem Ganzen eine ordentliche Pop-Note anhaftet. Die smoothen Grooves klingen jedenfalls auf der heimischen Stereoanlage sehr tanzbar und funky. Das macht definitiv Lust, die Band endlich mal live zu sehen! Und Vorsicht, Spoiler: in Bälde gibt’s hier ein kleines Review zur Show in Lustenau/Österreich zu lesen. Checkt Again unbedingt mal an, das Album ist so gelungen, dass es vermutlich bald an der Spitze der deutschen Indie-Charts stehen wird.

9/10

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