Death Engine – „Place Noir“ (Apocaplexy Records)

Death Engine kamen mir erstmals mit ihrer 2015er-12inch Mud unter die Ohren, dieser lag damals auch noch eine 7inch bei. Beim zweiten Album der Band aus Lorient passt diesmal alles auf eine 12inch. Die Platte kommt auch wieder mit einer ansprechenden Optik und im dicken Plattenkarton daher, die Inlay-Hülle ist genauso stabil und dazu farbig bedruckt. Die Photos der Fassaden vom Cover und vom Inlay wirken bedrohlich, düster und kalt. Passend dazu wurde mit Place Noir (Dunkler Ort) ein ebenso düsterer Albumtitel gewählt. Neben Apocaplexy Records ist am Release auch noch Throatruiner Records beteiligt.

Nun, so bedrohlich wie die Fassaden der Banlieues vom Cover ins Auge springen, so beunruhigend wabert der Sound beim Aufsetzen der Nadel aus den Lautsprechern. Wenn ordentlich aufgedreht ist, wummert der Bass beängstigend, während die Gitarren dissonant und die Drums präzise walzen. Die angsteinflößende Soundkulisse wird durch den Sänger komplettiert, der leidend zwischen Resignation, Wut und Verzweiflung seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Mal wird derbe geschrien, dann kommen aber auch immer wieder monoton gesungene, halb gesprochene Abschnitte zum Zug. Gerade die Drums wirken desöfteren hypnotisch, dazu gesellen sich Feedback-Geräusche und tremoloartige Gitarren, so dass immer wieder diese atmosphärischen und auftürmenden Soundwände entstehen. Und wenn man dabei die Augen schließt, dann kann man diesen grauen, im Rohbau befindlichen Betonbunker sehen, bei dem gerade aufgrund eines extrem kalten Winters Baustopp herrscht. Bei Death Engine ist der Rohbau jedoch soundtechnisch längst zum bezugfertigen Plattenbau vollendet, die Wohneinrichtung wurde sozusagen bis auf’s kleinste Detail ausgetüftelt, handwerklich wurde alles perfekt umgesetzt.

Es sind zwar nur sechs Songs, aber diese reißen mit einer Spielzeit von einer halben Stunde alles ein, auch wenn man ab und an mal eine unterschwellige Gitarrenmelodie entdeckt. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Texte nirgends abgedruckt sind. Wenn ihr Bands wie Neurosis, Converge, Celeste oder Melt Downer bereits zum Frühstück verspeist, dann solltet ihr euch diesen Bastard aus Noise, Hardcore, Metal und Screamo nicht entgehen lassen. Das Album macht es einem alles andere als einfach, aber dranbleiben lohnt sich. Als Anspieltipp empfehle ich mit Decline einen der leicht zugängigeren Songs.

8/10

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